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NaturschutzLicht im Garten schadet Insekten

von Annett Zündorf, MDR Garten

Stand: 14. August 2022, 10:03 Uhr

Ein beleuchteter Garten ist wunderschön. Das finden aber nur Menschen. Insekten und andere Tiere werden durch die Dauerbeleuchtung gestört. Deshalb sollten wir nachts einfach das Licht löschen.

Wildblumen, Kräuter und andere Pflanzen locken Insekten in die Gärten. Viele sind längst artenreich und bunt geworden. Theoretisch ein paradiesischer Ort für Tiere. Wäre da nicht die Nacht. Denn wer seinen Garten liebt, der sorgt sich nicht nur um Tiere, sondern der beleuchtet auch gern seine hübsche Terrasse. Es gibt Strahler, die bis hoch in die Bäume reichen und Solarlampen, die am Wegesrand und in den Beeten leuchten. "Das ist hübsch, aber für Nachttiere höchst störend", erklärt Manuel Philipp. Der Physiker und Astronom hat das Lichtschutzgebiet 'Winkelmoosalm' begründet und kennt sich mit den schädlichen Auswirkungen von Licht bestens aus.

Insekten von Lichtquellen im Garten vorrangig betroffen

Vor allem Insekten leiden unter dem Dauerleuchten. Sie werden von Lichtquellen magisch angezogen. Insekten orientieren sich normalerweise am Mond und an den Sternen, die sehr weit entfernt sind. Fliegt ein Insekt, ändert sich die Position des Mondes nicht.

Fliegt ein Insekt an einer künstlichen Lichtquelle vorbei, hält es die für den Mond und orientiert sich daran. Allerdings reicht ein halber Meter, schon merkt das Insekt, das es nicht mehr im richtigen Winkel zum Licht fliegt und ändert seine Flugrichtung. Und weil das dann immer wieder passiert, fliegt es schließlich in einer Spirale um das Licht herum und kreiselt dort bis zur Erschöpfung. Entweder sinken die Nachtfalter und Käfer irgendwann tot zu Boden oder liegen so erschöpft unten, dass sie für Laufkäfer oder Spinnen leichte Beute sind. Diese Tiere bekommen dadurch mehr Futter, als sie normalerweise bekämen, während andere Insekten aus der Natur verschwinden.

Gärten sind ökologische Kleinode. Aber mit Licht macht man nachts einen Teil dessen, was man tagsüber geschaffen hat, wieder kaputt.

Manuel Philipp, Experte für Lichtverschmutzung

Das Problem ist, dass die meisten Insekten, die nachts unterwegs sind - und das sind etwa 60 Prozent aller Insekten - Bestäuber sind. Sie bestäuben beispielsweise unsere Obstbäume. Werden sie durch Licht dezimiert, wird weniger bestäubt. Die Formel ist einfach: Mehr Licht - weniger Früchte.

Aber nicht nur nachtaktive Insekten leiden. Auch die tagaktiven Insekten, die nachts schlafen wollen, können nicht zur Ruhe kommen. Es ist für sie, als bekämen wir in unser Schlafzimmer eine Lampe gehängt. Die Insekten können sich dagegen nicht wehren.

Die Natur hat kein Licht vorgesehen. Nachts ist es dunkel.

Manuel Philipp, Experte für Lichtverschmutzung

Welche Beleuchtung für den Garten?

Gibt es überhaupt Beleuchtung für den Garten, die für Insekten okay ist? "Nein", sagt Manuel Philipp. "Die Natur hat kein Licht vorgesehen. Nachts ist es dunkel."

Aber natürlich brauchen Gärtner Licht: Um gemütlich abends zu sitzen, um den Weg zu finden und im Dunklen nicht zu stolpern. Das kleinstmögliche Übel ist dann gelbliches Licht. Und das sollte möglichst nach unten leuchten. Solarleuchten strahlen meist zur Seite und nach oben ab. Das hilft Gärtnern nicht, den Weg zu finden. Denn Licht, das nach oben geht, blendet sogar eher. Nach unten leuchtende Lampen funktionieren als Lichtpunkte genauso gut und erleuchten den Weg sogar besser.

Die Lichttemperatur sollte unter 3.000, besser sogar unter 2.700 Kelvin liegen. Das entspricht einem gelb-orangefarbenen Licht. Alles, was weiß oder gar bläulich ist, zieht die Insekten magisch an. Außerdem gilt: Möglichst schwach, möglichst nach unten, möglichst gelblich - wenn denn Licht gebraucht wird, ist das die beste Variante.

Gartenbesitzer sollten sich immer fragen: Brauche ich es an dieser Stelle? Brauche ich vier oder fünf Lampen oder reicht vielleicht auch eine? Wichtig: Nicht auf Dauerlicht stellen! Besonders problematisch sind Solarleuchten, die sich während des Tages aufladen und nachts vor sich hin leuchten. Manche haben Bewegungsmelder und leuchten nur bei Bedarf. Alle anderen sollten raus aus dem Garten oder mit Zeitschaltuhren gesteuert werden. "Jeder löscht das Licht, wenn es ins Bett geht. Das sollte man im Garten genauso machen", sagt der Experte für Lichtverschmutzung.

Aber die Aussagen gelten nur, wenn alle Schäden zusammengerechnet werden. Es gibt immer Tiere, die Probleme mit bestimmtem Licht haben. Glühwürmchen werden zum Beispiel stark von gelbem Licht irritiert.

Jeder löscht das Licht, wenn es ins Bett geht. Das sollte man im Garten genauso machen.

Manuel Philipp, Experte für Lichtverschmutzung

Übrigens: Auch Pflanzen brauchen Dunkelheit. Auch wenn das ein bisschen albern klingt: Wir nutzen die Reaktion der Pflanzen auf Licht beispielsweise in Gewächshäusern. Dort wird mit rotem Licht beleuchtet, um Wachstum oder Blütenbildung zu steuern. Nächtliches Licht irritiert Pflanzen. So werfen Bäume, die direkt neben einer Straßenlaterne stehen, ihr Laub später ab. Sie orientieren sich am Licht und denken, es sei noch Sommer. Das kann zum Problem werden, wenn der Frost zeitig kommt.

Helles Licht in Beeten lockt außerdem Schnecken an. "Denjenigen, die mit Schnecken Probleme haben, sei gesagt: Solarleuchten und anderes Licht auf Wiesen und Beeten ist positiv für Schnecken", so Manuel Philipp.

Auch Tiere schlafen am liebsten bei Dunkelheit. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

So wird der Garten insektenfreundlich beleuchtet:

  • Verwenden Sie Licht nur dort, wo Sie abends sitzen.
  • Beleuchten Sie Plätze im Garten nur indirekt. Montieren Sie Lampen möglichst niedrig.
  • Nutzen Sie Licht, das nach unten strahlt, nicht seitlich und nicht nach oben. Richten Sie es nicht direkt in Bäume, Büsche und Hecken.
  • Benutzen Sie Lampen mit gelblich-orangefarbenem Licht (Farbtemperatur unter 3.000 Kelvin) und niedriger Intensität, also einer niedrigen Wattzahl.
  • Wer Wege beleuchtet, um sich dort sicher bewegen zu können, kann mit Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhr arbeiten.
  • Wenn Sie den Garten verlassen, schalten Sie das Licht am besten ganz aus.

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Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 13. August 2022 | 09:10 Uhr