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Raumfahrt made in Germany: MoonBoxWeltraumpost: Warum DHL ein Paket auf den Mond schickt

von Patrick Klapetz

Stand: 14. April 2021, 10:52 Uhr

Hatten Sie schon einmal den Wunsch, jemanden zum Mond zu schießen? Das wird schwer. Jetzt ist es aber möglich, Post zum Mond zu schicken. Deutsche Post DHL und das private Raumfahrtunternehmen Astrobotic wollen Ende 2021 ein Mondfahrzeug auf dem Erdtrabanten landen lassen. Mit an Bord befindet sich ein Paket, die Moon Box. Hier konnte jeder, der wollte, etwas mitschicken und damit den Flug finanzieren.

Eine künstlerische Darstellung des Mondlandefahrzeugs Peregrine von Astrobotic auf der Mondoberfläche. Im Hintergrund befindet sich die leuchtend blaue Erde. Bildrechte: DHL

Seit fast 50 Jahren, seit Apollo 17 im Dezember 1972, war kein Mensch mehr auf dem Mond. Mit dem Ende der Apollo-Ära war das Interesse am Erdtrabanten verschwunden. Doch das hat sich unter anderem mit dem ehemaligen US-Präsident Donald Trump geändert. Der hat der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA den Auftrag gegeben, bis 2024 die erste Frau und den nächsten Mann zum Mond zu schicken. Ende 2021 soll die unbemannte Artemis I-Mission zum Mond aufbrechen. 

Zum selben Zeitpunkt soll aber auch das erste privatwirtschaftliche Landefahrzeug auf der Mondoberfläche landen. Es ist die Landefähre "Peregrine Luna Lander" von Astrobotic. Das deutschen Logistik-Unternehmen Deutsche Post DHL beteiligt sich mit der Moon Box an dem Projekt. DHL-Markenchef Arjan Sissing erklärt, wie die Box funktioniert.

Ein Portrait von Arjan Sissing, dem Markenchef bei Deutsche Post / DHL. Bildrechte: DHL

Die Moon Box ist jetzt kein DHL Paket im eigentlichen Sinne, wie sie es kennen. Das sind eher kleine wabenförmige Schächtelchen. Die gibt‘s natürlich auch in verschiedenen Größen. Die größte Moon Box hat ein Maß von ungefähr zweieinhalb Zentimetern Breite und fünf Zentimetern Höhe. Also ist das ein Böxchen, wenn man so will. Aber es ist eine Moon Box, weil es auch die Form einer Box hat.

Arjan Sissing, Markenchef bei DHL

Der Mond soll bald wieder menschlich werden

Dass DHL nun Pakete zum Mond schickt, obwohl noch niemand da ist, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Wenn man sich die zukünftigen Mondpläne der europäischen und amerikanischen Raumfahrtbehörden ESA und NASA anschaut, scheint dies ein logi(sti)scher Schritt zu sein.

Die Amerikanerinnen und Amerikaner planen gemeinsam mit den Europäerinnen und Europäern das Lunar Gateway – eine Raumstation, die der Internationalen Raumstation ISS ähnelt, nur dass diese viel kleiner sein wird und nicht um die Erde, sondern um den Mond kreisen soll. Man könnte sie mit einer Bushaltestelle im All vergleichen. Raumfahrer und Raumfahrerinnen werden zunächst von der Erde aus zum Lunar Gateway gebracht. Anschließend warten sie dort, bis sie zur Mondlandung ansetzen können. 

Ein Modell des Mondlandefahrzeugs "Peregrine Luna Lander" von Astrobotic, ausgestellt in bei der Deutschen Post. Mit diesem Lander soll DHL Ende 2021 Pakete zum Mond schicken. Bildrechte: DHL

Neben dem Artemis-Programm, zu dem das Lunar Gateway gehört, gibt es aber noch das Lunar Catalyst Programm (Mondfrachttransport und Landung per Soft Touchdown). Der Wanderfalke (engl. Peregrine) von Astrobotic ist Teil des Projekts, mit dem Soft-Touchdowns auf dem Mond erprobt werden – also sanfte Landungen auf der Mondoberfläche. 

Ungewöhnliche Partnerschaft?

