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Landesregierung, Universität und Intel suchen gemeinsam nach Fachkräften. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei

KooperationWie in Magdeburg Universität und Intel gegen Fachkräftemangel vorgehen

von Sebastian Mantei, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 27. Juli 2022, 17:02 Uhr

In Magdeburg wollen Universität, Landesregierung und Intel zusammenarbeiten, um genügend Fachkräfte für die geplante Chipfabrik zu finden. Dafür sollen unter anderem neue Studiengänge und Stipendien geschaffen werden. Ziel ist es, einen Fachkräftemangel wie etwa bei Tesla in Brandenburg zu verhindern.

Die Halbleiterindustrie sucht weltweit nach Fachkräften, überall ist der Mangel groß. In Ostdeutschland entstehen sogenannte Gigafabriken und Superfabriken. Doch es fehlt oft an Personal, damit die modernen Fabriken betrieben werden können. Bestes Beispiel dafür ist der E-Autohersteller Tesla in Grünheide. Der Konzern leidet unter Arbeitskräftemangel und sucht auch in Sachsen-Anhalt händeringend nach Mitarbeitenden.

Uni-Rektor: "Brauchen mehr Frauen in MINT-Fächern"

Damit dagegen der Start bei Intel in Magdeburg 2027 reibungslos verlaufen kann, haben Unternehmen, Landesregierung und die Hochschulen Sachsen-Anhalts ein erstes Fachkräftemeeting abgehalten. Unter Federführung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde am Dienstag beraten, wie sich die Hochschulen in Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften im Halbleitersektor einbringen können.

Ziel ist es unter anderem, Fachkräfte für die wachsende Halbleiterindustrie auszubilden und junge Menschen dadurch in Sachsen-Anhalt zu halten, die sonst nach dem Studium das Land verlassen würden.

Zu wenig Frauen in der Branche

Für den Rektor der Otto-von-Guericke-Universität, Jens Strackeljan, ist die Intel-Ansiedlung eine große Chance für eine Aufwertung des Studiums in Magdeburg: "Wir müssen uns fragen, wie kann man akademisch ausgebildete Fachkräfte für Intel und die Firmen, die im Sog noch kommen werden, bereitstellen? Wir haben ungefähr 9.000 Absolventen im Jahr. Viele davon gehen und wir wollen einige halten. Außerdem müssen wir viel mehr dafür tun, dass Frauen in den sogenannten MINT-Fächern studieren."

Zu den MINT-Fächern gehören Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Derzeit habe die Uni nur zehn bis 15 Prozent Absolventinnen in diesen Fächern. "Da müssen wir besser werden, weil das auch für Intel ein großes Thema ist. Und wir müssen die Forschung im Halbleiterbereich ausbauen. Wir wollen ja nicht nur Produktionsstandort sein", so Strackeljan.

Jens Strackeljan, Rektor der Uni Magdeburg Bildrechte: MDR

Uni will Pendler zurückholen

Die Universität plant bereits zum Wintersemester 2023 zwei neue Studiengänge im Bereich Halbleitertechnologie. Außerdem will die Universität akademisch ausgebildete Pendler ansprechen, die aus Magdeburg zur Arbeit in den Westen fahren. Sie sollen durch besondere Programme Chancen zur Qualifizierung erhalten, damit sie künftig in Magdeburgs Halbleiterbranche arbeiten können.

Unterstützt wird die Universität dabei von Intel-Manager Bernd Holthaus. Er ist der neue Personalchef für den Standort Magdeburg und setzt auf Erfahrungen von anderen Intel-Standorten des Unternehmens, um qualifizierte Ingenieure und Ingenieurinnen aus verschiedensten Bereichen zu gewinnen.

Er hat konkrete Vorstellungen, wie Kooperationen verlaufen können: "Es wird Talentprogramme geben mit Praktikantenprogrammen, mit Programmen für Bachelor- und Masterstudiengänge. Doktorandenstipendien werden vielleicht dabei sein. Wir wollen auch eine nachhaltige Talentpipeline aufbauen, von der nicht nur wir profitieren, sondern vielleicht auch andere – wie unsere Dienstleister und Zulieferer."

Intel hat schon erste Stellen ausgeschrieben

Intel hat bereits jetzt 80 Stellen für den Standort Magdeburg ausgeschrieben. Dabei handelt es sich vor allem um Arbeitsplätze, die für den Aufbau der neuen Fabriken benötigt werden. Weiterhin gibt es aber auch Jobangebote in den Bereichen Marketing, Personalwesen und Bereich öffentliche Angelegenheiten.

Neben diesen Ausschreibungen steht das Unternehmen im engen Austausch mit der Arbeitsagentur und der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, um rechtzeitig genügend qualifizierte Mitarbeiter für den Aufbau und Start der Intelfabriken in Magdeburg zu gewinnen.

Land Sachsen-Anhalt will Strukturen für Intel schaffen – auch in der Forschung

Millionenspenden an Hochschulen, wie sie in den USA von Unternehmen getätigt werden können, sind in Deutschland nicht möglich. Möglich sind dagegen Stiftungsprofessuren und Projekte, die über Drittmittel aus der Industrie gefördert werden. Dafür müssen künftig die Rahmen abgesteckt werden. Das muss langfristig vorbereitet werden.

Für Jürgen Ude, Staatssekretär für Strukturwandel und Großansiedlungen, ist für diese Vorbereitungen jetzt der richtige Zeitpunkt. Dass sich Land, Hochschulen und Intel bereits im Juli 2022 zusammensetzen, beweise, wie bedeutend für alle Beteiligten diese Ansiedlung in Sachsen-Anhalt sei.

Ude sagt: "Wir wollen so schnell wie möglich Strukturen schaffen, wie wir zusammenarbeiten können. Da sind die Institute von Fraunhofer über Max-Planck bis Helmholtz dabei und die Universitäten. Und da muss man gucken: Wie kann man da kooperieren, wie kann man den Bereich Mikroelektronik voranbringen."

Studierende sehen Perspektiven bei Intel

Dass die Ansiedlung auch für die Studierenden in Magdeburg neue Perspektiven schafft, beweist eine Umfrage auf dem Campus. Einige Studierende gaben an, dass Intel für Absolventinnen und Absolventen völlig neue Jobperspektiven biete und neue Studierende nach Magdeburg ziehe, die ihre Abschlussarbeiten im Rahmen eines Stipendiums oder Dualen Studiums in einem Projekt bei Intel schreiben könnten.

Bisher haben viele Absolvierende keine Chance auf einen qualifizierten Arbeitsplatz in der Region bekommen. Das könnte sich ändern, wenn die Intel-Ansiedlung kommt. 

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MDR (Sebastian Mantei,Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Juni 2022 | 12:00 Uhr

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