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ChronikLutz Trümper als OB: Der umstrittene Macher

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 04. März 2022, 05:07 Uhr

Nach zwanzig Jahren im Amt hört Lutz Trümper als Oberbürgermeister auf – im April 2022 wird ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Zwei Hochwasser musste Trümper meistern. Nicht unumstrittene Verkehrsprojekte prägten zudem seine insgesamt drei Amtszeiten. Eine Chronologie.

Lutz Trümper (SPD) wurde 2001 erstmals zum Oberbürgermeister von Magdeburg gewählt. In mehr als zwanzig Jahren im Amt prägte er die Stadt. Bei vielen gilt er als jemand, der Klartext spricht, als ein Macher. Zweimal wurde er mit absoluter Mehrheit wiedergewählt, genießt Beliebtheit in großen Teilen der Bevölkerung.

Trotzdem steht er auch immer wieder in der Kritik, eckt an, trat zwischenzeitlich sogar aus seiner eigenen Partei aus, weil er das Gefühl hatte, ihm werde dort der Mund verboten. Bis zum Ende bleibt er eine umstrittene und prägende Figur.

Nun räumt der Mann, der so lange an der Spitze Magdeburgs stand, seinen Posten. Am 24. April 2022 wird ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin gewählt. Zeit, um zurückzuschauen auf einige Stationen in mehr als zwanzig bewegten Jahren.

Mit Raubkatzen, als Artist, im Trikot Lutz Trümper: Bilder aus zwanzig Jahren als Oberbürgermeister von Magdeburg

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper im Jahr 2006 im neuen Stadion des 1. FC Magdeburg. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Lutz Trümper überreicht im Jahr 2008 Olympiateilnehmer Andreas Ihle einen Blumenstrauß. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Martina Müller, Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und Doris Fitschen im Jahr 2009 vor einer Lostrommel für das DFB-Hallenpokalturnier. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Lutz Trümper 2010 bei einer Pressekonferenz. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Lutz Trümper 2010 bei der Enthüllungsfeier eines Straßenschildes. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der litauischen Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite bei der Verleihung des Kaiser-Otto-Preises 2011. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Lutz Trümper 2012 auf einer Messeeröffnung. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA
Lutz Trümper 2013 im Magdeburger Zoo. Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Lutz Trümper 2015 beim Sachsen-Anhalt Landespokal im Männerfußball. Bildrechte: imago/Köhn
Lutz Trümper 2015 bei der Talkshow "hart aber fair" in der ARD. Bildrechte: imago/Metodi Popow
2017: Lutz Trümper schaut sich zusammen mit Anderen ein Roboter-Fussballspiel an Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Lutz Trümper 2018 nach dem Auftsieg des 1. FC Magdeburg in die 2. Fußballbundesliga. Bildrechte: IMAGO / foto2press
2019: Lutz Trümper löst Wettschulden ein und fährt bei den Geschwistern Weisheit bei einer Hochseilshow mit. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter
Lutz Trümper 2019 bei einem Fashion-Festival. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter
Lutz Trümper 2020 bei der Verleihung des Kaiser-Otto-Preises. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Die erste Amtszeit von 2001 bis 2007

Mai 2001 – Lutz Trümper wird Oberbürgermeister

Nachdem Magdeburgs langjähriger Oberbürgermeister Willi Polte (SPD) überraschend seine Kandidatur zurückzieht, wird Lutz Trümper von der SPD als Kandidat aufgestellt. Trümper ist in der Stadt verhältnismäßig unbekannt, kennt sich aber mit Politik und Verwaltung aus.

Von 1994 bis 2000 hatte er für die SPD im Stadtrat gesessen und arbeitete zunächst als Dezernent für Klinik-Entwicklung in Magdeburg, später als Staatssekretär im sachsen-anhaltischen Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt. 2000 wird er zudem Präsident des 1. FC Magdeburg.

Im zweiten Wahlgang gewinnt Lutz Trümper die Wahl mit 65,6 Prozent der gültigen Stimmen gegen Hans-Werner Brüning, den Fraktionsvorsitzenden der PDS im Stadtrat Magdeburg.

