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Einfach mal wachsen lassen - diese nektarfreundlichen Wiesenpflanzen sind schnell zur Stelle - wenn man sie denn wachsen lässt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Gärtnern im Einklang mit der NaturDer perfekte Garten für Wildbienen und andere Insekten

Stand: 11. Juli 2022, 08:17 Uhr

In zugebauten Städten ist es wichtig, dass Insekten Pollen für Ihre Brut und Nektar als Nahrung finden. Unsere Gärten spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch wenn Insekten inzwischen bei der Städteplanung eine viel größere Beachtung finden, extra Blühwiesen und bienenfreundliche Staudenbeete gestaltet werden - nach wie vor sind viele Flächen versiegelt. "Gärten sind lebenswichtige Inseln für Insekten", sagt Gärtnerin Brigitte Goss und erklärt, worauf es ankommt.

Ohne die blühenden Inseln, auf denen Pflanzen wachsen, die Nahrung spenden und Lebensräume für ihre Nachkommen bieten, würden Hummeln und Wildbienen in zugebauten Städten verhungern und könnten sich nicht vermehren. Solche Inseln können Gärten sein, die blühende Wiese vor dem Haus oder auch der kleine Balkon.

Das macht einen insektenfreundlichen Garten aus

Insekten helfen: "Man kann viel tun, indem man weniger tut."

Dabei ist es gar nicht so schwer, den Garten oder den Balkon insektenfreundlich zu gestalten. "Unsere Gärten können Inseln der Nahrungsvielfalt sein", sagt Gärtnerin Brigitte Goss. "Man kann viel tun, indem man weniger tut". Auch viele Wildpflanzen im Garten sind die perfekte Nahrungsquelle für Insekten. Die Rote Taubnessel ist eine hervorragende Insektenweide. Das Zimbelkraut wächst zwischen Mauern und blüht ständig nach. Auch auf der blühenden Kleewiese werden Insekten satt.

Das Zimbelkraut wächst auch in Mauerritzen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Aber welches Wildkraut darf stehen bleiben und welches sollte weg? Diese Entscheidung muss jeder Gärtner selbst treffen. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden, sagt Gärtnerin Brigitte Goss. Es ist auch verständlich, dass nicht jeder möchte, dass sich Wildkräuter im ganzen Garten ausbreiten. Löwenzahn und der blühende Giersch - die ebenfalls reichlich Nahrung spenden - nehmen schnell überhand, wenn man sie blühen lässt.

Brigitte Goss rät deshalb, einen Teil des Gartens als wildes Paradies den Insekten und Tieren zu überlassen und einen anderen Teil zu pflegen und zum Beispiel mit insektenfreundlichen Stauden zu gestalten.

Auf der Löwenzahnblüte fühlen sich Insekten wie im Schlaraffenland. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Aktion #Mähfreier Mai

Auch eine Mäh-Pause tut dem Ökosystem Garten gut. Auf der Wiese wächst viel mehr als man denkt - wenn man Wiesen- und Ackerkräuter wie Kamille, Margerite oder den wilden Mohn wachsen lässt. Die Deutsche Gartenbaugesellschaft und die Gartenakademie Rheinland- Pfalz haben deshalb die Aktion: #Mähfreier Mai ins Leben gerufen. Ein Aufruf an alle Gartenbesitzer, den Rasenmäher im Wonnemonat Mai - wenn alles wächst und blüht - einfach mal im Schuppen zu lassen.

Blühender Wildwuchs Wiesen- und Ackerkräuter spenden Insekten Nektar

Wilde Wiesen sind ein Paradies für Insekten. Wir zeigen Wiesen- und Ackerkräuter, die einfach wachsen, wenn man sie denn in Ruhe lässt. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Von Juli bis September blüht die Rote Klette, eine besonders wertvolle Wildpflanze. Die Blüten sind Nektarquelle für Bienen und Schmetterlinge. Vögel fliegen auf die Samen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Die Kornblume wird ebenfalls als Nektarpflanze geschätzt. Am liebsten blüht sie in Kornfeldern. Weil sie sich selbst aussät, ist sie auch auf Wiesen zu finden. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Auch Bergastern sind beliebter Treffpunkt für Insekten. Sie blühen vom Frühling bis in den Herbst hinein. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Die stacheligen Disteln möchte so mancher Gärtner lieber aus dem Gartenbeet verbannen. Dürfen sie sich in wilden Ecken im Garten ausbreiten, freuen sich Insekten über die schönen Blüten, die verblüht auch als Behausung dienen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Der Gewöhnliche Dost zieht Nützlinge wie die Schwebefliege oder auch Schmetterlinge und Falter an. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Es gibt schier unzählige Kleearten, auch solche, die nicht die typischen Kleeblätter bilden. Das ist der Hufeisenklee, vor allem Hummeln können mit ihren langen Rüsseln reichlich Nektar saugen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Wer hier an den Nektar gelangen möchte, braucht Geschick. Der Nektar des Wiesen-Salbeis sitzt im Inneren der Blüten. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Unauffällig, aber vielerorts auf Wiesen zu finden, sind die hübschen Blüten des Storchschnabels. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Der Ziest ist nicht nur als Nahrungsquelle wichtig. Die Wollbienen polstern mit den Pflanzenhärchen ihre Nester. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss

Einheimische Pflanzen sind wichtig im Garten

Heimische Wildpflanzen im Garten haben viele Vorteile. Sie sind perfekt an die Umgebung und das Klima angepasst, sie überstehen kalte Winter ohne Problem und sie bieten Insekten ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Viele Insekten und heimische Pflanzen brauchen einander. Die Raupen des Tagpfauenauges ernähren sich fast ausschließlich von Brennnesseln. Unter den so wichtigen Wildbienenarten gibt es einige, die sich sogar auf bestimmte Pflanzen spezialisiert haben, wie die Lauchmaskenbiene oder die Glockenblumenscherenbiene. Vieles wissen wir auch noch nicht über das Zusammenspiel von Wildpflanzen und Insekten. Um aber die Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu erhalten, können Gärten eine wichtige Rolle einnehmen, sagt Brigitte Goss. "Nicht zuletzt helfen wir damit den Nützlingen und uns selbst."

Die Raupen des Tagpfauenauges ernähren sich fast ausschließlich von Brennnesseln. Bildrechte: colourbox

Empfehlungen für insektenfreundliche Pflanzen

Heimische Wildkräuter:

  • Klee
  • Löwenzahn
  • Taubnessel
  • Rainfarn
  • Spitzwegerich
  • Bärlauch
  • Gundermann
  • Disteln

Weitere blühende Kräuter:

  • Schnittlauch
  • Thymian
  • Oregano
  • Kapuzinerkresse
  • Katzenminze
  • Rosmarin

Auch andere Gartenpflanzen helfen Insekten

So wichtig Wildpflanzen im Garten sind, gerade Wildbienen schätzen aber auch das Angebot von Kulturpflanzen und Exoten in den Gärten. Ein schönes Beispiel sind Traubenhyazinthen, die sowohl wild in Weinbergen wachsen, aber auch als gezüchtete Formen angeboten werden. Ursprünglich kommen die Frühblüher aus dem Mittelmeerraum. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden sie nach Deutschland eingeführt und fühlen sich seitdem hier richtig wohl. Sie spenden Insekten dann Nahrung, wenn die Vegetation noch nicht viel Nektar und Pollen zu bieten hat und schließen so eine Lücke im Nahrungsangebot. Stark gefüllte Blüten haben übrigens nichts für Insekten zu bieten.

Traubenhyazinthen spenden schon zeitig Nektar für Insekten. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Nistplätze für Wildbienen und andere Insekten schaffen

Insekten brauchen Nistplätze, an denen sie ihre Brut sicher ablegen und versorgen können. Einer kleinen Gruppe von Wildbienen können wir mit Insektenhotels helfen oder hohle Stängel aufhängen, die sie dankend annehmen. In die von uns Menschen gemachten Bauwerke, zieht die gehörnte Mauerbiene gern ein.

Bienen in den Garten locken Eine Nisthilfe aus hohlen Stängeln bauen

Es gibt viele Baumaterialen die sich eignen, kleine Insektenbehausungen zu bauen. Der untere Teil dieses Hauses ist ein Weinstein, in dem normalerweise Flaschen gelagert werden. Mit hohlen, gebündelten Stängeln gefüllt, werden Bienen in den Garten gelockt. Doch es geht noch einfacher.   Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Hohle Stängel mit unterschiedlichen Durchmessern reichen Wildbienen als Nistplatz häufig aus. Gut eignen sich Bambus, Knöterich, oder Holunder. Letzterer muss allerdings freigebohrt werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Es gibt viele verschiedene Wildbienenarten, die ganz unterschiedlich große Hohlräume brauchen. Zu den ersten aktiven Wildbienen im Jahr zählt die gehörnte Mauerbiene. Für sie sollten Hohlräume acht bis zwölf Millimeter groß sein. Sie befruchtet die Blüten von Aprikosen, Kirschen und Pflaumen zu einer Zeit, in der kaum andere Bestäuber unterwegs sind.  Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Ganz wichtig – Bienen fliegen nur in dunkle, hohle Stängel. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Schneiden Sie deshalb Bambusstäbe rechts und links vom Knoten, dem Nodium, ab. So kann der Stock von beiden Seiten beflogen werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Eine andere, einfache Möglichkeit ist, die Stängel in eine Blechdose zu stecken und diese aufzuhängen. Wichtig ist ein trockener Standort, möglichst überdacht. Ideal ist eine Ausrichtung nach Süden oder Osten. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Es gibt Wildbienenarten, die nur die senkrechten Stängel anfliegen. Deswegen sollten sie auch auf Beeten hohle Staudenstängel ruhig einmal stehenlassen. Es müssen ja nicht alle sein. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Die rostrote Mauerbiene fliegt vor allem Äpfel und Birnen an – und ist übrigens Insekt des Jahres 2019.   Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Gut versorgt. Zuerst füllt die Wildbiene eine Kammer mit Pollen und Nektar weit hinten im Hohlraum und verschließt diese mit Baumaterial. Dann wird die nächste Kammer für das nächste Ei davor gebaut. Der Platz muss gut ausgenutzt werden.  Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Aber Insekten haben ganz unterschiedliche Vorlieben. Die Wespe sucht geschützte Ecken und baut lieber selbst. Erdwespen graben sich gern - geschützt unter Holzstapeln - ins Erdreich ein. Auch die meisten Wildbienen bevorzugen es, ihr Quartier im wilden Garten zu suchen. Laut der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) leben 75 Prozent der Wildbienen im Boden und bauen sich im Erdreich ihre Höhlen. Der Rest nutzt Fraßgänge von Käfern in morschem Totholz oder zieht in leere Schneckenhäuser ein. Gerade deshalb sind unaufgeräumte Ecken im Garten so wichtig, sagt Gärtnerin Brigitte Goss. Denn die meisten Insekten suchen sich dort - in der natürlichen Umgebung - ihren Unterschlupf.