Die sensiblen Bauteile für den Mond müssen auf der Erde hergestellt werden. Für den Wanderfalken passiert dies unter anderem auch in Europa, so Sissing. Die Bauteile müssen anschließend nach Pittsburgh (Kalifornien) gebracht werden, damit Astrobotic sie dort zusammenbauen kann. Die DHL übernimmt dabei den Transport. Doch wie haben Astrobotic und DHL eigentlich zusammengefunden? 

Der Kontakt zur Astrobotic kam dadurch zustande, dass unser langjähriger Raumfahrt- und Luftfahrtkunde Airbus mal den Namen von Astrobotics genannt hat: Mensch, die machen ein tolles Projekt, dieser Peregrine Luna Lander, das wäre doch mal was für euch!

Arjan Sissing, Markenchef bei DHL

DHL kontaktierte Astrobotic und die Firma war von Anfang an offen gegenüber einer Kooperation, erzählt Sissing. Zu der gehört aber nicht nur der Transport der Bauteile von Europa nach Kalifornien. 

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Pakete für den Mond

DHL ist für die komplette Abwicklung des Moon Box-Projektes zuständig. Die Kundinnen und Kunden konnten bis Januar 2021 eine der drei Paketoptionen online bei Astrobotic bestellen. Das kleinste Paket kostete 460 US-Dollar, das größte Paket 1.660 US-Dollar. Ein stolzer Preis, jedoch ist Raumfahrt alles andere als günstig.

Es ist die erste kommerzielle Mondreisemission, die nach 1969 dann auch tatsächlich auf dem Mond landen soll.

Arjan Sissing, Markenchef bei DHL

Der Ablauf der Mission

Die kleinen Moonboxen werden in einer Kapsel gelagert, die neben wissenschaftlichen Instrumenten im Peregrine-Lander ihren Platz findet. Nach dem Zusammenbau soll das Logistikunternehmen den sicheren Transport zur Startbasis nach Cape Canaveral durchführen, die liegt am anderen Ende der USA. Dort angekommen, wird der Wanderfalke auf die Mondrakete umgeladen. Die DHL-Kundinnen und Kunden, die eine entsprechende Moon Box erworben haben, werden über den aktuellen Missionsstatus laufend informiert, erklärt Sissing:

Das geht bei einer Fotodokumentation los, mit der man nachverfolgen kann, wo genau mein Päckchen sich gerade befindet. Ich werde natürlich über den Startzeitpunkt informiert und darüber, wo mein Päckchen jetzt gerade ist.

Arjan Sissing, Markenchef bei DHL

Dieser Tracking-Service endet aber nicht beim Launch. Der Eintritt in die Mondumlaufbahn wird ebenso dokumentiert, wie auch die Landung. Außerdem erhalten die Kundinnen und Kunden entsprechende HD-Bilder zur Landung. Wobei diese Bilder von Astrobotic vermutlich ohnehin für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Arjan Sissing (DHL Markenchef, links) und Dan Hendrickson (Vice President of Business Development bei Astrobotic, rechts) vor einem Modell vom "Peregrine Luna Lander". Dieses Mondfahrzeug soll Ende 2021 auf dem Mond landen. Bildrechte: DHL

Nur ein One-Way-Ticket

Wenn der weiche Touchdown vom Peregrine Lander erfolgreich war, wird mit den wissenschaftlichen Untersuchungen begonnen. Die Lander des Lunar Catalyst-Programms, zu dem auch der Wanderfalke gehört, bleiben anschließend auf der Mondoberfläche zurück. So auch die Moon Box. Falls Sie also geplant haben, ihren Verlobungs- oder Hochzeitsring in die Schachtel zu packen, würde dieser für immer auf dem staubigen Erdtrabanten zurückbleiben. Aber das geht erst bei den nächsten Missionen. Denn die Box für dieses Jahr ist schon voll.

In einem der Schächtelchen befindet sich auch ein USB-Stick, auf dem sich Botschaften und Bilder von Kindern rund um den Globus befinden. Die Arbeit ist damit für DHL erledigt. Arjan Sissing weiß auch schon, was er anschließend machen wird: "Dann erfreuen wir uns der schönen Bilder und guten wissenschaftlichen Resultate, die dabei herauskommen."

 

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