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Um Energie zu sparen, haben die Hallenbäder in Sachsen-Anhalt die Wassertemperatur in den Schwimmbecken abgesenkt. Bildrechte: dpa

EnergiekriseKältere Schwimmbecken: Derzeit kaum Einschränkungen in Schwimmbädern

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 30. September 2022, 14:45 Uhr

Die Energiekrise trifft auch die Schwimmbäder in Sachsen-Anhalt. Angesichts steigender Preise haben die Bäder Maßnahmen ergriffen, um Gas und Energie sparen zu können. Dazu zählt auch die Absenkung der Wassertemperatur. Auswirkungen auf die Gäste und Angebote beobachten die Betreiber derzeit aber nicht. Auch Kurse und der Schwimmunterricht finden wie geplant statt.

Die Altmark Oase in Stendal ist das größte Sport- und Freizeitbad im Norden von Sachsen-Anhalt. Um Energie sparen zu können, habe das Bad "ein umfangreiches Maßnahmenpaket" zusammengestellt, erzählt Geschäftsführer Marcus Schreiber im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. So sei die Lufttemperatur beispielsweise von 34 auf 32 Grad abgesenkt worden.

Auch die Wassertemperaturen sind im Schnitt um ein Grad kälter, erklärt Schreiber. Im Wellen-Becken liegt die Temperatur statt bei 33, jetzt bei 32 Grad. Im Sport-Becken misst das Wasser aktuell 28 Grad. Auch in den Saunen wurden die Temperaturen im Schnitt um 5 Grad abgesenkt. Eine Schließung der Sauna-Landschaft sei aber nicht vorgesehen.

Gäste spüren nichts von den Maßnahmen

Von den ergriffenen Maßnahmen bekommen die Gäste derzeit noch nichts mit, versichert Schreiber. Grund dafür seien auch die momentan noch recht milden Außentemperaturen. Allerdings seien die Besucherinnen und Besucher durch das "ständige Hinweisen auf mögliche Einschränkungen" verunsichert und würden mit "negativen Erwartungen" in die Bäder gehen.

Höhere Eintrittspreise ab 2023

Was für wirtschaftliche Auswirkungen die Energiekrise für die Altmark Oase haben könnte, sei aktuell "nicht seriös abschätzbar", meint Schreiber. Trotz steigender Energiepreise werde es 2022 zunächst keine Preis-Anpassungen geben. "Für 2023 ist jedoch eine Anpassung der Eintritts-Tarife unausweichlich", ergänzt Schreiber. Hierzu soll der Stadtrat zum Ende des Jahres über verschiedene Vorschläge entscheiden.

Für 2023 ist jedoch eine Anpassung der Eintritts-Tarife unausweichlich.

Marcus Schreiber | Geschäftsführer Altmark Oase

"Nicht in Panik verfallen"

Auch wenn die Situation schwierig ist, will Schreiber nicht in Panik verfallen. "Wir haben auch zwei Jahre Corona überstanden. Aktuell fahren wir auf Sicht", erklärt er. Eine komplette Schließung sei keine Option. Denn für die "kommunale Daseinsvorsorge" sei das Bad ein wichter Standortfaktor in Stendal. In der Altmark Oase finden neben Schul- und Vereinssport auch Aquafitness- und andere Kurs-Angebote statt.

Halle: Schließung des Maya Mare bei Notfall-Stufe?

In Halle wurden bereits im Juni Maßnahmen ergriffen, um in Schwimmbädern Energie zu sparen. Die Stadtwerke Halle hatten entschieden, die Wassertemperaturen in den Stadtbädern und dem Maya Mare um ein bis zwei Grad abzusenken. Im Maya Mare werde zwar Fernwärme und kein Erdgas verwendet. Dennoch gehen die Stadtwerke davon aus, dass im Fall einer Gas-Mangel-Lage bzw. einer Ausrufung der Notfall-Stufe

durch den Bund eine Schließung zum Beispiel des Maya Mare die Folge wäre. Im Juni wurde zudem das mit Gas beheizte Hallenbad Saline bis Mitte September geschlossen. 

Droht dem Maya Mare in Halle bei einer Notfallstufe die Schließung? Bildrechte: imago images / VIADATA

Vorsorge der letzten Jahre macht sich bezahlt

Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen für die Stadtbäder können die Stadtwerke noch keine konkreten Aussagen machen. "Natürlich treffen uns die Energiepreise für Strom und Wärme massiv", heißt es auf Anfrage. Die technischen und organisatorischen Maßnahmen der letzten Jahre hätten jedoch dazu geführt, in den Bädern Halles den Energieverbrauch zu senken. "Dies wirkt dem Preisauftrieb jetzt teilweise entgegen", erklärte eine Sprecherin.

