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Autobahnbaustelle SeehausenNeue A14-Elbbrücke mit mehr Stahl als der Eiffelturm

06. Juli 2023, 11:02 Uhr

Seit einem Jahr wird bei Seehausen im Landkreis Stendal an der Elbquerung für die A14 gebaut. Mittlerweile sind die notwendigen Pfeiler in den Boden gerammt worden. In den folgenden Monaten ist Präzisionsarbeit für den Überbau erforderlich. Weil die Brücke in Naturschutzgebieten entsteht, wird obendrein auf engstem Raum agiert.

Es wuselt auf der Baustelle an der Elbe. Es fahren Lastwagen, Arbeiter in roten Westen und gelben Bauhelmen hangeln auf einem Gerüst entlang. Mit einem Kran wird Beton für ein Stützbauwerk gegossen. "Wir haben jetzt alle Arbeiten erledigt, die ein Baugrundrisiko hatten", sagt Projektleiterin Kathrin Fiedler von der "Deutsche Einheit Fernstraßenplangs- und -bau GmbH" (Deges).

Insgesamt wurden 357 Pfähle in den Boden eingelassen, reichlich Spuntwände gesetzt und in der Elbe mehrere sogenannte Dalben in den Boden gerammt. Diese sind reine Schutzvorrichtungen, damit Schiffe nicht versehentlich in die Baustelle reinfahren und dabei Arbeiter verletzen können. "Wir mussten einige Pfeiler bis zu 30 Meter tief in den Boden bringen", sagt Fiedler.

9.000 Tonnen Stahl

Nun sind diese Vorarbeiten aber erledigt und es folgt in den kommenden Monaten der weitaus spannendere Teil des Brückenbaus, der unmittelbar neben der alten Brücke der B189 entsteht und bereits in zweieinhalb Jahren fertig sein soll. "Derzeit wird ein 600 Tonnen-Kran aufgebaut", erläutert die Projektleiterin. Der Kran, der auf Wittenberger Seite steht, soll bei der Montage der Brückenteile helfen.

Insgesamt vier sogenannte Takte werden an Land aufgebaut und dann langsam an ihre Position geschoben. "Das erste Teil wird Anfang des kommenden Jahres verschoben", sagt Fiedler. Es werden wahre Stahlmonster sein, die dann von den Bauleuten langsam über die Elbe hin zu ihrem Stützpfeiler geschoben werden.

Projektleiterin Kathrin Fiedler hofft auf eine Freigabe der Brücke Anfang 2026. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Man werde insgesamt rund 9.000 Tonnen Stahl für die Brücke verbauen. "Der Eiffelturm besteht aus rund 7.000 Tonnen Stahl", sagt Fiedler. Während auf der Baustelle der Kran aufgestellt und das Montagefeld vorbereitet wird, werden im sächsischen Niesky und Plauen die jeweils rund 20 Meter langen Einzelteile gefertigt. Diese werden mit Lastwagen nach Wittenberge befördert und dann miteinander verbunden.

Das ist am Ende Millimeterarbeit. Man braucht die Fertigkeiten eines Feinmechanikers oder gar Uhrmachermeisters.

Kathrin Fiedler, Deutsche Einheit Fernstraßenplangs- und -bau GmbH

"Das ist am Ende Millimeterarbeit", sagt Kathrin Fiedler. Man brauche die Fertigkeiten eines Feinmechanikers oder gar Uhrmachermeisters. "Wenn alles zusammengesetzt ist, muss es ja auch präzise passen", sagt die Fachfrau.

Brücke soll 2026 befahrbar sein

Man sei mit den Arbeiten im Zeitplan, sagt Fiedler. Sie leitet die Baustelle zusammen mit dem Baubevollmächtigten Björn Jeworowski. "Es muss hier zusammenspielen", sagt er. Die verschiedenen Gewerke müssten zu den bestimmten Terminen fertig sein. Und das in Kooperation mit diversen externen Firmen, die alle Einfluss auf den Ablauf hätten.