Juni 2002 – Insolvenz 1. FC Magdeburg

Im Juni 2002 meldet der 1. FC Magdeburg Insolvenz an. Ehemals einer der erfolgreichsten Fußballvereine Ostdeutschlands, steht der FCM mit dem Rücken zur Wand. Viele Fans sind am Boden zerstört. Lutz Trümper steht als Präsident des Vereins ebenfalls in der Kritik. Eine mühsame Aufbauarbeit beginnt.

2002 – Der SC Magdeburg gewinnt die Handball Champions League

Anders als beim 1. FC Magdeburg läuft es für den SC Magdeburg vor allem sportlich extrem gut. Die Handballer gewinnen gegen den ungarischen Verein KC Veszprém die Handball Champions League.

Obwohl Trümper selbst Handball spielte, verschrieb er sich als Präsident und Fan vor allem dem Fußball.

August 2002 – Jahrhunderthochwasser

Nach heftigen Regenfällen im Harz ist Magdeburg durch ein Jahrhunderthochwasser bedroht. In Magdeburg steht die Elbe statt bei zwei bei 6,72 Meter.

So sah es im Bereich der Hubbrücke 2002 in Magdeburg aus. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Die Lage an allen Dämmen ist kritisch. 20.000 Menschen östlich der Elbe sollen ihre Häuser verlassen, tausende Häuser entlang der Elbe stehen unter Wasser. Der Eisenbahnknotenpunkt Magdeburg ist komplett lahmgelegt.

Am Ende kommt Magdeburg relativ glimpflich davon. Die Deiche halten, schnell laufen die Aufräumarbeiten an. Dem noch neuen Oberbürgermeister Trümper und seinem Krisenstab wird von großen Teilen der Bevölkerung gute Arbeit bescheinigt, vereinzelt gibt es auch Kritik.

Frühjahr 2004 – Der Anfang der Citytunnels

Die Deutsche Bahn informiert die Stadt Magdeburg darüber, dass sie die marode Brücke über der Ernst-Reuter-Allee am Hauptbahnhof austauschen möchte – die Chance für Magdeburg zeitgleich die Durchfahrt zu erneuern. Die Stadt kalkuliert in ersten Entwürfen mit 36 Millionen Euro Gesamtkosten und knapp vier Millionen Euro Eigenbeteiligung.

2004 – Startschuss Stadion-Neubau

Lutz Trümper setzt sich für den Bau des neuen Stadions ein. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Obwohl der 1. FC Magdeburg derzeit nur in der Oberliga spielt und sich gerade erst von der Insolvenz erholt, setzt Lutz Trümper sich massiv für den Bau eines neuen Stadions ein, das insgesamt 30 Millionen Euro kosten und 25.000 Zuschauer fassen soll.

2006 wird die MDCC-Arena in Magdeburg als Mehrzweckstadion eröffnet. Bildrechte: imago images/Christian Schroedte

Das Projekt ist hochumstritten. Kritiker meinen, dass das Stadion nicht durch öffentliche Gelder finanziert werden dürfe und die Gegenfinanzierung zu optimistisch geplant sei.

Trümper setzt sich durch. Im Juni 2004 stimmt die Stadt dem Projekt zu. Das Stadion wird gebaut und im Dezember 2006 unter dem Namen MDCC-Arena eröffnet.

2006 – Hochwasser

Wieder wird Magdeburg von einem Hochwasser heimgesucht. Im Vergleich zu 2002 fallen die Schäden jedoch geringer aus, weil die Stadt durch den Elbe-Umflut-Kanal entlastet werden kann.

Die zweite Amtszeit von 2007 bis 2015

2007 – Wiederwahl

Lutz Trümper wird im ersten Wahlgang mit 64 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Seine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister beginnt.

2009 – Einführung der "Meile der Demokratie"

Im Jahr 2009 setzt sich Trümper gemeinsam mit anderen Vereinen und Personen für die Gründung der Meile der Demokratie ein und übernimmt die Schirmherrschaft der Veranstaltung. Rechtsextreme und Neonazis instrumentalisieren jährlich den 16. Januar, den Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs, und marschieren durch die Magdeburger Innenstadt.