Nistplätze für Wildbienen bauen

Wildbienen brauchen Höhlen, in die sie ihre Brut sicher ablegen können. Die besten Behausungen finden sie in der Natur - in wilden Ecken im Garten oder im Totholzstapel. Bildrechte: MDR / Daniela Dufft
Wir können Wildbienen zusätzlich unterstützen, in dem wir auf ihre Bedürfnisse eingehen und mit Naturmaterialien Nistplätze bauen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
Ton ist perfekt für ein Wildbienenhotel. Er sollte möglichst frei von Steinen und Holz sein. Dafür wird er immer wieder gewaschen und Grobes entfernt. Der feine Ton setzt sich am Boden ab. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Dann kann so ein Terrakotta-Blumenkasten mit Ton gefüllt werden. Sobald die Masse anzieht, aber noch nicht ganz fest ist, können tiefe Löcher in den Ton gestochen werden - idealerweise in verschiedenen Größen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Schnell gemacht ist auch eine Nisthilfe aus hohlen Stängeln, aus Schilf oder Naturstrohhalmen, die einfach in eine Dose gesteckt werden. Scharfe Kanten unbedingt abschleifen! Anschließend die Dose regengeschützt - mit den Halmen nach vorn - im Garten aufhängen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Die Schneckenhaus-Mauerbiene liebt leere Schneckenhäuser. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Also bitte die Schneckenhäuser nicht wegräumen oder an einer geschützten Stelle im Garten neu auslegen. Aber Vorsicht, vielleicht ist schon jemand eingezogen! Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
Solche ausgeklügelten Nistblöcke, gibt es fertig zu kaufen. Die einzelnen Platten lassen sich beliebig hoch stapeln und werden gern von Mauerbienen angenommen. Aber Vorsicht, unbedingt vor Regen und Feuchtigkeit schützen! Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Wasserstellen für Insekten bereitstellen

In extremen Trockenzeiten verdunstet der Morgentau schnell und Bienen, Hummel, Schmetterling und Co. brauchen dringend zusätzliche Wasserstellen im Garten. Sie bedienen sich am Seerosen- oder Fischteich, auch Wasserstellen für Vögel nehmen sie gerne an. Wichtig ist, dass die Wasserstellen gut erreichbar sind und Insekten einen Landeplatz haben, von dem aus sie trinken können. Wir können ihnen die Wasseraufnahme erleichtern, indem wir mit Steinen kleine Inseln schaffen. Nutzen Sie zum Beispiel einen Untersetzer eines Blumentopfes. Legen Sie Steine und kleine Äste hinein, damit sich die Tierchen retten können, sollten sie doch einmal abrutschen und ins Wasser fallen. Auch Moos oder Algen am Teichrand sind beliebte Landeplätze für Schmetterlinge. Von solchen Beobachtungen können wir uns viel abschauen und ein Mooskissen in die Trinkschale legen.

Steine helfen dabei, dass die Wasserstelle nicht zu Falle wird. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Licht im Garten nur sehr sparsam einsetzen

Licht im Garten sollte nur sehr sparsam eingesetzt werden, sagt Gärtnerin Brigitte Goss. Nachtaktive Insekten werden vom Licht magisch angezogen. Sie verlieren die Orientierung und kreiseln bis zur Erschöpfung um die Lichtquellen herum. Aber auch tagaktive Insekten können in ihrer Nachtruhe gestört werden. Überlegen Sie also genau, an welchen Stellen im Garten Licht wirklich notwendig ist und wann es gebraucht wird. Wählen Sie Lampen aus, die nach unten leuchten. Problematisch sind Solarleuchten. Sie laden sich tagsüber auf und leuchten die ganze Nacht vor sich hin, wenn schon längst niemand mehr im Garten ist. Schalten Sie die Lichter im Garten einfach aus, wenn Sie schlafen gehen.

Quelle: MDR Garten/dd; Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 10. Juli 2022 | 08:30 Uhr