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In der Mediathek ansehenDoku-Tipp: Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich.

06. November 2023, 14:58 Uhr

Ihre Eltern kamen als Studentinnen oder Vertragsarbeiter aus Angola oder Mosambik in die DDR, oder sie selbst fanden in Deutschland Zuflucht. Inzwischen sind sie hier zuhause, haben einen deutschen Pass, einen Beruf und Familien gegründet. Doch noch immer sind sie mit Vorurteilen oder gar Gewalt konfrontiert – weil sie schwarz sind. Für seinen Film "Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich" trifft Regisseur Ared Hubert die Thüringer Polizistin Doreen Denstädt, die heute Justizministerin ist oder Juliana Luisa Gombe, die als Sozialarbeiterin in Magdeburg lebt. Sie berichten vom Alltagsrassismus, aber auch vom Ankommen.

Manuel Rost trainierte bis Anfang 2022 die erste Herrenmannschaft des FC Rot-Weiß-Erfurt und traute sich zu, den Erfolg vergangener Tage zurückzuholen. Geboren wurde er in einem kleinen Dorf bei Gotha. Verwunderte Blicke, Fragen nach seiner Herkunft und der häufige Hinweis, dass er "anders" aussehe, begleiten ihn seit der Kindheit. Gewöhnt hat er sich daran nicht:

Manuel Rost trainierte bis Februar 2022 die erste Herrenmannschaft des FC Rot-Weiß-Erfurt. Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt

Der Moment, in dem es passiert, ist immer wieder schmerzhaft. Und das ist auch der Punkt, den ich den Leuten zu vermitteln versuche: dass das sehr weh tut. Ich kann nur schwer beschreiben, was das innerlich mit einem macht.

Manuel Rost

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Engagement für friedliches Miteinander

Juliana Luisa Gombe fühlt sich heute in Magdeburg zu Hause. Als 27-Jährige flüchtete sie aus Angola. 1996 kam sie in die Stadt an der Elbe, in dem ihr der Neuanfang gelang, auch wenn sie mit Alltagsrassismus und Gewalt fertig werden musste. Heute berät sie Menschen mit Behinderung bei der Volkssolidarität.

Die Mutter von drei erwachsenen Kindern umsorgt zudem ein Pflegekind. Dass es weiß ist, stört manche Menschen, berichtet sie. Juliana Luisa Gombe versucht mit ihrem Beispiel zu zeigen, dass Liebe keine Frage der Hautfarbe ist.

Juliana Luisa Gombe, geboren in Angola Bildrechte: MDR/Ared Hubert

Ich werde gefragt: 'Wieso machst du sowas?' – Ja, wieso? Weil ich Kinder ganz besonders liebe, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass da ein Kind ohne Mama ist.

Juliana Luisa Gombe setzt sich ein für das friedliche Miteinander in der Stadt, engagiert sich mit dem von ihr gegründeten Verein "TOLL e.V." auch in der Flüchtlingshilfe. Für ihren Einsatz bekam sie 2018 das Bundesverdienstkreuz. Auf die Frage, woher sie die Kraft nimmt, antwortet die katholische Christin lachend: "Die Power nehme ich von Gott."

Vertrauen in die Polizei schaffen

Doreen Denstädt war Polizistin in Thüringen, inzwischen ist sie Justizministerin im Freistaat. Als Jugendliche war die Polizei für sie ein rotes Tuch. Sie erlebte die "Baseballschlägerjahre" – eine Zeit der Gewalt zwischen rechten und linken Gruppierungen in Erfurt Nord. Als Schwarzes Mädchen musste sie schauen, wo sie Halt, Zuflucht und Schutz finden konnte. Die Unterscheidung von Gut und Böse war für sie damals klarer als heute.

Doreen Denstädt, geboren in Saalfeld Bildrechte: MDR/Ared Hubert

Damals konnte man die Leute erkennen: Die hatten Springerstiefel an, weiße Schnürsenkel. Da wusste man: Ich halte mich besser fern. Heute begegnet einem Rassismus im Alltag, beispielsweise wenn man zum Bäcker geht und nicht damit rechnet. Das ist das Anstrengende.

Doreen Denstädt

Dass es viele Gruppen von Menschen gibt, die kein Vertrauen in die Polizei haben, möchte Doreen Denstädt ändern. Für das Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen konzipierte sie darum ein Antirassismus-Seminar.

Geschichten von Ausgrenzung und vom Ankommen

Im Film erzählt Regisseur Ared Huber auch von seinen ganz persönlichen Erfahrungen. Geboren und aufgewachsen ist er in Dresden, sein Vater kam aus Guinea zum Studium in die damalige DDR. Sein Film handelt jedoch nicht nur von Ausgrenzung, sondern auch vom Ankommen. Der Optimismus und die Energie der Protagonistinnen haben ihn beeindruckt, "sie nehmen sich nicht zurück, sondern bringen sich ein, jede, jeder in seinem Umfeld, um wirklich was voranzubringen."

Mehr über Regisseur Ared Hubert

Ared Hubert ist in Dresden geboren. Heute arbeitet er als Regisseur für den MDR. Sein Vater kam als Student aus Guinea in die DDR. Die Erfahrung von hier zu sein und doch nicht dazuzugehören, ist Teil seiner Lebensrealität. Auf seiner Reise durch Mitteldeutschland trifft er Menschen, die, wie er, Schwarze Deutsche sind. Ein sehr persönlicher Austausch über Angst, Wut, Verzweiflung, Glück, Erfolg und das latente Gefühl stets mit Vorurteile konfrontiert zu sein.

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Nah dran | 19. Oktober 2023 | 22:40 Uhr