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Datenprojekt

Wie Corona den Verkehr in Mitteldeutschland ausbremst

Stand: 20. April 2021, 17:48 Uhr

Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben insgesamt, am deutlichsten jedoch den Verkehr lahmgelegt. Die Lockdown-Maßnahmen mit geschlossenen Geschäften, Kontaktbeschränkungen und Arbeitnehmern im Home Office oder in Kurzarbeit machten viele Wege unnötig. Die stark veränderte Verkehrsbelastung wird auch in den zehn größten Städten Mitteldeutschlands sichtbar, allerdings nicht überall gleich.

Mobilitätsdaten aus Navigationsgeräten und Smartphones helfen uns oft durch den Alltag, egal ob wir zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto unterwegs sind. Betrachtet man diese Daten zusammengefasst, zeigt sich nicht nur, wie sich die Verkehrsbelastung unter den Corona-Bedingungen verändert hat, sondern auch, wo die Maßnahmen am stärksten gegriffen haben. Das wird auch in den zehn größten Städten des MDR-Sendegebiets deutlich: Halle an der Saale und Jena hatten über das komplette Jahr gerechnet den stärksten Rückgang im Straßenverkehr, in Erfurt hingegen war er am geringsten.

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Jena als bundesweiter Vorreiter

In Jena ging es ganz schnell. Als sich das Corona-Virus in der Lichtstadt auszubreiten begann, reagierte die Stadtverwaltung sofort und brachte bereits Anfang März 2020 die erste Allgemeinverfügung auf den Weg. Die Corona-Regeln waren hier von Beginn an schärfer als von der Landesregierung diskutiert, ob bei der Größe von Veranstaltungen oder bei Schließungen von Schulen und Restaurants. Bundesweit sorgte Jena schließlich für Aufsehen, weil hier erstmals in einer deutschen Großstadt eine Maskenpflicht eingeführt wurde – mit Erfolg. Zwischenzeitlich gab es zwei Wochen lang keine Neuinfektionen.

Die strengen Maßnahmen wirkten sich sofort auf den Verkehr aus. Der Vergleich mit Erfurt und Gera zeigt: Vor dem Lockdown entwickelte sich der Verkehr in den drei größten Städten Thüringens ähnlich, oft abhängig vom Wetter oder von Schulferien. Doch in der Woche ab dem 16. März ging die Staubelastung in Jena um über 30 Prozent zurück, stärker als in Erfurt und Gera. Eine Woche später lag der Rückgang schon bei 59 Prozent – in keiner der mitteldeutschen Großstädte war er größer.

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Halle schloss als erste Großstadt die Schulen

Auch 130 Kilometer flussabwärts der Saale, in Halle, reagierte die Stadtspitze mit strengen Maßnahmen. Als am 13. März bundesweit noch über Schulschließungen diskutiert wurde, waren diese in Halle bereits beschlossene Sache. Bereits am Vortag wurde eine Allgemeinverfügung zur Schließung von Schulen, Kindergärten, Schulhorten und der Universität erlassen. Am 17. März hat die Stadt sogar den Katastrophenfall ausgerufen, der für fast einen Monat galt.

Das spürten die Hallenser auch auf den Straßen, sofern sie überhaupt noch unterwegs waren. Im Vergleich mit den anderen beiden großen Städten Sachsen-Anhalts Magdeburg und Dessau-Roßlau blieben die Autos hier früher stehen. Die Verkehrsbelastung sank in der ersten Corona-Woche um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr, etwas stärker noch als in Jena. Und auch in Halle erreichte die Verkehrsbelastung nicht mehr die Werte des Vorjahrs.

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Sachsen zeigt: Verkehsbelastung auch von anderen Faktoren abhängig

In Sachsen zeigt sich, welche Faktoren noch Einfluss auf das Staugeschehen 2020 hatten. So erlebte Leipzig Anfang März 2020, also kurz vor dem Lockdown, einen starken Verkehrsanstieg. Ursache war das letzte Fußballspiel von RB Leipzig mit über 40.000 Zuschauern am 10. März. Danach blieben die Autos in Leipzig, Dresden, Chemnitz und Zwickau stehen. Vor allem in Dresden war der Rückgang über Wochen größer als in den übrigen Städten.

Ab Mai, also mit den ersten Lockerungen, zeigt sich jedoch auch, wie schnell die Autos wieder auf die Straße zurückkehrten. Und mehr noch – über den gesamten Sommer hinweg lag die Verkehrsbelastung in den vier Städten über dem Vorjahresdurchschnitt. Denn Urlaubsreisen waren nicht möglich oder es wurden Inlandsziele angesteuert. Vor allem im Oktober, als das Wetter noch sehr warm war und sich ein zweiter Lockdown ankündigte, machten viele Mitteldeutsche Kurzreisen mit dem Auto. So erlebte auch Dresden seinen staureichsten Tag 2020 am 15. Oktober. Schuld war diesmal jedoch nicht die Pandemie, sondern ein Streik der Verkehrsbetriebe.

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Methode der Datenanalyse

Grundlage der Analyse sind Echtzeit-Daten des Navigationsdienstleisters TomTom, die die örtliche Verkehrsbelastung nach Wochen, Tagen oder auch Stunden auswertbar machen. Dabei wird die jeweilige Staubelastung (congestion level) in Prozent gemessen. Das heißt, es wird berechnet, um wie viel Prozent die Autofahrer:innen für eine Strecke länger unterwegs sind, als sie ohne jegliche Behinderung benötigt hätten. Wo zum Beispiel statt 20 Minuten für eine Strecke 30 Minuten benötigt werden, liegt die Staubelastung bei 50 Prozent. Die Staubelastung drückt also den Zeitverlust durch Verkehrsbehinderungen aus.

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