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Seit Ende 2020 wird in Deutschland gegen das neuartige Coronavirus geimpft. Drei Corona-Impfstoffe sind zugelassen. Bildrechte: imago images/ANP

Fragen und AntwortenFragen und Antworten zur Covid19-Impfung

Stand: 01. Februar 2022, 14:48 Uhr

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Impfkampagne gegen das Coronavirus: Wer bekommt Auffrischungs-Impfungen? Ab welchem Alter kann geimpft werden? Was weiß man über Impfdurchbrüche? Wie ist die Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Antworten auf diese Fragen sowie aktuelle Zahlen und Fakten gibt es in unserem FAQ.

Wie viele Menschen haben bisher Corona-Impfungen erhalten?

Die Impfkampagne in Deutschland hat am 27. Dezember 2020 offiziell begonnen. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Impfstoffen konnte seitdem bereits ein Großteil der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft werden. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht regelmäßig neue Daten zu den bereits erfolgten Impfungen. Den aktuellen Stand aller Erst- und Zweitgeimpften in Deutschland finden Sie in der folgenden Grafik:

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Wo kann ich mich impfen lassen?

Gegen das Coronavirus kann man sich mittlerweile vornehmlich bei niedergelassenen Ärzten impfen lassen. Die großen Impfzentren haben in allen mitteldeutschen Ländern geschlossen; stattdessen gibt es aber kleinere Impfstellen und mobile Impfteams, die die niedergelassenen Ärzte unterstützen. Eine Übersicht über Impfmöglichkeiten in Deutschland mit entsprechenden Verlinkungen zu den Angeboten der Bundesländer finden Sie hier.

Ab welchem Alter können Kinder und Jugendliche geimpft werden?

Kinder ab einem Alter von fünf Jahren können gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Impfung von Fünf- bis Elfjährigen empfohlen, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Außerdem können Eltern nach individueller Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen. Die Stiko-Entscheidung ist noch nicht endgültig, es läuft noch eine Abstimmung u.a. mit Fachgesellschaften. Seit dem 13. Dezember ist das spezielle Kindervakzin, ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat des Biontech/Pfizer-Impfstoffs, in Deutschland verfügbar. Der Stiko zufolge sollen zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen verimpft werden. Für noch jüngere Kinder gibt es keinen zugelassenen Impfstoff.

Im Mai 2021 wurde bereits der Impfstoff von Biontech/Pfizer für 12- bis 17-Jährige zugelassen, im Juli auch der von Moderna. Die Stiko hatte dennoch lange Zeit keine Empfehlung zur Impfung von Kindern gegen Covid-19 ausgesprochen. Die Sächsische Impfkommission (Siko) hatte Ende Juli schließlich eine Empfehlung ausgesprochen, im August folgte dann die Stiko. Begründet wurde der Schritt mit neuen Daten zur zu diesem Zeitpunkt "dominierenden Delta-Variante". Vorteile der Impfung überwiegen demnach das Risiko von sehr seltenen Nebenwirkungen.

Wie kann ich die Impfung nachweisen?

Die Impfung gegen das Coronavirus kann zum einen mit dem Vorzeigen des Impfpasses bzw. des ausgedruckten Impfnachweises bestätigt werden. Der in der DDR ausgestellte rote Impfausweis ist dabei nur noch innerhalb Deutschlands anerkannt. Für Reisen ins Ausland empfiehlt es sich, den gelben internationalen Impfausweis mit sich zu führen. Die Impfungen aus dem roten Impfausweis kann man sich beim Hausarzt in einen gelben Impfausweis überführen lassen.

Zum anderen gibt es seit Mitte Juni den digitalen Impfnachweis. Dafür wird nach der letzten Impfung ein QR-Code generiert, der von entsprechenden Apps – entweder der Corona-Warn-App oder der CovPass-App – verarbeitet werden kann. Die Apps geben den Impfstatus dann aus. Wer den QR-Code nicht direkt nach der Impfung erhalten hat, kann ihn sich nach Vorlage des Impfausweises in Apotheken erstellen lassen. Nach der Booster-Impfung gibt es ebenfalls einen Code.

Wann werde ich eine Auffrischungs-/Booster-Impfung bekommen?

Die Stiko empfiehlt die Boosterimpfung allen ab 18 Jahren. Neu seit 21: Dezember: Voraussetzung ist, dass die Zweitimpfung nur noch drei Monate zurückliegt. Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund der Omikron-Variante: Erste Zahlen zeigen, dass dreifach Geimpfte weit besser geschützt sind. Die Organisation liegt in der Verantwortung der Länder: Neben Haus- und Betriebsärzten sind teilweise auch die Impfzentren reaktiviert worden - nicht jedoch in Mitteldeutschland.

