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Auch nach dem Ende einer Covid-19 erleben viele Patienten noch über Wochen hinweg neurologische Probleme wie Geruchsverlust. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/photothek

Covid-19Was richtet Corona im Gehirn an - und was nicht?

von Jessica Brautzsch

Stand: 13. Oktober 2020, 06:00 Uhr

Verlust des Geruchssinns, nichts mehr schmecken können, Schwindel: Menschen mit Covid-19-Infektionen klagen auch häufig über neuronale Beschwerden. Was passiert bei einer Infektion in unserem Gehirn?

Jana Hauswald hatte Covid-19. Doch blieben typische Symptome wie Husten bei der Lehrerin komplett aus. Stattdessen fühlte sie sich vor allem schwach. Und: Ihr Geruchs- und Geschmackssinn war gestört, noch lange nach ihrer Genesung, erzählte sie im Sommer. "Mich hat beunruhigt, dass das gar nicht unbedingt mit meiner Nase zu tun hatte, sondern eher mit dem Gehirn. Dass das eher eine neurologische Fehlfunktion ist."

Neuronale Schäden bei Covid-19 Patienten

Doch was macht das Virus mit unseren Gehirnen? Dieser Frage hat sich ein Team aus Pathologen, Virologen, Mikrobiologen und Neurologen gestellt. Sie untersuchten die Gehirne von 43 mit SARS-Cov-2-infizierten Patienten. Tatsächlich fanden sie bei einigen Patienten Spuren von Schlaganfällen oder anderen neuronalen Schäden.

Doch um herauszufinden, ob diese auch mit den Covid-19-Infektionen zusammenhängen, mussten die Wissenschaftler auf die Krankengeschichte der Verstorbenen blicken, erklärt Markus Glatzel, Professor für Neuropathologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Patienten, die an Covid-19 versterben, sind ja in der Regel ältere Patienten. Die haben eine Reihe an Vorerkrankungen und natürlich machen die auch etwas am Gehirn."

Schäden kleiner als bei Hirnhautentzündung

Demenz, frische und ältere Schlaganfälle, Epilepsie - viele dieser Erkrankungen hatten Spuren im Gehirn hinterlassen, hingen aber nicht mit dem Coronavirus zusammen. Das führt Glatzel zu einer ersten beruhigenden Erkenntnis: "Generell muss man sagen, dass die Veränderungen, die wir gefunden haben, eher mild waren. Sie waren nicht so ausgeprägt wie bei einer massiven viralen Hirnentzündung." 

Nicht einmal bei den knapp 20 Patienten, bei denen sich das Virus direkt im Gehirn nachweisen ließ, zeigten sich größere neurologische Schäden. Dafür fiel den Wissenschaftlern etwas anderes auf: Bei den mit Covid-19-verstorbenen Patienten waren Immunzellen des Blutes in das Gehirn eingewandert - vermutlich, um die Immunabwehr dort zu unterstützen. Dabei spielte es keine Rolle, ob das Virus das Gehirn erreicht hatte oder nicht. War der Körper mit Covid-19 infiziert, feuerte auch das Gehirn eine Immunantwort ab.

Entscheidend ist offenbar unsere Immunreaktion

Bemerkenswert war für Professor Markus Glatzel vor allem eins: "Wir haben angenommen, dass wir da, wo Nervenzellen Schaden genommen haben, auch das Virus finden. Aber das war nicht der Fall. Wir haben festgestellt, dass wir da, wo wir Schaden im Gehirn sehen, die Immunantwort da ist, aber das Virus nicht mehr - oder auch nie da war."

Markus Glatzel und sein Team schließen daraus, dass nicht allein das Virus bei der Erkrankung entscheidend ist, sondern die Immunantwort des Körpers. Möglicherweise ist also auch die Immunreaktion des Gehirns der Grund für die Störung des Geschmacks- und Geruchssinns. Doch wie bei vielen Forschungen zu Covid-19 gilt auch hier: Was unser Immunsystem mit unserem Gehirn macht, muss noch mehr und vor allem umfangreicher untersucht werden.

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