Eine Stadt für alle – Initiative weltoffenes Magdeburg

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper eröffnet die Aktionswoche "Eine Stadt für alle" im Jahr 2020. Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington
Viele Menschen sind vor dem Rathaus zum Singen zusammengekommen. Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington
Trotz der Kälte möchten die Menschen ein Zeichen für Frieden setzen. Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington
Die Initiative wird von Menschen aus der ganzen Stadt unterstützt. Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington

Statt einer bloßen Gegendemonstration möchte die Meile der Demokratie ein aktives Zeichen dafür setzen, dass Magdeburg demokratisch, tolerant und weltoffen ist. Zudem soll ein differenziertes Erinnern an alle Opfer ermöglicht werden. Der Aktionstag findet großen Anklang in der Bevölkerung und wird bis heute fortgeführt, mittlerweile unter dem Titel: Initiative weltoffenes Magdeburg – Eine Stadt für alle.

Oktober 2009 – Bau des Citytunnels wird beschlossen

Trümper, der in der Ernst-Reuter-Allee die Tunnellösung favorisiert, kann sich denkbar knapp durchsetzen: Mit einer einzigen Stimme Mehrheit entscheidet der Stadtrat von Magdeburg, dem Tunnelbau zuzustimmen. Dem Prozess waren fünf Jahre Planungen, Diskussionen und Auseinandersetzungen vorausgegangen.

2011 – Trümper gewinnt "Homo-Gurke" des Magazins "queer"

Der Christopher Street Day (CSD) in Magdeburg 2019 Bildrechte: MDR/Heike Bade

Weil Lutz Trümper zum zehnten mal in Folge ablehnt, die Schirmherrschaft des CSD in Magdeburg zu übernehmen, verleiht ihm das Magazin "queer" den Negativpreis "Homo-Gurke". Zeitgleich findet im Stadtrat eine harte Debatte darüber statt, ob am Rathaus die Regenbogenfahne gehisst werden soll.

Trümper sagt dazu, er respektiere den CSD, erbitte sich aber auch Respekt für seine Entscheidung, die Schirmherrschaft abzulehnen. Dies habe nichts mit Homophobie zu tun.

2013 – Jahrhunderthochwasser

Im Juni wird Magdeburg vom schlimmsten Hochwasser bedroht, dass Sachsen-Anhalt bis dahin gesehen hat. Die Elbe steht teilweise 7,47 Meter hoch, Rothensee läuft teilweise voll, Helfer kämpfen um ein Umspannwerk. Insgesamt sind mehr als 1.000 Quadratkilometer in Sachsen-Anhalt überschwemmt.

Rückblick auf das Hochwasser in Magdeburg 2013

Tausende Helferinnen und Helfer sind im Einsatz, um Magdeburg gegen die Fluten zu schützen. Bildrechte: IMAGO / epd
Bundeswehrsoldaten versuchen, den Magdeburger Stadtteil Rothensee vor dem Wasser abzuschirmen. Besonders brisant: Hier steht ein Umspannwerk. Bildrechte: IMAGO / epd
Das Hochwasser steht 2013 bis kurz unter die Bögen der Hubbrücke. Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Sandsäcke und Pumpen kämpfen gegen das Wasser der Elbe an, das sich durch die Deiche und Mauern gefressen hat. Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Nach dem Hochwasser gab es große Schäden zu beklagen. Auch viele Gegenstände im Haushalt wurden durchs Wasser zerstört, und mussten entsorgt werden. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

In Magdeburg sind mehr als 3.000 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Die Deiche weichen auf und beginnen zu bröckeln. Stiege das Wasser um wenige Zentimeter höher, würden große Teile Magdeburgs überspült.

Die Lage ist ernst. Gleichzeitig muss Trümper versuchen, eine Massenpanik zu vermeiden. Er entscheidet sich, Ostelbien teilweise zu evakuieren und sonst Ruhe zu bewahren.

In Barby, Fischbeck und Schönebeck brechen Deiche und Wasserschutzmauern. Nach einigen Tagen ebbt das Hochwasser langsam ab, die absolute Katastrophe ist ausgeblieben. Trotzdem gibt es erhebliche Schäden, mit denen Bürgerinnen und Bürger zu kämpfen haben.

2013 – "Rettet die Domlinden"

Nachdem der Stadtrat beschlossen hat, die Linden vom Domplatz zu fällen oder umzusetzen, herrscht großer Aufruhr in Magdeburg. Bürgerinnen und Bürger organisieren einen Bürgerentscheid zum Erhalt der Bäume, 15.500 Unterschriften kommen zusammen.

