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Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Besucher-BergwerkAuf Zeitreise im "Aurora Erbstolln" in Dorfhain

von Stephan Hönigschmid, MDR SACHSEN

Stand: 23. August 2022, 20:01 Uhr

Der Silberbergbau hat Sachsen einst reich gemacht. Wer in diese Zeit eintauchen will, der ist im "Aurora Erbstolln" in Dorfhain genau richtig. Unter Tage erfahren die Besucherinnen und Besucher, wie mühsam einst die Erze abgebaut wurden. Wer Lust hat, darf auch selbst in den Felsen hämmern. MDR SACHSEN-Reporter Stephan Hönigschmid hat sich das einmal angesehen und einiges dazugelernt.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer bei glühender Sahara-Hitze eine Abkühlung braucht, der muss nicht unbedingt ins Freibad gehen. Auch im Bergwerk kann es erfrischend sein, zum Beispiel im "Aurora Erbstolln" in Dorfhain südwestlich von Dresden. Dort herrschen immer konstant acht bis zehn Grad. Diesen Kontrast wollte ich gern erleben, als ich mich ursprünglich entschieden habe, mir den Erbstolln einmal anzusehen.

Grubenwetter ist nicht optimal

Als ich tatsächlich vor Ort bin, ist die Hitze jedoch verflogen und somit die Temperaturdifferenz von Grube und Außenwelt deutlich geringer. Interessant ist das trotzdem, auch wenn der Vorsitzende des Gewerkschaft "Aurora Erbstolln" e.V., Silvio Lehmann, der mir das Bergwerk zeigt, das Grubenwetter nicht so optimal findet. "Wenn man drinnen acht Grad und draußen zwölf Grad hat, gibt es weniger Zugluft und mehr Nebel im Schacht." Die Luftzirkulation funktioniere nicht so gut wie bei größeren Temperaturunterschieden, erklärt Lehmann.

Im "Aurora Erbstolln" herrscht stets eine konstante Temperatur zwischen acht und zehn Grad. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Ohne die fleißigen Bergleute aus dem Erzgebirge wäre Dresden nur ein Fischerdorf.

Silvio Lehmann | Vorsitzender des Gewerkschaft "Aurora Erbstolln" e.V.

Das mit dem Nebel bekomme ich angesichts der spärlichen Lichtverhältnisse anfangs gar nicht mit. Außerdem ist die Führung dermaßen spannend, dass ich vor allem auf die Inhalte achte. Bei dieser Zeitreise in die Zeit des Silberbergbaus gefällt mir vor allem ein Satz von Silvio Lehmann: "Ohne die fleißigen Bergleute aus dem Erzgebirge wäre Dresden nur ein Fischerdorf."

Mit viel Fachwissen führt Silvio Lehmann durch die Tour unter Tage. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Bergleute mochten keine Bergparaden

Bei dieser Gelegenheit erfahre ich von dem Vereinsvorsitzenden zudem, dass die Bergleute, die den Wohlstand der Landeshauptstadt erwirtschaftet haben, zur damaligen Zeit gar keine Freude an Bergparaden hatten: "Die Bergleute mussten die Berguniformen selbst bezahlen und auf eigene Kosten anreisen. An diesem Tag haben sie dann auch nicht arbeiten können und folglich nichts verdient." All das habe die Paraden, anders als heute, bei den Betroffenen ziemlich unbeliebt gemacht.

Silbernachfrage führt zum Start des Bergbaus

In der Region Dorfhain wurde der Bergbau 1511 erstmals urkundlich erwähnt. Im "Aurora Erbstolln" ging es 1580 mit der Arbeit los. "Das war eine Grube mit ein bis drei Mann Belegschaft. Hauptsächlich hat man hier bleihaltiges Erz mit Silberanteil gefördert. Die zwei Prozent Silberanteil haben den Bergmann motiviert, diesen Stollen anzulegen", weiß Silvio Lehmann.

Wer die verschiedenen Steinarten noch nicht kennt, kann im Bergwerk etwas dazulernen. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Flussspat als Schmelzmittel für Eisen in Bad Gottleuba

Darüber hinaus habe man Flussspat aus dem Stollen geholt und nach Bad Gottleuba geschafft. Dort wurde es als Schmelzmittel genutzt, damit Eisenerz beim Schmelzen schneller flüssig wird. Während der Bergmann sonst froh ist, wenn etwas gefunden wird, waren viele zu DDR-Zeiten auch mal froh, dass nichts gefunden wurde. Stichwort: Wismut. "Natürlich hat die Wismut, wie in jedem anderen Bergwerk, hier Uranerz gesucht. Zum Glück wurde aber nichts gefunden. Sonst sähe es hier anders aus", sagt der Vereinsvorsitzende.