Ende 2025 sollen die Arbeiten an der Brücke abgeschlossen werden, so dass im Frühjahr 2026 der Verkehr über das neue Bauwerk rollen wird. "Allerdings wird die Brücke dann noch nicht als Autobahn genutzt werden können", sagt Deges-Sprecher Lutz Günther. Zunächst werde die Brücke als Ausweichfahrbahn für die B189 dienen, damit diese Brücke dann ebenfalls neu gebaut werden kann. Das bisherige Bauwerk ist derart marode, dass eine Sanierung laut Landesstraßenbaubehörde keinen Sinn mehr ergeben hätte. Dort laufen die Planungen für den Neubau, ein Termin für einen Beginn steht allerdings noch nicht fest.

Die Baustelle liegt in Naturschutzgebieten. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Autobahnbrücke ohne Autobahn

Aber auch aus einem zweiten Grund wird die nun im Bau befindliche Autobahnbrücke nicht unmittelbar mit der Fertigstellung auch als Autobahn genutzt werden können: Denn sowohl nördlich in Brandenburg als auch südlich zwischen Seehausen und Osterburg sind die Autobahnabschnitte noch nicht einmal im Bau. Beim südlichen Abschnitt im Landkreis Stendal laufen zumindest die Vorbereitungen. Im Norden soll es noch in diesem Jahr zumindest einen Planfeststellungsbeschluss für den 18 Kilometer langen Abschnitt zwischen Wittenberge und Karstädt geben.

Zuletzt hatte sogar Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Druck in der Sache gemacht. Allerdings besteht da immer noch die Gefahr, dass juristisch gegen die Planungen vorgegangen wird. Dies ist für den südlichen Abschnitt Seehausen-Osterburg nicht mehr möglich. Wohl auch deshalb gibt es dort seit einem Jahr auch keine Baumbesetzer auf der Trasse im Losser Forst mehr.

Hohe Stahlpreise durch Ukraine-Krieg

Naturschutzrechtlich sehr sensibel ist aber auch der Brückenbauabschnitt. "Wir haben viele Auflagen", sagt Projektleiterin Kathrin Fiedler. Allein das Bauverfahren mit dem Vorschub der Bauelemente resultiere daraus. Nur so sei es möglich auf einem besonders engen Raum die Baustelle zu betreiben. "Wir nutzen dafür nicht mehr Platz als unbedingt notwendig ist", sagt sie. Außerdem werden zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt. Es sind 900 Bäume zu pflanzen und ein drei Hektar großes Gehölz sowie Habitate für Brutvögel und Fledermäuse.

Wir haben viele Auflagen. Wir nutzen nicht mehr Platz als unbedingt notwendig ist und setzen zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen um.

Kathrin Fiedler, Deutsche Einheit Fernstraßenplangs- und -bau GmbH

Der Bau der 1.100 Meter langen Brücke über die Elbe gehört im Übrigen zu einem insgesamt 10,8 Kilometer langen Autobahnabschnitt. Dieser wird – inklusive Brücke – nach aktuellem Stand 417 Millionen Euro kosten. Vor einem Jahr gingen noch die Schätzungen von 305 Millionen Euro aus. "Allein bei den Stahlkosten sind die Preise ordentlich angezogen", sagt Projektleiterin Fiedler. Viel Stahl wurde bisher aus Mariopol in der Ukraine bezogen, jedoch ist das Stahlwerk dort im Krieg zerstört worden. Allerdings hat sich der Markt umorientiert, so dass es dort zumindest keinen Engpass mehr geben wird.

Für die Projektleiterin gibt es nur noch einen großen Risikofaktor, der das Brückenprojekt noch verzögern könnte – und das ist Niedrigwasser in der Elbe. "Im nächsten Jahr um diese Zeit wollen wir das vierte und letzte Brückenteil mit einem Schwimmenden Ponton befördern, dafür brauchen wir Wasser", sagt sie.           

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MDR (Bernd-Volker Brahms, Max Schörm) | Erstmals veröffentlicht am 05.07.2023

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Juli 2023 | 07:30 Uhr

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