Am Ende werden nur elf Linden vor dem Dom gefällt, 83 weitere Bäume werden beschnitten.

Die dritte Amtszeit von 2015 bis 2022

März 2015 – Wiederwahl

Lutz Trümper wird im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit wiedergewählt. Er kommt auf 69,2 Prozent der gültigen Stimmen. Seine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister beginnt.

Juni 2015 – Baubeginn am City-Tunnel

Lutz Trümper am Tag des Baubeginns vom Citytunnel in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Der erste Spatenstich für den Tunnel am Hauptbahnhof wird gesetzt. Mittlerweile werden die Gesamtkosten statt auf die ursprünglichen 36 Millionen auf knapp 100 Millionen Euro geschätzt.

Als Grund für die Kostenexplosion gibt die Stadt auch Verzögerungen durch Klagen und Anträge an. Es ist geplant, dass der Tunnel 2019 fertig gestellt wird.

Oktober 2015 – Austritt aus der SPD

Im Oktober 2015 tritt Lutz Trümper nach Differenzen mit der SPD-Landesvorsitzenden Katrin Budde aus der SPD aus. Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Anlass des Streits ist die Frage, wie man mit ankommenden Flüchtlingen umgehen solle.

Trümper fordert eine Obergrenze und spricht davon, dass die Stadt Magdeburg überlastet sei. Die Politik der Landesspitze kritisiert er als "realitätsfern".
Katrin Budde sagt, mit diesen Äußerungen schade er ihr und der SPD. Daraufhin tritt Trümper aus der SPD aus. Er sagt, er wolle Schaden von der SPD abwenden und sich nicht den Mund verbieten lassen.

Während der Austritt von Seiten der SPD mit Enttäuschung wahrgenommen wird, erhält Trümper in sozialen Netzwerken und in der Stadtbevölkerung viel Zustimmung für seinen Schritt.

2016 – Hüpfverbot im Stadion

2016, zehn Jahre nach der Eröffnung der MDCC-Arena, wird bei Messungen festgestellt, dass die Tribünen des Stadions zu sehr schwingen, wenn die Fans im Gleichtakt springen.

Es folgt erst ein Hüpfverbot, später dann der Umbau der Tribünen, der 2020 abgeschlossen wird.

Juni 2017 – Wiedereintritt in die SPD

Knapp zwei Jahre nach seinem Austritt, tritt Lutz Trümper wieder in die SPD ein. Diese stimmt seinem Antrag nach kurzem Zögern zu. Der Wiedereintritt ist von weniger Wirbel begleitet, als der Austritt.

2017 – Trümper vermutet Sozialbetrug in der Neuen Neustadt

In den Magdeburger Stadtteil "Neue Neustadt" sind in den letzten Jahren viele Menschen aus Rumänien gezogen. Einige der dort lebenden Menschen stocken ihre Einkünfte mit Geld vom Arbeitsamt auf. Anwohner beschweren sich über Lärm und Müll.

Lutz Trümper wittert Sozialbetrug im großen Stil, vermutet, dass viele Menschen nur Scheinjobs haben, um sich Leistungen zu erschleichen. Das Thema macht zwei Jahre lang immer wieder Schlagzeilen, auch bundesweit. Während die Zeit den Umgang mit der rumänischen Community kritisiert und titelt "Wie aus einem Nachbarschaftsstreit ein Skandal wird", konzentrieren sich die lokalen Medien verstärkt auf die Vorwürfe.

Die Neue Neustadt wird trotz Bemühungen des Stadtteilmanagements und zahlreicher kultureller Akteure in den folgenden Jahren immer wieder zum Problemviertel erklärt. Die Magdeburgerinnen und Magdeburger reagieren gespalten.

April 2018 – Der 1. FC Magdeburg steigt in die zweite Liga auf

16 Jahre nach der Insolvenz hat es der 1. FC Magdeburg aus der
Oberliga bis hinauf in die zweite Liga geschafft. Die Stadt steht Kopf.

