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In einen VW Touran wurden insgesamt 13 Geflüchtete gepfercht. Bildrechte: Bundespolizeiinspektion Ebersbach

KriminalitätBundespolizei stoppt Auto mit 13 Geflüchteten - weiterer Schleuser in U-Haft

von MDR SACHSEN

Stand: 08. Oktober 2022, 12:07 Uhr

Die Zahl der Geflüchteten, die nach Sachsen kommen, nimmt seit Wochen deutlich zu. Schleuser nutzen die Notlage der Menschen aus und bringen sie für viel Geld ins Land. Erneut wurde eine dieser Fahrten an der A4 durch die Polizei gestoppt. Wie schon am Freitag bei einer anderen Schleuser-Fahrt wurden die Geflüchteten unter unmenschlichen Bedingungen in ein Fahrzeug gepfercht.

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Die Bundespolizei hat in der Nacht zum Sonntag an der A4 auf dem Rastplatz Oberlausitz erneut einen Schleuser mit 13 Migranten gestoppt. Mit seinem VW Touran hatte der Fahrer die Migrantinnen und Migranten nach deren Grenzübertritt über die tscheschiche Grenze in einem Waldgebiet bei Oberseifersdorf aufgenommen, teilte die Polizei mit. Ein Bürger wies die Polizei auf das Geschehen hin. Ziel der Fahrt sollte Frankfurt/Main sein.

Fünf Geflüchtete hockten laut Polizeiangaben im Kofferraum des VW Touran, den die Bundespolizei auf dem Rastplatz Oberlausitz an der A4 stoppte. Bildrechte: Bundespolizeiinspektion Ebersbach

In dem Auto hockten nach Angaben der Polizei fünf junge Männer im Kofferraum, sechs Personen saßen auf der Rücksitzbank und eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Beifahrersitz des Wagens, der eigentlich nur Platz für fünf Personen bietet. Unter den Geflüchteten seien acht Iraker im Alter von drei bis 36 Jahren sowie fünf Syrer im Alter zwischen 17 und 21 Jahren gewesen. Die Personen konnten alle keine Aufenthaltsdokumente vorzeigen.

Pro Geflüchteten 200 Euro Schleuserlohn

Ursprünglich waren laut Polizeiangaben 17 Menschen von der Türkei aus gestartet. Von dort gelangten sie demnach über die Balkanroute und die tschechische Grenze nach Deutschland. Unter ihnen sei eine siebenköpfige Familie aus dem Irak, die 42.000 Euro an eine Schleuserorganisation gezahlt haben soll. Vier Menschen aus der in der Türkei gestarteten Gruppe seien nicht erfasst worden, weil sie zuvor bereits von Angehörigen an der Grenze abgeholt wurden, heißt es.

Der Fahrer des VW sollte pro Geflüchtetem 200 Euro, also insgesamt 2.600 Euro Schleuserlohn, bekommen, so die Polizei. Einen Führerschein besitze der 33-jährige Syrer, der in Deutschland lebt, nicht. Gegen ihn ermittelt nun die Polizei wegen Einschleusens von Ausländern unter lebensgefährdenden Umständen und wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Die 13 Migrantinnen und Migranten stellten nach Polizeiangaben ein Schutzersuchen und kamen in die Erstaufnahmeeinrichtung in Dresden, in der sie einen Asylantrag stellen können.

Ähnlicher Fall Ende vergangener Woche: Türkischer Schleuser in Untersuchungshaft

Erst am Freitag wurde eine Schleuser-Fahrt an der A4 in Bautzen gestoppt. Der Schleuser sitzt seit Sonnabend nach Angaben der Bundespolizei in Untersuchungshaft. Der zuständige Richter hat demnach Haftbefehl gegen den 45-jährigen Türken erlassen. Am gleichen Tag wurde er in die JVA Görlitz gebracht, so die Polizei. Die Bundespolizei hatte den Schleuser auf der A4 bei Bautzen auf frischer Tat ertappt und sofort festgenommen. Wie die Beamten mitteilten, entdeckten sie einen Kleinbus mit 19 illegalen Migranten. Ein aufmerksamer Bürger hatte den offensichtlich überladenen Bus in Höhe der Ortschaft Weißenberg gesehen und die Polizei informiert.

In einem Kleinbus stapelten sich am Freitag nach Angaben der Polizei 19 Geflüchtete. Aufgegriffen wurde die Schleuser-Fahrt ebenfalls auf der A4. Bildrechte: Bundespolizei

Geflüchtete im Kofferraum zusammengepfercht

Als die Bundespolizisten die Türen des Transporters öffneten, sahen sie nach eigenen Angaben ein "verstörendes Bild". Männer im Alter zwischen 16 und 32 Jahren stapelten sich fast im Inneren des Wagens und waren auch nicht angeschnallt. Spätere Berechnungen ergaben, dass der Kleinbus mit 200 Kilogramm zu viel beladen war.

Aufgrund der unmenschlichen Behandlung und dem ungeschützten gefährlichen Transport über eine derart weite Strecke muss sich der Fahrer wegen des Einschleusens von Ausländern unter lebensgefährdenden Umständen verantworten.

Bundespolizei

Für 6.000 Euro nach Deutschland

Die 19 Männer kurdischer Herkunft waren nach Polizeiinformationen für eine Zahlung von 6.000 Euro pro Person durch eine Schleuserorganisation von der Türkei über die Balkanroute nach Deutschland gebracht worden. Der festgenommene türkische Fahrer, der sonst in Litauen lebt, hatte sie in Ungarn übernommen und über Tschechien nach Deutschland geschleust. Die Einreise erfolgte im Bereich Zittau. Erst nach fünf Stunden hatte er laut Polizei eine kurze Pause eingelegt und seinen Mitfahrern Wasser gekauft.

Kurden stellen Asylantrag

Die 19 Kurden stellten Asylanträge und werden an eine Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet. Ein 16 Jahre alter Jugendlicher wurde von seiner in Deutschland lebenden Schwester abgeholt. Gegen die Männer wurden Strafanzeigen wegen der unerlaubten Einreise sowie wegen des unerlaubten Aufenthaltes geschrieben.

MDR (phb/sth)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 08. Oktober 2022 | 19:00 Uhr