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Fälle von Myokarditis kommen auch unabhängig von Impfungen am häufigsten bei jungen Männern vor. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/ibreakstock

Covid-19-ImpfungenmRNA-Impfstoffe können Herzmuskelentzündung bei jungen Männern auslösen

Stand: 03. Juni 2021, 12:57 Uhr

Mediziner finden eine mögliche neue, seltene Nebenwirkung bei den mRNA-Impfstoffen: Bei einigen jungen Männer im Alter von 16 bis 24 Jahren kommt es nach der Impfung zu Herzmuskelentzündungen – einer Myokarditis.

Israelische Mediziner sind auf eine mögliche, bislang unentdeckte Nebenwirkung der mRNA-Impfstoffe gestoßen. Bei einigen jungen Männern im Alter von 16 bis 24 Jahren entzündete sich nach einer Impfung mit Comirnaty von Biontech/Pfizer der Herzmuskel. Die auch als Myokarditis bekannte Erkrankung heilte allerdings in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen ohne Komplikationen ab, was typisch sei, so das Magazin Science. Die Mediziner schätzen, dass eine Myokarditis etwa bei einer von 3.000 bis 6.000 Impfungen von 16 bis 24-jährigen Männern auftreten kann.

Myokarditis trat vor allem nach zweiter Dosis auf

Seit April zählten sie über 60 Fälle in Israel, vor allem nach der zweiten Impfdosis. In den USA sei diese Nebenwirkung ebenfalls beobachtet worden, in der EU gab es laut Science etwa 107 Fälle, was etwa einem Fall pro 175.000 Impfdosen entspräche. Allerdings wurde in Europa insgesamt noch sehr wenig geimpft in der betroffenen jungen Altersgruppe. In den USA waren auch junge Männer betroffen, die den mRNA-Impfstoff von Moderna erhalten hatten.

Auch gewöhnlich kommen Myokarditis-Fälle vor allem bei jungen Männern vor. Häufig werden sie von Virus-Erkrankungen ausgelöst, darunter auch von Covid-19. Warum es offenbar nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zu etwas mehr Herzmuskelentzündungen kommt, ist noch völlig unklar. Einige Forscher halten auch für möglich, dass durch die Öffnungen und Lockerungen wieder mehr Erreger zirkulieren und Nebeninfektionen ursächlich waren. Möglich sei aber auch, dass die mRNA selbst das Immunsystem der jungen Männer zu einer Überreaktion stimuliere.

Symptom: Schmerzen in der Brust

Bisher wurden zwei Todesfälle im Zusammenhang mit einer Myokarditis nach der Impfung registriert, bei beiden sei der Ablauf aber sehr unklar, eine ursächliche Wirkung der Impfung daher nicht belegt, berichtet Science. Ärzte sollten aber achtsam sein, wenn bei jungen Männern nach der Impfung starke Schmerzen in der Brust auftreten.

Im Podcast Coronavirus-Update vom NDR weist die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek auch darauf hin, dass Fälle von Myokarditis in der Allgemeinbevölkerung häufiger vorkommen als angenommen. "Man vermutet, dass bei Männern ungefähr sechs von 100.000 pro Jahr eine Myokarditis entwickeln. Bei Frauen sind es vier pro 100.000 pro Jahr. Das ist gar nicht so selten, wenn man es hochrechnet."

Die amerikanische Behörde für Arzneimittelsicherheit CDC empfiehlt in einer aktuellen Stellungnahme die Impfung junger Männer allerdings weiterhin. Der Nutzen überwiege die Risiken hier klar, heißt es in der Veröffentlichung.

(ens)

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