Lutz Trümper gratuliert der Aufstiegsmannschaft im Rathaus. Bildrechte: IMAGO / foto2press

2019 – Stadtratswahl in Magdeburg

Mit den Stadtratswahlen 2019 verschieben sich die Kräfteverhältnisse im Stadtrat. Während lange Zeit die SPD, CDU und Linke die drei großen Fraktionen im Stadtrat waren, verbessern 2019 die AfD und die Grünen ihre Ergebnisse, so dass gleich fünf Parteien fast ebenbürtig im Stadtrat vertreten sind (alle zwischen 14,4 und 18,6 Prozent). Damit werden Verhandlungen im Stadtrat und auch Alleingänge einzelner Fraktionen schwieriger.

März 2020 – Kai Perret als Zoodirektor gefeuert

Als Chef des Zoo-Aufsichtsrates ist Lutz Trümper mit dem Magdeburger Zoo eng verbunden (Symbolbild). Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Im März kündigt die Stadt Magdeburg den Zoodirektor Kai Perret fristlos. Der Vorwurf der Tierwohlgefährdung steht im Raum. Lutz Trümper als Chef des Aufsichtsrats des Zoos hatte lange seine schützende Hand über Perret gehalten. Unter diesem hat sich der Zoo einerseits enorm entwickelt, andererseits hatte es immer wieder schwere Vorwürfe gegen ihn gegeben.

Besonders viel Aufsehen hatte ein Fall im Jahr 2008 erregt, als Kai Perret drei Tigerbabys aus eigener Zucht töten ließ, weil der Vater kein reinrassischer sibirischer Tiger war.

März 2020 – Die Corona-Pandemie beginnt

Covid-19, eine spezielle Variante des Corona-Virus, ist von Fledermäusen auf die Menschen übergesprungen. Der Virus, der die Atemwege befällt, breitet sich schnell aus. Weltweit sterben trotz umfassender Maßnahmen mehrere Millionen Menschen in den erste zwölf Monaten.

Lutz Trümper muss sich einmal mehr im Krisenmanagement beweisen, um die Magdeburger Bevölkerung zu schützen und trotz der hohen wirtschaftlichen Einbußen und enormen Umstellungen entschlossen durch die Pandemie zu führen.

Dabei zeigt Trümper wieder, dass er seine eigene Meinung vertritt. Er kritisiert Entscheidungen von Bund und Land und polarisiert nach einem großen Corona-Ausbruch im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt durch Aussagen während des Krisenmanagements.

Mai 2020 – Bauprojekt im Stadtpark am "Winterhafen" wird abgelehnt

Am "Winterhafen" im Magdeburger Stadtteil liefen lange Zeit die Verhandlungen über ein umstrittenes Bauprojekt. Am Ende wird das Projekt durch Stimmen der Grünen, Linken und der AfD abgelehnt. Begründet wird dies unter anderem mit Bedenken wegen des Hochwasserschutzes, wegen ökologischer Folgen und unzureichender Anbindung an den ÖPNV.

Trümper zeigt sich entsetzt. Er sagt, der Investor habe das Grundstück gekauft und seit Jahren Geld investiert. Es sei traurig, dass das Areal nicht aufgewertet werde. Zudem zeigt er sich verärgert über die "merkwürdige Allianz" von Linken, Grünen und AfD.

Kritiker halten ihm entgegen, dass der Stadionbau ebenfalls nur mit der Stimme der NPD beschlossen wurde.

Beobachter der Stadtpolitik beschreiben diese Niederlage Trümpers als symptomatisch für die veränderten Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat.

September 2020 – Citytunnel soll noch teurer werden

Nach diversen Problemen und Verzögerungen soll der Bau des Citytunnels nun insgesamt 198 Millionen Euro kosten. Die Stadt Magdeburg wird davon 80 Millionen tragen. Die Unterführung mit dem Autotunnel, im Volksmund "Citytunnel" genannt, soll Ende des Jahres 2022 fertig sein.

In der Bevölkerung macht sich Unmut breit. Dass in dem Tunnel die Radwege zugunsten einer eigenen Abbiegespur für Autos sehr schmal gebaut werden, ist zusätzlicher Anlass für Proteste.

Oktober 2020 – Magdeburg verliert knapp im Finale um den Titel als "Kulturhauptstadt 2025"

Nachdem Magdeburg es bis in die Endrunde geschafft hatte, verliert die Stadt das Rennen um den Titel als Kulturhauptstadt Europas 2025 knapp gegen Chemnitz. Der Titel hätte eine große Chance für Magdeburg bedeutet.

