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Zukunftszentrum Deutsche EinheitKeine Mitbestimmung bei Umgestaltung des Riebeckplatzes?

09. November 2023, 06:48 Uhr

In Halle soll bis 2028 das "Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation" entstehen. Dafür soll der zentrale Riebeckplatz umgestaltet werden. Die Stadtverwaltung bietet Hallenserinnen und Hallensern bislang aber keine Möglichkeit, sich im Vorfeld in diesen Prozess einzubringen. Warum? Das fragt sich ein Hörer von MDR AKTUELL.

Der Riebeckplatz in Halle ist derzeit alles andere als ein idyllischer Ort. Bis zu 90.000 Fahrzeuge passieren täglich diesen Verkehrskreisel, in dem Straßen aus allen vier Himmelsrichtungen zusammentreffen. Störungen dieses Kreislaufsystems strahlen im weiten Umfeld aus, es läuft dann mal wieder nichts in Halle.

"Wenn die Stadt von zukünftig einer Million Besuchern für das 'Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation' ausgeht und außerdem noch 5.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich angesiedelt werden könnten, dann würde die Verkehrsbelastung dieses Platzes noch steigen", befürchtet Wolfgang Meier aus Halle.

Brücken über Riebeckplatz verzichtbar

Die beiden Betonbuckel würden dann wenigstens noch die Nord-Süd-Verbindung sicherstellen, seien also unverzichtbar. Doch schon in diesem Punkt widerspricht der zuständige Beigeordnete René Rebentsdorf: "Der Hauptverkehrsstrom über den Riebeckplatz geht nicht über die Brücken."

Vielmehr fahren die meisten Fahrzeuge laut Rebentsdorf über die Eck-Verbindung Franckestraße/Volkmannstraße von Norden nach Westen und vice versa.

Mitbestimmung schon länger möglich

Auch den Vorwurf mangelnder Mitgestaltung weist Rebentsdorf zurück. Seiner Ansicht nach sind die modifizierten Pläne zum Umbau des Riebeckplatzes keinesfalls am sprichwörtlichen grünen Tisch hinter verschlossenen Türen entwickelt worden.

Er verweist auf einen langjährigen öffentlichen Disput um die Zukunft des Riebeckplatzes, der schon 2014 begann und sich zunächst um die städtebauliche Entwicklung kümmerte. Schon vor fünf Jahren, erklärt Rebentsdorf, habe der Stadtrat von Halle entschieden, dass die Hochstraße entfallen kann, sobald eine bauliche Entwicklung für die Mitte des Riebeckplatzes absehbar ist. Außerdem seien die Riebeckbrücken schon jetzt wegen Baustoffermüdungen für den Lkw-Verkehr gesperrt und nur noch einspurig befahrbar.

Allerdings lag ein wirklicher Rückbau der Brücken zu Zeiten des Stadtratsbeschlusses 2019 noch in zu weiter Ferne, zumal die damaligen Bebauungsideen recht einfallslos das übliche Trio von Hotel, Büro und Parkhaus bemühten – weit entfernt von einem großen architektonischen Wurf und deshalb auch weit entfernt von einem wirklich nötigen Umbau der Straßenführung.

Rückmeldungen aus der Bürgerschaft willkommen

Das änderte sich schlagartig mit dem Zuschlag in Sachen Zukunftszentrum, denn damit hat sich der damalige Stadtratbeschluss laut Rebentsdorf als segensreich erwiesen. Die weitere Planung konnte so deutlich beschleunigt und der Flächenzuschnitt optimiert werden. Feste Größen für den internationalen Architekturwettbewerb, den der Bund im nächsten Jahr für das Zukunftszentrum ausrufen werde.

"Sobald feststeht, wie das Gebäude aussieht und wo die Erschließung stattfindet, werden wir daran anknüpfend die Umgestaltung des öffentlichen Raums begleiten", sagt der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Umwelt. Erst dann werde auch geklärt, was aus den Brücken über dem Riebeckplatz wird.

"Eine Idee ist, dass dort eine Querung für Fußgänger und Radfahrer mit einer entsprechenden Begrünung entsteht." Darüber wolle man nun auch die Öffentlichkeit informieren und werde wohl noch vor Weihnachten ins leerstehende Kaufhof-Kaufhaus am Markt einladen. Dort solle es auch Raum für Rückmeldungen von Hallenserinnen und Hallensern geben, so Rebentsdorf. "Sodass am Ende ein Projekt rauskommt, was möglichst vielen Ansprüchen gerecht wird."

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 09. November 2023 | 06:22 Uhr