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Ein helfendes Schwein öffnet einem anderen Schwein die Tür seiner Gefangenen-Box. Bildrechte: FBN/Frank Hormann

Wissen-NewsSchwein befreit Schwein: Hilfsbereitschaft unter Tieren

02. August 2023, 12:54 Uhr

Schweine sind hilfsbereit und befreien eingesperrte Artgenossen. Das ist das Ergebnis einer Versuchsreihe, bei der Schweine aus Einzelhaft befreit wurden, indem Helfer-Schweine per Schnauze kleine Türen öffneten.

Schweine sind hilfsbereite Tiere, die auch eingesperrte Artgenossen befreien. Bei Versuchen am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock befreiten Schweine in den meisten Fällen eingesperrte und von der Gruppe getrennte Artgenossen. Dazu mussten die Helfer-Schweine mit ihren Schnauzen kleine Türen öffnen. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichte das Forscherteam aus FBN-Forschern und Veterinärmedizinern der Uni Wien in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Bei den Experimenten mit insgesamt 70 Tieren in Gruppen von acht bis zehn Schweinen wurde jeweils ein Tier von seiner Schweinegruppe getrennt und in eine von zwei an den Stall angeschlossenen separaten Boxen gesetzt. Diese Boxen waren jeweils durch ein Fenster und eine Tür, die nur von der Stallseite geöffnet werden konnte, mit dem Stall verbunden. Der Studie zufolge öffneten die Schweine häufiger und schneller die Tür, hinter der sich ein Artgenosse befand, als die Tür zu der leeren Box. Zudem öffneten Schweine eher die Tür für ein eingesperrtes Schwein, je länger sie auf das davor befindliche Fenster schauten. Auch wurde eingesperrten Schweinen, die besonders deutlich ihren Unmut bekundeten, schneller geholfen als anderen.

Die Studienautoren interessierte im Zuge des Versuchsprojektes "Lass mich raus!" weniger die Tatsache, dass sich Schweine gegenseitig helfen - was bereits lange bekannt ist - als vielmehr deren Motivation zur Hilfsbereitschaft. Gegen Empathie als Motiv spricht demnach, dass sich das Stresslevel eingesperrter Schweine nicht auf andere Tiere übertrug (Cortisol-Messungen). Auch egoistische Beweggründe wie Reaktionen auf bestimmte Reize werden für möglich gehalten. In jedem Falle unterstreicht die Studie nach Ansicht der Autoren, dass Schweine neugierig sind, gern die Kontrolle über die Umwelt behalten und im sozialen Gefüge bleiben wollen. Dies sollte auch bei ihrer Haltung berücksichtigt werden, so eine Forderung der Studienautoren.

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dpa (dn)

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