Auch ein Grubentelefon ist in dem Besucherbergwerk zu sehen. Solche Apparate sind explosionsgeschützt und besonders laut, damit sie auch bei Umgebungslärm gehört werden. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

260 Meter langer Rundgang im Stollen

Diesen Teil der Geschichte erwähnt Lehmann nur kurz. Denn der Fokus ist auf den historischen Bergbau gerichtet. Insgesamt ist der Aurora-Stollen knapp 600 Meter lang. Für die Besucherinnen und Besucher sind 260 Meter zugänglich. Vorteilhaft und abwechslungsreich ist, dass es nicht ein und dieselbe Strecke hinein- und hinausgeht. Stattdessen gehen wir zunächst einen Hauptgang entlang, der sich nach rechts und links aufteilt. Wir folgen erst dem linken Gang und kehren dann rechts zurück, gehen also gewissermaßen eine Runde.

Die heilige Anna ist die Schutzpatronin der Bergleute. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Quartalswinkel künden von der Arbeit der Bergleute

Unterwegs kommen wir an drei zwölf Meter tiefen Schächten vorbei, die mit Wasser gefüllt sind. Eindrucksvoll sind die Jahreszahlen und die sogenannten Quartalswinkel an der Wand. "Daran sieht man, wie viel die Bergleute in welcher Zeit geschafft haben. Der Quartalswinkel, ein L oder rechter Winkel, zeigt dabei mit seinem unteren Strich an, in welcher Richtung hier Erze abgebaut wurden."

Als die Goldwährung eingeführt wurde und der Silberpreis verfallen ist, hat man viele Silberbergwerke hier nach und nach geschlossen.

Silvio Lehmann | Vorsitzender des Gewerkschaft "Aurora Erbstolln" e.V.

Bergleute schlagen 101 Mal pro Minute in den Felsen

Mit Schlägel und Eisen, dem traditionellen Bergwerkssymbol, hätten die Bergleute im Schnitt 101 Mal pro Minute ins Gestein geschlagen. "Ein Bergmann hat am Tag vier bis sechs Zentimeter geschafft", sagt Silvio Lehmann. So liest man unterwegs rötliche Zahlen wie 1856 oder 1863 an der Wand. Weiter als 1894 geht es aber nicht, denn dann war Schluss. "Als die Goldwährung eingeführt wurde und der Silberpreis verfallen ist, hat man viele Silberbergwerke hier nach und nach geschlossen."

Mit derartigen Jahreszahlen haben die Bergleute früher an den Wänden des Stollens markiert, wie weit sie mit dem Abbau der Erze gekommen sind. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Besucher-Bergwerk bei Familien beliebt

Doch die Erinnerung lebt weiter und weckt nicht nur das Interesse der älteren Generation. "Wir erleben es seit einigen Jahren, dass vermehrt Familien mit Kindern bei uns vorbeischauen." Pro Jahr habe man circa 600 bis 1.200 Besucher, davon seien 400 bis 500 Kinder, die in Projektwochen den Bergbau kennenlernen wollen, berichtet Lehmann. Mindestens sechs Jahre alt sollten sie jedoch mindestens sein. Mit einer Länge von 30 bis 40 Minuten ist die Tour kurzweilig genug, damit den lieben Kleinen nicht langweilig wird.

Der lila schimmernde Flussspat ist auf der Tour schön anzusehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kinder dürfen selbst in den Felsen hämmern

Für Abwechslung sorgt außerdem, dass sie im Fürstenbau auch mal selbst in den Felsen hämmern dürfen. Sowohl für Kinder als auch Erwachsene ist während der Tour der lila schimmernde Flussspat eine optische Freude. Schön anzusehen ist auch eine Gesteinsausstellung, in der unter anderem Braryt-, Azurit- oder auch Quarzgesteine zu sehen sind.

Fazit

Wer Geschichte mag und wem es nichts ausmacht, unter Tage durch den teilweise matschigen Untergrund zu waten, für den ist die Tour genau das Richtige. Sie verbindet Wissensvermittlung mit einer aktiven Wanderung. Da man unter Tage nur mit einer kleinen Leuchte unterwegs ist, erhöht das die Spannung zusätzlich. Wie jeder andere, bin ich zwar trotzdem froh, am Ende wieder Heil in der Außenwelt angekommen zu sein. Missen möchte ich das Erlebnis aber nicht.

Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Adresse

  • Adresse: "Aurora Erbstolln", 01738 Dorfhain - An der Straße von Dorfhain Richtung Klingenberg gelegen
  • Parkmöglichkeiten vorhanden

Kosten

  • Eine Führung kostet 4,50 Euro für Erwachsen, 3,50 Euro für Kinder, die Familienkarte schlägt mit 13 Euro zu Buche.

Geeignet für

  • Familien mit Kindern ab 6 Jahren

Barrierefreiheit

  • Barrierefreiheit nicht gegeben

Verpflegung

  • Selbstverpflegung, Picknick auf Sitzgruppe möglich

Daran sollte man denken

  • feste Schuhe und warme Kleidung

Wenn man schon mal da ist ...

  • sollte man die Idylle an der Wilden Weißeritz genießen.
  • auch der Bergbaulehrpfad von Edle Krone nach Klingenberg ist interessant.

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