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Ein Großbrand in der Böhmischen Schweiz griff im vergangenen Jahr auch auf das Gelände der Sächsischen Schweiz über. Durch die Feuer entstand ein millionenschwerer Schaden. (Archivbild) Bildrechte: dpa

BrandstiftungWaldbrände 2022 in Nationalparks: Mutmaßlicher Brandstifter war vorbestraft

13. Juni 2023, 18:48 Uhr

Im Sommer 2022 griff ein Großfeuer von der Böhmischen Schweiz auf Teile der Sächsischen Schweiz über. Ein Millionenschaden entstand. Ende Mai dieses Jahres war ein tatverdächtiger Brandstifter von der tschechischen Polizei verhaftet worden, der auch dieses Jahr offenbar weiter gezündelt hatte. Der Tatverdächtige kannte nicht nur den Nationalpark sehr gut, sondern ist auch vorbestraft.

Über den mutmaßlichen Brandstifter, der im Sommer 2022 einen Großbrand in der Böhmischen Schweiz und Teilen der Sächsischen Schweiz verursacht haben soll, sind weitere Details bekannt geworden. Der 36-jährige Jiří L. war Ende Mai von der Tschechischen Polizei festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Neben den Waldbränden im vergangenen Sommer soll er im April dieses Jahres weitere Brände im Raum Děčín gelegt haben.

Nun ist durch Recherchen des Tschechischen Rundfunks bekannt geworden, dass der 36-Jährige im Nationalpark Böhmische Schweiz bis 2018 als ehrenamtlicher Ranger beschäftigt war. Kurzzeitig sei er dort auch als Wachmann angestellt gewesen. Die tschechische Polizei war bei ihren Ermittlungen zum Großbrand 2022 sowie bei den kleineren Bränden im April davon ausgegangen, dass der Brandstifter den Nationalpark gut kennen musste.

Versuchte Vergewaltigung einer Kollegin

Im Jahr 2018 musste Jiří L. den Nationalpark den Recherchen des Tschechischen Rundfunks zufolge verlassen. Der mögliche Grund: Er soll eine Arbeitskollegin im White-Light-Zentrum für Drogenabhängige in Rumburk, wo er nebenbei arbeitete, im Juli 2017 versucht haben zu vergewaltigen. Der Frau sei schließlich die Flucht gelungen.

Im Januar 2018 verurteilte ihn das Bezirksgericht Děčín den Angaben zufolge wegen versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren und einer Bewährungsstrafe von dreieinhalb Jahren. Der Nationalpark Sächsische Schweiz nannte auf Anfrage des Tschechischen Rundfunks keinen Grund, warum Jiří L. nicht weiter beschäftigt wurde. Die Parkverwaltung teilte lediglich mit: "Er hat einfach die Fähigkeit verloren, die Tätigkeit eines freiwilligen Wächters auszuüben."

In der Sächsischen Schweiz wüteten Brände im vergangenen Jahr über mehrere Wochen. Löschteams aus ganz Deutschland wurden zur Hilfe gerufen. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Bernd März

Vater spricht von psychischen Problemen

Nach Recherchen des Tschechischen Rundfunks führte die Fahndung nach dem mutmaßlichen Brandverursachser und einem als vermisst gemeldeten Mann die tschechischen Polizeibeamten im April dieses Jahres zu ein und derselben Person. Am 4. April sei ein Mann aus Rumburk in einer Polizeistation erschienen, um seinen 36-jährigen Sohn Jiří L., als vermisst zu melden.

Mein Sohn hat psychische Probleme.

Vater von Jiří L.

Den Polizeibeamten sagte der Vater den Recherchen zufolge, dass sein Sohn "psychische Probleme" habe. Er mache sich Sorgen, weil sich sein Sohn vorher noch nicht so verhalten habe. Der Vater teilte der Polizei laut der Recherchen mit, dass es einen Streit zwischen ihm und dem Sohn gegeben haben soll. Nachdem Jiří L. im Haus randalierte und einen Drohbrief schrieb, sei er verschwunden.

Von Unschuld des Sohnes überzeugt

Nach seiner Verhaftung im April habe Jiří L. der Polizei gestanden, dass er in dieser Zeit mehrere Feuer am Berg Vlčí hora und in Doubica mit Hilfe von Reinigungsalkohol gelegt. Den Polizisten sagte er, dass der Alkohol "für eine erfolgreiche Entzündung am besten geeignet" sei. Schließlich habe er auch gestanden, die Feuer im vergangenen Jahr gelegt zu haben.

Er hat nichts angezündet, ich halte das für Unsinn.

Vater von Jiří L.

Der Vater von Jiří L. ist von der Unschuld seines Sohnes überzeugt: "Er hat nichts angezündet, ich halte das für Unsinn."

Haftstrafe von bis zu 15 Jahren

Allein durch die Brände im April sind den Angaben zufolge ein Aussichtsturm und eine Hütte komplett abgebrannt. Der Sachschaden: zwei Millionen Euro. Zusammen mit dem Großbrand 2022 schätzt die tschechische Polizei den Gesamtschaden auf rund 270 Millionen Kronen, also 11,5 Millionen Euro.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem in U-Haft befindlichen Jiří L. wegen des Tatvorwurfs der Gemeingefährdung und Sachbeschädigung fremden Eigentums bis zu 15 Jahren Gefängnis.

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MDR (phb)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Dresden | 13. Juni 2023 | 14:30 Uhr