Eine Ausnahme stellt die Erstimpfung mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson dar. Laut Stiko schützt dieser verglichen mit den anderen Wirkstoffen weniger gegen die Delta-Variante. Daher sei eine Booster-Impfung bereits vier Wochen nach der Impfung möglich.

Rein juristisch gesehen haben ohnehin alle Menschen in Deutschland (für deren Altersklasse Impfstoffe zugelassen sind) einen Anspruch auf eine Booster-Impfung. Der Rechtsanspruch ergibt sich aus der Corona-Impfverordnung. Dort ist ausdrücklich festgehalten, dass der Anspruch auf eine Impfung gegen Sars-CoV-2 auch Folge- oder Auffrischungsimpfungen umfasst.

Sollte ich angesichts Corona-Mutationen wie Omikron auf angepasste Impfstoffe warten?

Ganz klare Antwort: Nein. Zwar arbeiten Impfstoffentwickler wie Biontech und Moderna angesichts der Omikron-Variante bereits an einer Modifizierung ihrer mRNA-Impfstoffe, doch bedeutet das nicht, dass diese auch Marktreife erlangen. Und selbst wenn es modifizierte Impfstoffe geben wird, dauert es Monate, bis diese zugelassen sind. Bis dahin ist geimpft – egal mit welchem Impfstoff – auf jeden Fall sicherer als nicht geimpft. Das gilt auch für Booster-Impfungen.

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff erweist sich nach einer großangelegten Studie in Südafrikas derzeitiger Omikron-Welle als wirksam. Zwei Dosen böten einen 70-prozentigen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und einen Schutz von 33 Prozent vor einer Infektion, heißt es darin.

Dem Epidemiologen Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung zufolge sollten sich so viele Menschen wie möglich impfen und boostern lassen, um Deutschland gegen Omikron zu wappnen: "Eine hohe Immunität senkt einerseits das Risiko, sich anzustecken und schwer zu erkranken, andererseits aber auch die Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben."

Wie gut wirkt der neue Impfstoff von Novavax gegen die Omikron-Variante?

Das ist bislang unklar. Die klinischen Zulassungsstudien mit Novavax wurden durchgeführt zu einem Zeitpunkt, als die Alpha-Variante vorherrschend war. Die ist mittlerweile fast vollständig durch die Delta-Variante verdrängt worden, die ihrerseits derzeit durch Omikron abgelöst wird.

"Auch dieser Impfstoff wird an Omikron angepasst werden müssen", schrieb Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, kürzlich mit Blick auf das Novavax-Mittel auf Twitter. Gegen Alpha immerhin ist Novavax erwiesenermaßen gut wirksam: Der Impfstoff verhinderte nach zwei Dosen fast 90% aller schweren Verläufe. Das lässt mit Blick auf Omikron hoffen - mehr aber auch nicht.

Wie lange hält die Impfung?

Aktuell ist noch unklar, wie lange genau die Immunität sowohl nach der Impfung als auch nach natürlicher Infektion anhält und ob bzw. wann Auffrischungsimpfungen notwendig sind. Allerdings steigt laut RKI der Anteil an Geimpften unter den gemeldeten Fällen (die sogenannte Durchbruchsquote) seit einigen Wochen deutlich an. Die Über-60-Jährigen bilden hierfür eine gute Beobachtungsgruppe, da der Großteil von ihnen schon früh im Jahr geimpft war. In dieser Altergruppe lag die Durchbruchsquote aufs ganze Jahr gerechnet bei ca. 19%, im Zeitraum Ende September bis Ende Oktober hingegen bei ca. 69%.

Offenbar lässt also zumindest bei Älteren die Effektivität der Impfung nach mehreren Monaten deutlich ab. Durch die deutlich infektiösere Omikron-Variante verstärkt sich dieser Effekt noch. Genau deshalb ist die Booster-Impfung aktuell so wichtig.

Kann man bei der Booster-Impfung "mixen"?

Alle Personen, die eine Impfserie mit Vektor-Impfstoffen abgeschlossen haben – also mit Vaxzevria von Astrazeneca oder mit Janssen von Johnson&Johnson – erhalten als Auffrischung einen mRNA-Impfstoff. So empfiehlt es die Stiko. Wer mit einem mRNA-Impfstoff – also mit Comirnaty von BioNTech/Pfizer oder Spikevax von Moderna – erstgeimpft ist, erhält ebenfalls erneut einen der mRNA-Impfstoffe.