Fraunhofer-Analyse für Bäder in Magdeburg

Auch in den Schwimmhallen in Magdeburg wurden die Wassertemperaturen im Juni um 1 Grad gesenkt - in den großen Becken von 28 auf 27 Grad Celsius, in den kleinen Becken von 30 auf 29 Grad Celsius. Auch die Lufttemperatur wurde um 1 Grad Celsius angepasst, teilte die Stadtverwaltung mit.

Zudem sei Ende Juni das Fraunhofer-Institut mit einer Potenzialanalyse der Schwimmhallen beauftragt worden. Damit soll eine "Entscheidungsgrundlage für künftige Energie-Planungs- und Betriebs-Konzepte geschaffen werden", sagte ein Stadt-Sprecher.

Bisher keine Auswirkungen auf Schwimm-Kurse

Die geringeren Temperaturen und teilweise Schließungen haben bisher keine Auswirkungen auf die Schwimm-Kurse des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Dem DRK-Landesverband Sachsen-Anhalt liegen aktuell keine Informationen zu Einschränkungen vor, sagte Pressesprecher Jörn Rettig im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Dies könne sich allerdings jederzeit ändern. "Die Schließung von Schwimmhallen würde die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen nach Corona zusätzlich einschränken und die Rettungs-Fähigkeiten von Rettungsschwimmern deutlich senken", gibt Rettig zu bedenken.

Schwimmkurse des DRK finden in Sachsen-Anhalt auch trotz der Energiesparmaßnahmen statt. Bildrechte: SV Halle/Deutsch

Die Schließung von Schwimmhallen würde die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen nach Corona zusätzlich einschränken.

Jörn Rettig | Pressesprecher DRK-Landesverband Sachsen-Anhalt

Negative Auswirkungen auf Angebote wie Babyschwimmen oder Reha-Sport befürchtet auch die Altmark Oase in Stendal derzeit nicht. "Auf unsere Angebotspalette haben die aktuellen Maßnahmen keine Auswirkung. Alle Kurse werden wie geplant gehalten", sagte Geschäftsführer Schreiber.

Genthiner Verein befürchtet Einschränkungen beim Reha-Sport

Bei einer weiteren Absenkung der Wassertemperatur befürchtet der Sportverein Chemie Genthin e.V. allerdings Einschränkungen für das Reha-Angebot. Ein Übungs-Betrieb über 45 Minuten ist bei solchen Temperaturen nicht mehr möglich, sagte der Vereinsvorsitzende Fritz Mund MDR SACHSEN-ANHALT.

Bei wesentlichen Erhöhungen der Betriebskosten durch die Stadt käme der Verein zudem nicht umhin, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. "Bei den gegenwärtigen Inflations-Auswirkungen auf die Bürger ist mit einem drastischen Austritt von Mitgliedern zu rechnen", befürchtet Mund.

Schulschwimmen findet statt

Auch auf den Schwimmunterricht in Schulen haben die aktuellen Sparmaßnahmen keine Auswirkungen, teilte das Landesschulamt Sachsen-Anhalt auf Anfrage mit. "Wie sich die Lage in den kommenden Monaten weiterentwickelt, müssen wir abwarten", sagte ein Sprecher. Das Landesschulamt stehe dafür mit den Schwimm-Koordinatoren im ständigen Austausch. In der kommenden Woche soll zudem vorsorglich besprochen werden, wie mit eventuellen Schließungen von Bädern umgegangen werden kann.

Schließung und Antrag auf Kurzarbeitergeld

Die gestiegenen Energiepreise haben aber auch bereits zu Schließungen geführt. In Bitterfeld-Wolfen wurde Mitte August das Spaßbad "Woliday" aus Kostengründen vorerst geschlossen. Wie Heiko Landskron von der Bädergesellschaft MDR SACHSEN-ANHALT damals mitteilte, stellt das Bad den Betrieb bis mindestens Jahresende ein. Grund seien die steigenden Energiepreise und die drohende Gas-Notlage.

Bereits in der vergangenen Woche wurde erwogen, das privat betriebene Schwimmbad im Staßfurter Salzlandcenter zum Jahresende zu schließen. Der Betreiber hatte wegen der gestiegenen Gas- und Energiepreise Kurzarbeitergeld beantragt. Die Arbeitsagentur hatte den Antrag abgelehnt. Das Unternehmen kündigte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT ein weiteres Gespräch mit den Stadtwerken an. Dabei solle es um eine neue Preis-Struktur gehen.

MDR (Moritz Arand)

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. September 2022 | 08:30 Uhr

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