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Bildrechte: imago/Waldmüller

Daten zu Mobilität

Corona trifft die Flughäfen in Mitteldeutschland ganz unterschiedlich

Stand: 21. April 2021, 15:26 Uhr

Flughäfen haben in der Pandemie ein Problem: Das Geschäft mit den Urlaubsreisen ist seit Beginn der Coronakrise im vergangenen Jahr beinahe vollständig eingebrochen. Ein Blick auf die Daten zeigt aber auch: In Mitteldeutschland trifft die Pandemie nicht alle Flughäfen gleich stark. So fand der Flughafen Erfurt/Weimar beispielsweise neue Möglichkeiten, sein leeres Rollfeld zu nutzen.

Im Corona-Jahr 2020 war der Himmel leerer als sonst: Wegen der pandemiebedingten Ausgangssperren, Reisewarnungen und Quarantäneauflagen flogen in diesem Jahr deutlich weniger Menschen in den Urlaub. Dieser drastische Einbruch zeigt sich auch beim Blick in die Zahlen: In den Vorjahren waren noch jeweils über 200 Millionen Menschen von deutschen Flughäfen aus gestartet – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr verreisten nur noch ein Viertel so viele Menschen per Flugzeug.  

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Kaum Passagiere – und trotzdem was los?

Was für die bundesdeutschen Flughäfen gilt, stimmt auch für die Flughäfen in Mitteldeutschland. Die Flughäfen in Erfurt, Leipzig und Dresden beförderten alle coronabedingt deutlich weniger Personen. Wie stark die Pandemie die Flughäfen trifft, hängt allerdings auch vom Kerngeschäft des entsprechenden Flughafens ab: Airports, die hauptsächlich Geld mit Frachtverkehr verdienen, kamen besser durch die Krise. Um einzuschätzen, was auf einem Flughafen passiert, sind deshalb nicht alleine die Passagierzahlen wichtig. Ein guter Indikator sind auch die Flugzeugbewegungen – dazu zählen alle Starts und Landungen, die auf einem Flughafen stattfinden.

Das zeigt sich auch bei einem Vergleich der drei mitteldeutschen Flughäfen: Während Erfurt und Leipzig zwar seit Beginn der Pandemie jeweils unter dem Schnitt der Vorjahresmonate bleiben, leiden sie unter der Krise deutlich weniger als der Flughafen in Dresden – ein klassischer Tourismusflughafen, der normalerweise Verbindungen nach Palma de Mallorca, Antalya und Korfu anbietet. Kurz vor Beginn der Pandemie verzeichnet dagegen der Flughafen Erfurt noch außergewöhnlich viele Flugzeugbewegungen - dafür gibt es allerdings laut Betreiber einen einfachen Grund: Anfang März fanden dort Schulflüge statt, um neue Pilotinnen und Piloten auszubilden.

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Während Corona den Passagierverkehr am Boden hielt, profitierte 2020 der Frachtverkehr – vor allem auf dem Leipziger Flughafen. Dort stieg der Frachtumschlag um knapp zwölf Prozent, rund 1.383.485 Tonnen Güter wurden bewegt – unter anderem für die DHL und Amazon. Außerdem spielte der Flughafen in der Pandemie eine wichtige Rolle für den europaweiten Umschlag von Masken, Schutzhandschuhen und Corona-Schnelltests.

Kaum Starts und Landungen in Dresden

Anhand der absoluten Zahlen für Starts und Landungen auf dem Dresdner Flughafen lässt sich das Corona-Jahr nacherzählen: Nachdem die WHO am 11. März erstmals von einer "Pandemie" spricht, verhängen in den darauffolgenden Tagen die ersten Länder Einreisestopps. Ab dem 18. März gilt dann auch in Deutschland ein Einreisestopp für Touristen, danach finden hauptsächlich noch Rückführungen statt. Waren Mitte März noch fast 400 Flugzeuge pro Woche von Dresden aus gestartet und gelandet, sind es Anfang April nur noch 45 – Ende des Monats sogar nur noch 14.

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Danach bleibt es auf dem Dresdner Flughafen erst einmal ruhig. Nachdem am 15. Juni die weltweite Reisewarnung aufgehoben wird, stiegt die Zahl der Flugbewegungen gegen Ende des Monats wieder. Urlaubsreisen sind wieder möglich, ab August können sich ankommende Passagiere an den Flughäfen auf Corona testen lassen. Der Flughafen in Dresden erlebt ein kleines "Spätsommer-Hoch", bevor Mitte Oktober der "Lockdown Light" den Tourismus erneut ausbremst.

Erfurt als Flugzeugparkplatz

Deutlich weniger abhängig von den Entwicklungen der Pandemie war dagegen der Flughafen Erfurt/Weimar. Dort wurden über 40 Prozent mehr Güter transportiert als im Vorjahr – das gleicht die niedrigen Passagierzahlen aus. Im Mai vergangenen Jahres fand der Flughafen auch noch eine neue Möglichkeit, die leeren Landebahnen zu nutzen: Freie Flächen wurden zur Unterbringung neu gebauter Flugzeuge an Airbus vermietet. Teilweise bis zu 24 Maschinen, die in Hamburg gebaut worden waren, dann jedoch aufgrund der Pandemie nicht ausgeliefert werden konnten, standen auf dem Rollfeld des Erfurter Flughafen.

"Die Mehreinnahmen von Airbus haben die Folgen der Krise bei uns gemindert", sagt Pressesprecher Hans-Holm Bühl. Ein Flugzeug zu "parken" bedeutet übrigens nicht dasselbe wie bei einem Auto: Die abgestellte Airbusse auf dem Flughafen Erfurt haben eine eigene Crew, die die Maschinen regelmäßig bewegt, die Triebwerke laufen lässt und auch zwischendurch immer wieder fliegt.

Im Juli startete dann von Erfurt aus wieder der erste kommerzielle Charterflug nach Rhodos – nach drei Monaten Pause. Insgesamt war das Corona-Jahr 2020 für viele Flughäfen und Airlines mit finanziellen Verlusten verbunden. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft geht davon aus, dass der Flugverkehr nach der Pandemie nur schrittweise wieder anlaufen wird und erst 2024 wieder an das Niveau von 2019 anknüpfen kann.

Wissenschaftler wie Prof. Friedrich Thiesen von der TU Chemnitz sehen in der Krise auch eine Chance, die Flughäfen klimafreundlicher aufzustellen. Die zentrale These seiner Studie von 2019: Wenn Flughäfen sich untereinander besser koordinieren, ließe sich dieselbe Menge an Passagieren auch mit weniger Flugbewegungen befördern. Das wäre gut fürs Klima – sogar ohne, dass wir auf Urlaubsreisen verzichten müssten.

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