Welche Impfstoffe gegen das Coronavirus sind zugelassen?

Bislang sind fünf Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am 21. Dezember 2020 zunächst grünes Licht für den Impfstoff von Biontech und Pfizer. Seit Januar 2021 ist außerdem der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Moderna zugelassen. Bei beiden Vakzinen handelt es sich um mRNA-Impfstoffe, die für den Urtyp des Coronavirus, aber auch für die Delta-Variante eine hohe Wirksamkeit aufweisen.

Ebenfalls im Januar 2021 wurde der Impfstoff zugelassen, der von der Universität Oxford und dem Pharmahersteller Astrazeneca entwickelt worden ist. Seit März 2021 gibt es auch eine Zulassung für das Vakzin des US-Herstellers Johnson & Johnson. Es ist der erste Impfstoff, bei dem nur eine Dosis verabreicht werden muss. Er wurde Ende April in Deutschlands erstmals verimpft.

Außerdem erhielt der US-Pharmakonzern Novavax im Dezember 2021 für seinen Corona-Impfstoff Nuvaxovid die beschränkte Marktzulassung in der Europäischen Union. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA teilte mit, dass von dem Impfstoff "die EU-Kriterien zu Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität erfüllt werden". Anders als die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna, die ihre Corona-Impfstoffe auf Grundlage der neuartigen mRNA-Technologie herstellen, setzt Novavax bei seinem Vakzin auf eine traditionelle Methode. Es handelt sich um einen sogenannten Totimpfstoff, der für die Immunisierung abgetötete Bestandteile des Coronavirus enthält.

Wer kann sich mit welchem Impfstoff impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission beobachtet fortlaufend, welche Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Impfung auftreten. Auf dieser Basis veröffentlicht sie Empfehlungen: Diese Empfehlungen sind allerdings nicht rechtlich bindend, nach ärztlicher Aufklärung können Patienten auch eine abweichende Entscheidung treffen. Die folgenden Empfehlungen (Stand: 23. Dezember 2021) gelten derzeit:

  • Unter-30-Jährigen sowie Schwangeren unabhängig vom Alter wird empfohlen, sich mit dem Impfstoff "Comirnaty" von BioNTech/Pfizer impfen zu lassen. Der STIKO zufolge sind Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei Menschen unter 30 Jahren und Schwangeren nach der Impfung mit dem Vakzin von Moderna namens "Spikevax" häufiger beobachtet worden als nach der Impfung mit "Comirnaty". Ähnliche Empfehlungen gelten in weiteren europäischen Ländern.
  • Eine Impfung mit dem Impfstoff "Vaxzevria" des Herstellers AstraZeneca empfiehlt die STIKO nur Menschen ab 60 Jahren. Hier ist der Hintergrund das Auftreten von so genannten Hirnvenenthrombosen: 95% der Fälle traten nach RKI-Meldedaten bei Menschen unter 60 Jahren auf. Die selbe Empfehlung gilt für den Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson - wie Vaxzevria ebenfalls ein Vektorimpfstoff.

mRNA-, Vektor-, Totimpfstoffe – Welche Impfung wirkt wie?

mRNA-Impfstoffe (Spikevax von Moderna oder Comirnaty von Biontech/Pfizer) enthalten Genabschnitte des SARS-CoV-2-Virus. Sie lassen sich auch als Boten-RNA bezeichnen – eine Art Bauplan für die sogenannten Spikeproteine. Nach Verimpfung werden in den Körperzellen genau diese Proteine hergestellt. Sie sehen aus, wie die, die auf der Oberfläche des Coronavirus sitzen. Die neuen Spikeproteine im Körper regen das Immunsystem zu einer gezielten Antikörperbildung an. Diese haften dann an der Oberfläche des Coronavirus an und machen es unschädlich. Es kann sich nicht mehr vermehren. Die Information, die der Körper braucht, um die Spikeproteine herzustellen, werden verpackt in ein Lipidnanopartikel, das von den Zellen aufgenommen wird.

Nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktionierten die Vektorimpfstoffe (Janssen von Johnson&Johnson und Vaxzevria von Astrazeneca). Die Information für das Spikeprotein wird ebenfalls eingebaut, allerdings nicht als RNA, sondern als DNA. Diese ist Bestandteil eines sogenannten Vektors, eine Virushülle. Ist der Bauplan erstmal im Körper, wird derselbe Mechanismus in Gang gesetzt wie bei den mRNA-Impfstoffen: Die gebildeten Spikeproteine regen das Immunsystem dazu an, Antikörper gegen die Spikeproteine auf der Oberfläche des Coronavirus zu produzieren. Vermehrungsunfähige und vermehrungsfähige Vektorviren werden durch das Immunsystem kontrolliert und eliminiert. Ihre Erbinformation wird laut Bundesgesundheitsministerium nicht in die menschliche DNA eingebaut, weder in Körperzellen noch in Keimbahnzellen. Nach dem Abbau der von den Vektorviren übertragenen Erbinformation findet keine weitere Produktion des Antigens statt.

Nach einem ganz anderen Prinzip funktionieren Totimpfstoffe. Sie enthalten entsprechend ihrer Bezeichnung den abgetöteten Krankheitserreger selbst oder Bestandteile davon – in inaktivierter und damit ungefährlicher Form. Die Viren werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne das die jeweilige Krankheit ausbricht. Zu den Totimpfstoffen gehören Impfstoffe gegen Diphtherie, Hepatitis B, Kinderlähmung, Keuchhusten und Tetanus. Der Nachteil im Vergleich zu den anderen Technologien ist, dass Totimpfstoffe weniger gezielt wirken. Statt nur gegen das Spikeprotein wie bei mRNA- und Vektor-Impstoffen produzieren Totimpstoffe auch Antikörper gegen andere Teile des Virus.

Sind mRNA-Impfstoffe gefährlich?

Es kursieren Gerüchte, dass mRNA-Impfstoffe das Erbgut verändern könnten. Fachleute widersprechen dem: "Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich", stellt etwa das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut fest.

Mit Blick auf die Sicherheit der mRNA-Impfstoffe ist ein weiterer Punkt wichtig: Die Technologie wurde nicht erst im Zuge der Corona-Pandemie entwickelt. Einige Erfahrungen damit liegen bereits vor. Das Prinzip stammt aus der immunologischen und infektiologischen Grundlagen- und aus der Krebsforschung. Ziel dabei ist es, den Körper zu einem Angriff auf Tumorzellen zu befähigen. Auch in diesem Bereich laufen bereits klinische Studien.

Was gibt es für Nebenwirkungen und Impfreaktionen bei den mRNA-Impfstoffen?

Viele Menschen reagieren nach einer Corona-Impfung mit grippeähnlichen Symptomen, Niedergeschlagenheit oder Kopfschmerzen. Auch Muskelbeschwerden und Schmerzen an der Einstichstelle können auftreten. Viele Menschen reagieren nach der zweiten Impfung stärker als nach der ersten, manche auch gar nicht.

In Großbritannien reagierten Menschen, die bereits zuvor durch Allergien anaphylaktische Schocks erlitten hatten, auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer mit allergischen Reaktionen. Die Ursache war noch nicht abschließend geklärt. Ende Mai 2021 wurde zudem bekannt, dass vornehmlich junge Männer nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer beziehungsweise Moderna einem erhöhten Risiko für Herzmuskelentzündungen ausgesetzt sind. Diese mögliche Nebenwirkung tritt jedoch nur in äußerst seltenen Fällen auf und wurde erst sichtbar, als weltweit schon viele Millionen Menschen mit den Vakzinen geimpft worden waren.

Was gibt es für Nebenwirkungen und Impfreaktionen bei den Vektor- und Totimpfstoffen?

Der Hersteller Astrazeneca hatte im Vorfeld Fieber als relativ häufig vorkommende, aber mild verlaufende und schnell vorübergehende Impfreaktion seines Vakzins angegeben. Als weitere Nebenwirkungen werden vorübergehende lokale und systemische Reaktionen wie Schmerzen und Empfindlichkeit an der Injektionsstelle, leichte bis mäßige Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost, Fieber, Unwohlsein und Muskelschmerzen genannt. Wegen heftiger Impfreaktionen bei relativ vielen Geimpften war die Impfung mit Astrazeneca in Teilen Schwedens Mitte Februar 2021 sogar kurz ausgesetzt worden. Der konkrete Grund war, dass viele Geimpfte aus medizinischen Berufen sich wegen der Impfreaktion für einen Tag krankmelden mussten.

Wegen des sehr seltenen Auftretens von Hirnvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe des Astrazeneca-Impfstoffs ist die Impfung für unter 60-Jährige mit diesem Impfstoff in Deutschland ausgesetzt worden. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt es auch beim Impfstoff von Johnson & Johnson.