Trotzdem sind neben der Enttäuschung auch Stolz und Entschlossenheit in der Stadt zu spüren. Es ist klar: Die Entwicklung der Kulturszene soll auch ohne den Titel vorangehen.

Dezember 2020 – Ankündigung des vorzeitigen Rücktritts

In einer emotionalen Rede kündigt Lutz Trümper an, im Sommer 2021 frühzeitig von seinem Amt zurücktreten zu wollen. Er sagt, er habe nie vorgehabt, ein weiteres mal zu kandidieren. Außerdem äußert er sich enttäuscht über die Verhältnisse im Magdeburger Stadtrat.

Die Reaktionen fallen geteilt aus. Auf der einen Seite organisieren Bürgerinnen und Bürger Aktionen, die Trümper bitten, noch länger im Amt zu bleiben. Auch eine Facebookseite wird schnell gegründet und findet großen Zuspruch.

Sogar auf LED-Tafeln baten Bürgerinnen und Bürger Lutz Trümper, Oberbürgermeister von Magdeburg zu bleiben. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Auf der anderen Seite verkünden Bürgerinnen und Bürger, ein frischer Wind würde der Stadt gut tun. Die Parteien fürchten, dass es parallel zum Landtags- und Bundestagswahlkampf und mitten in der Corona-Pandemie schwierig sein könnte, kurzfristig neue Kandidaten aufzubauen.

Als Trümper den offiziellen Rücktrittsgesuch hinauszögert, wird auf Instagram eine satirische Seite mit dem Titel "Der ewige Lutz Trümper" gegründet.

April 2021 – Rückzug vom Rückzug

Lutz Trümper kündigt an, nun doch erst 2022 in Ruhestand gehen zu wollen. Als Grund gibt er an, dass ihn zahlreiche Bitten erreicht haben, zu bleiben. Außerdem habe er zum Zeit der Ankündigung unterschätzt, wie stark Magdeburg im Sommer 2021 noch von der Pandemie betroffen sein werde. Er wolle niemanden im Stich lassen.

Oktober 2021 – SCM und FCM eilen von Sieg zu Sieg

In Trümpers letztem Jahr als Oberbürgermeister läuft es sportlich in Magdeburg rund. Die Handballer vom SC Magdeburg gewinnen gegen den FC Barcelona die Klub-WM und dürfen sich nur bestes Handballteam der Welt nennen. In der Handballbundesliga stehen sie ganz oben und streben den deutschen Meistertitel an.

Parallel spielt der 1. FC Magdeburg eine äußerst erfolgreiche Saison und ist auf dem Weg in die 2. Bundesliga.

November 2021 – Strombrücke wird teurer

Neben dem Citytunnel hat Magdeburg mittlerweile eine zweite Großbaustelle in der Innenstadt. Die Strombrücke wird gebaut – und sie wird teurer. Im Stadtrat wird ein neuer Finanzplan für die Brücke beschlossen. Die Gesamtkosten sollen nunmehr 180 Millionen Euro statt der bislang veranschlagten 160 Millionen betragen. Bis Ende 2023 soll der neue Brückenzug fertiggestellt sein.

November 2021 – Chiphersteller Intel soll nach Magdeburg kommen

Es wird bekannt, dass der Chiphersteller Intel darüber nachdenkt, in Magdeburg einen Standort einzurichten. Von bis zu 1.500 neuen Arbeitsplätzen ist die Rede. Trümper bestätigt der Volksstimme, dass man Gespräche mit einem weltweit agierenden Investor führe. Seit rund einem halben Jahr sei man in einem intensiven Austausch. Den Namen Intel wollte er damals noch nicht bestätigen.

Januar 2022 – Abschiedsgeschenk Citytunnel

Quasi als Abschiedsgeschenk verspricht Lutz Trümper, dass am Citytunnel im Dezember 2022 die Bauarbeiten am Großprojekt abgeschlossen sein sollen. Nach sieben Jahren Bauzeit mit Verzögerungen und Mehrkosten könnte der Tunnel dann endlich für den Autoverkehr freigegeben werden.

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MDR (Leonard Schubert, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 20. Februar 2022 | 12:00 Uhr

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