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Ehrenamtliche vom Kriseninterventionsteam hatten in den ersten Stunden nach der Amoktat in Bischofswerda die seelische Akutbetreuung übernommen. Jetzt kümmern sich Traumatherapeuten um Schüler und Beschäftigte. Bildrechte: dpa

Psychologische BetreuungTraumatherapeuten nach Amoktat an Schule in Bischofswerda

25. August 2023, 16:54 Uhr

Ein Jugendlicher versucht, in Bischofswerda eine Schule in Brand zu stecken. Er verletzt einen acht Jahre alten Grundschüler schwer. Kinder, Jugendliche und Lehrerkräfte, die mitten im Geschehen waren, sind erschüttert. Psychologen sollen in den schweren Tagen Unterstützung leisten. Ein Notfalltelefon ist eingerichtet.

Nach der Amoklage und dem Messerangriff im Schulkomplex in Bischofswerda sind seit Freitag Traumatherapeuten vor Ort. Das teilte die zuständige Unfallkasse Sachsen auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Die Mitarbeiterinnen hatten am Donnerstag im Rahmen eines Elternabends die Hilfeleistungen vorgestellt, sagte Sprecher Karsten Janz.

Psychologen sind in der Schule

An diesem Freitag sowie in der kommenden Woche sollten Erstgespräche laufen, um den individuellen Bedarf einer therapeutischen Unterstützung zu sichten. Es werde ein Lagebild erarbeitet und auf dessen Grundlage weitere Schritte entschieden.

Es gibt als erstes Gesprächsangebote, um den individuellen Bedarf zu sichten. Alle weiteren Schritte werden danach entschieden.

Karsten Janz | Unfallkasse Sachsen

Experten am Notfalltelefon

Außerdem ist eine Notfallnummer geschaltet. Unter der 0800 001 02 20 finden Betroffene schnelle und unkomplizierte Hilfe, verspricht die Unfallkasse. Am Notfalltelefon sitzen Fachleute aus den Bereichen der Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie und Sozialpädagogik.

Die Unfallkasse Sachsen als gesetzliche Versicherung für den öffentlichen Dienst übernimmt im Auftrag des Kultusministeriums auch die Nachsorge von Beschäftigten und Schülern nach Amoklagen. "Dazu werden Kooperationspartner beauftragt, die Erfahrungen auf dem Gebiet der Bewältigung von Großschadenslagen haben", heißt es aus dem Kultusministerium.

Klassenleiter unterrichten am Freitag ihre Kinder

In der kombinierten Grund- und Oberschule in Bischofswerda hat am Freitag der Unterricht wieder begonnen. Zunächst werden die Stunden von den Klassenleitern gehalten. Für die Schülerinnen und Schüler soll schnellstmöglich Alltag einkehren, wie Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nach einem Vor-Ort-Besuch am Donnerstag betonte: "Es ist wichtig, mit den Kindern das Gespräch zu suchen. Gerade auch bei den Jüngsten, den Grundschülern, ist es wichtig, dass sie Normalität in ihrem schulischen Alltag wieder erleben können."

Gerade bei den Jüngsten, den Grundschülern, ist es wichtig, dass sie Normalität in ihrem schulischen Alltag wieder erleben können.

Christian Piwarz | Kultusminister von Sachsen

Neben der Akutbetreuung habe man auch individuelle Unterstützungsangebote zugesagt, sagte Piwarz. So für die Lehrkräfte, die von dem Vorfall besonders betroffen waren.

Spendensammlung für Familie des Opfers angelaufen

Inzwischen hat eine Spendenkampagne für die Familie des Opfers mehr als 30.000 Euro eingespielt. Organisiert wurde sie von Annegret Scheers, die eigenen Angaben zufolge eine Freundin der Mutter des Achtjährigen ist. Wie sie in ihrem Spendenaufruf schreibt, hat die Familie in diesem Jahr bereits schwere Stunden durchlebt. Das dritte, erst in diesem Jahr geborene Kind, ist demnach schwer krank. Mit den Spenden will sie der Familie ermöglichen, die Elternzeit zu verlängern, um das Gelebte in Ruhe verarbeiten zu können.

Polizei warnt vor Gerüchten und übler Nachrede

Die Polizei warnte am Freitag unterdessen erneut davor, Gerüchte in den sozialen Medien zu verbreiten oder ihnen zu folgen. Es kursiere ein Post mit einem Foto und dem Namen eines Jungen, bei dem es sich um den angeblichen Täter handeln soll. "Es ist nachvollziehbar, dass die Gemüter in Bischofswerda erhitzt sind", teilte die Polizeidirektion Görlitz mit. "Derlei Gerüchte können jedoch sehr schnell Fahrt aufnehmen und gänzlich Unbeteiligte rücken in den Fokus." Üble Nachrede sei nicht nur ein Straftat, sondern helfe auch niemandem weiter. "Durch Zurückhaltung helfen Sie zudem der Familie des Geschädigten und auch der des Tatverdächtigen, die für alle Beteiligten nicht einfache Situation zu verarbeiten."

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MDR (ama)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 25. August 2023 | 06:30 Uhr