Über den Novavax-Totimpfstoff sind dagegen bislang nur die typischen leichten Nebenwirkungen einer Corona-Impfung bekannt: Müdigkeit, Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle etwa. Eventuelle weitere Nebenwirkungen - analog zur Thrombose bei AstraZeneca und den Herzmuskelentündungen bei mRNA-Vakzinen - stellen sich aufgrund ihrer Seltenheit meist erst heraus, wenn der Impfstoff schon längere Zeit angewendet wurde.

Welcher Impfstoff wirkt am besten?

Nach derzeitigem Kenntnisstand bieten die mRNA-Impfstoffe Comirnaty (BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) sowie der Vektor-Impfstoff Vaxzevria (Astrazeneca) eine hohe Wirksamkeit von etwa 90 Prozent gegen eine schwere COVID-19-Erkrankung und eine Wirksamkeit von etwa 75 Prozent gegen eine symptomatische SARS-CoV-2-Infektion mit der Deltavariante. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, schwer an COVID-19 zu erkranken, ist bei vollständig gegen COVID-19 Geimpften um etwa 90 Prozent geringer als bei den nicht geimpften Personen.

Eine ähnlich hohe Schutzwirkung wurde anfangs auch für Janssen (Johnson&Johnson) angenommen. Mittlerweile zeigt sich aber: Die meisten Impfdurchbrüche – also eine symptomatische COVID-19-Erkrankung trotz Corona-Schutzimpfung – treten in Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium bei Personen auf, die mit Johnson&Johnson geimpft wurden. Zudem wurde festgestellt, dass dieser Impfstoff im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit gegenüber der Delta-Variante hat. Aus diesem Grund empfiehlt die Stiko allen mit Johnson&Johnson-Geimpften bereits vier Wochen nach der Impfung eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Bei Novavax lag die Wirksamkeit in Bezug auf Erkrankungen bei 90 Prozent. Das bedeutet, unter den Probanden der geimpften Gruppe traten 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den Probanden einer Kontrollgruppe. Es wurden zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse hauptsächlich auf die Alpha-Variante, die in Deutschland so gut wie vollständig von Delta verdrängt wurde. Bald dürfte Experten zufolge die neue Variante Omikron das Infektionsgeschehen stark beeinflussen.

Welche weiteren Impfstoffe stehen vor der Zulassung?

Novavax war nur der Anfang: Unter anderem der französisch-österreichische Biotech-Konzern Valneva entwickelt derzeit einen Totimpfstoff, wie er seit Jahrzehnten auch gegen Grippe, Kinderlähmung oder Tetanus eingesetzt wird. VLA2001 heißt er derzeit, und das Unternehmen geht davon aus, dass eine Zulassung in Europa noch Ende 2021 erfolgen könnte. Ein Zulassungsverfahren bei der britischen Arzneimittelbehörde wurde bereits beantragt.

Weitere Verfahren bei der EMA laufen unter anderem für das Vakzin CoronaVac des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac und den russischen Vektorimpfstoff Sputnik V. Weltweit zählte die Weltgesundheitsorganisation Ende Oktober 322 Impfstoffprojekte.

Wann könnte Herdenimmunität erreicht sein?

Beim RKI geht man nicht mehr davon aus, dass das Coronavirus zum völligen Verschwinden gebracht wird. Diese Vorstellung, "im Sinne einer Elimination – also ein weitgehendes Zurückdrängen oder Ausrotten – sei nicht realistisch", hieß es bereits in einem Ende Juli veröffentlichten Strategiepapier des RKI.

Nach wie vor erreichbar ist aber ein Stadium der Herdenimmunität im Sinne eines stabilen endemischen Gleichgewichts. Dann wäre die Immunität in der Bevölkerung groß genug, dass sich das Coronavirus nur noch während bestimmter saisonaler Phasen langsam ausbreiten kann. In diesem Fall würden sich viele immune Menschen gar nicht mehr anstecken oder das Virus höchstens kurze Zeit weitergeben. Gefährdete Menschen hätten ein deutlich geringeres Risiko, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Krankenhäusern droht nicht mehr die Überlastung.

Angesichts der hochansteckenden Delta-Variante gehen Epidemiologen des Robert Koch-Instituts davon aus, dass etwa 85 bis 90 Prozent der über 18-Jährigen durch Impfung oder Genesung immunisiert sein müssen, um ein solches Gleichgewicht zu erreichen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 31. Oktober 2021 | 06:30 Uhr