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Durch mangelnde Angebote in der Notversorgung können viele Haustiere in Sachsen nicht rechtzeitig behandelt werden. Bildrechte: dpa

PersonalmangelKleintierklinik in Leipzig schränkt Notdienst ein

von MDR SACHSEN

Stand: 24. Januar 2023, 21:09 Uhr

Die Kleintierklinik in Leipzig nimmt Notfälle ab Februar nur noch zwischen 7:30 Uhr und 15 Uhr an, statt wie bisher rund um die Uhr. Damit verschlechtert sich die ohnehin schon prekäre Lage der Notversorgung für Haustiere in Sachsen noch weiter. Im vergangenen Jahr hatten bereits drei weitere Tierkliniken ihren Klinikstatus abgegeben. Auch das spielt eine Rolle in der Entscheidung der Kleintierklinik in Leipzig.

Die Klinik für Kleintiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig ist überlastet. Der Universität zufolge gibt es schlicht zu wenig Personal, um die stark gestiegene Zahl tierischer Notfälle zu behandeln. Das liege auch daran, dass in der Region zahlreiche Tierkliniken, die sich bislang an der Notfallversorgung beteiligt haben, ihren Klinikstatus aufgegeben und sich aus der Notfallversorgung weitestgehend zurückgezogen hätten, erklärt die Rektorin der Universität Eva Inés Obergfell.

Tierkliniken in ganz Sachsen überlastet

Drei Tierkliniken in Sachsen hatten im Juli 2022 ihren Klinikstatus aufgegeben: Stolpen, Marienberg und auch die damals letzte Tierklinik im Großraum Dresden, das Überweisungszentrum Dresdner Heide. Grund war auch hier Überlastung: Es fehlte der Nachwuchs, junge Tierärzte wollten seltener Nachtdienste übernehmen, Patienten-Besitzer würden immer öfter handgreiflich und durch Corona habe die Zahl der Haustiere um rund ein Drittel zugenommen, erzählte Tierärztin Katja Pfeil von der Dresdner Klinik damals MDR SACHSEN.

Die Notfälle, die nun keinen anderen Anlaufpunkt mehr haben, strömen alle in die letzten drei Tierkliniken in Sachsen: nach Panitzsch, Crimmitschau und Leipzig. Das stark gestiegene Patientenaufkommen sei in der Kleintierklinik Leipzig mit dem vorhandenen Personal und den Regelungen zum Bereitschaftsdienst aber nicht zu bewältigen, teilte die Universität mit. Daher wird der Notdienst bis auf weiteres eingeschränkt. Haustierhalter mit lebensbedrohlich erkrankten Tieren können ab Februar nur noch Montag bis Freitag von 7:30 Uhr bis 15:00 Uhr in die Notaufnahme kommen.

Neben den Tierkliniken nehmen auch Tierarztpraxen an der Notfallversorgung teil. Nach Angaben der sächsischen Landestierärztekammer werden die diensthabenden Tierarzt-Praxen für gewöhnlich in den regionalen Tageszeitungen unter "Notdienste" bekannt gegeben.

Leipziger Tierklinik und Landesregierung arbeiten an Lösung

Der Universität Leipzig zufolge arbeiten Rektorat und Vertreter der Veterinärmedizinischen Fakultät mit der sächsischen Staatsregierung an einer Lösung. "Wir setzen alles daran, die so dringend benötigte Notfallversorgung in der Klinik für Kleintiere schnellstmöglich wieder in Gang zu bringen, denn wir wissen, wie wichtig dieses Angebot für Tierhalterinnen und Tierhalter in der Stadt Leipzig und weit darüber hinaus ist", sagte Rektorin Obergfell.

In der sächsischen Landestierärztekammer beschäftigt sich bereits seit Sommer 2022 eine Arbeitsgruppe mit der Überlastung des tierärztlichen Notdienstes. Im Frühjahr dieses Jahres will sie mögliche Lösungsansätze präsentieren.

MDR (win)

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 24. Januar 2023 | 19:00 Uhr