Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben

FlugverkehrKrostitz misst Lärm des Flughafens Leipzig/Halle genau nach

23. Juni 2023, 17:33 Uhr

Flugzeuge sind laut. Aber wie laut genau? Dieser Frage wird nun in Krostitz nachgegangen. In der Gemeinde in Nordsachsen wurde die erste mobile Lärmmess-Station aufgebaut. Sie soll den vom Flughafen Leipzig/Halle verursachten Fluglärm mit Daten genau unterfüttern. In den vergangenen Monate hatte es in der Gemeinde immer wieder Ärger über die Geräuschkulisse gegeben.

Der sächsische Fluglärmschutzbeauftragte Jörg Puchmüller hat am Donnerstag die erste mobile Lärmmessung im Umfeld des Airports Leipzig/Halle gestartet. Im Krostitzer Ortsteil Kletzen soll die Fluglärmüberwachungsanlage Daten liefern.

"Zahlreiche Bürger haben sich gemeldet"

Der Krostitzer Bürgermeister Oliver Kläring (CDU) hatte um so eine Messreihe gebeten, da es in seiner Gemeinde seit Januar 2023 eine sprunghaften Anstieg an Beschwerden wegen des Fluglärms gegeben habe. Ende Januar hatte die Deutsche Flugsicherung neue Abflugrouten am Flughafen eingeführt. Damit sollten die beiden rund 2.200 Meter voneinander entfernten Start- und Landebahnen parallel betrieben werden können.

"Bei mir haben sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gemeldet, die bisher nicht in diesem Maße von Fluglärm betroffen waren", sagte Bürgermeister Kläring bei der Inbetriebnahme der Station. "Wir wollen nun feststellen, wie hoch die tatsächlichen Lärmemissionen sind."

"So können wir die betroffenen Kommunen handwerklich unterstützen und herausfinden, wie laut es wirklich ist", fügte Puchmüller hinzu. Mindestens einen Monat lang soll die Anlage stehen bleiben. Sie arbeitet mit Solarzellen und Brennstoffzelle energieautonom. Im Herbst soll sie dann im rund elf Kilometer entfernten Delitzsch die Lärmbelastungen messen.

Die künftige Auswahl erfolgt in der Regel über die Kommunen, aber auch Bürgerinitiativen können Standorte vorschlagen. Die Messkampagnen dauern zwischen einem und drei Monaten, bei speziellen Anlässen könnte die Station laut Puchmüller auch kurzfristig zum Einsatz kommen

Wenn Frachtflugzeuge, wie hier am Flughafen Leipzig/Halle, unaufhörlich in der Nacht fliegen, beeinträchtigt das die Anwohner. Viele wehren sich gegen den Fluglärm. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Vor allem Nachtflüge ärgern viele Bewohner

Seit Jahren verursachen hauptsächlich die Nachtflüge, die für Fracht erlaubt sind, Ärger im Großraum des Flughafens Leipzig/Halle. Mittlerweile gibt es rund 20 Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm. "Wir können die Flüge zwar nicht verhindern. Aber wir können mit verlässlichen Daten vielleicht erreichen, dass sie optimal über möglichst unbewohntes Gebiet fliegen", hofft Puchmüller. Die Flugrouten würden allerdings letztlich vom Bundesverkehrsministerium geregelt.

Beauftragter soll unabhängig agieren können

Puchmüller ist seit knapp zwei Jahren Fluglärmschutzbeauftragter in Sachsen. Er ist im Wirtschaftsministerium eingeordnet, soll aber "absolut weisungsunabhängig wirken", wie Staatssekretärin Ines Fröhlich betonte. Zunächst hatte er zahlreiche Gespräche mit Initiativen und Bürgern geführt und auch mit dem Flughafen, der Flugsicherung, den Fluggesellschaften und dem Logistik-Riesen DHL.

Im Oktober 2022 hatte er eine mobile Anlage angekündigt. "Mit den Messungen erhalten wir realistische Werte, die nach einer Analyse eine Optimierung der Situation bringen können", sagt Puchmüller, der zuvor Erfahrungen im Bahnsektor gesammelt hat.

Dialogforum zum Flughafen vor dem Aus

Der Flughafen Leipzig/Halle soll zudem umfangreich ausgebaut werden. Die Mitteldeutsche Flughafen AG will 500 Millionen Euro investieren. Unter anderem soll die Zahl der Stellplätze für Frachtflugzeuge in Leipzig/Halle deutlich steigen. Derzeit läuft noch das Planfeststellungsverfahren. Ausbau-Gegner kritisieren das Vorhaben angesichts der Klimakrise als völlig aus der Zeit gefallen. Das Dialogforum Flughafen Leipzig/Halle steht vor dem Aus, nachdem Vertreter von Bürgerinitiativen, Grünen und SPD im Mai 2023 frustriert ihre Mitarbeit aufkündigt hatten. Sie kritisierten: D Vertreter des Flughafens seien jahrelang nicht an einem wirklich Dialog interessiert gewesen.

Mehr zum Thema

dpa/MDR (cke)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 23. Juni 2023 | 08:30 Uhr