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28./29.05.2023Pfingsten 2023: "Feuer und Flamme sein"

25. Mai 2023, 05:00 Uhr

Was haben eine Taube oder die Redewendung "Feuer und Flamme sein" mit Pfingsten zu tun? Warum feiert die Kirche zu Pfingsten Geburtstag? Und was hat es mit dem Brauch des Pfingstritts oder dem Pfingstochsen auf sich? Antworten finden Sie hier.

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Das Wort Pfingsten entstand aus dem griechischem Wort "Pentecoste", was so viel heißt wie der fünfzigste Tag. Denn das erste Pfingstfest wurde, so die Apostelgeschichte, am "Fest der (Weizen-)Ernte" fünfzig Tage nach dem Pessachfest, fünfzig Tage nach Ostern gefeiert.

Großes Dankesfest der Juden

Ursprung des christlichen Pfingsten ist das alte jüdische Erntedankfest. Bildrechte: colourbox

Im Judentum ist Schawout das Erntedankfest zum Abschluss der Getreideernte, eines der drei großen Dankesfeste. Die Jünger Jesu versammelten sich zu diesem Feiertag - 50 Tage nach der Auferstehung Jesu. In der Apostelgeschichte heißt es: Die "Urgemeinde" von Jerusalem soll zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, die von Jesus Christus verheißene Herabkunft des Heiligen Geistes erfahren haben.

Welche Rolle spielt der Heilige Geist?

Den biblischen Berichten zufolge schenkt Gott seither seinen Geist nicht mehr einzelnen Auserwählten, sondern jedem Gläubigen. Pfingsten ist deshalb vor allem das Fest des Heiligen Geistes, also der schöpferischen Kraft Gottes. In Erinnerung an der in der Bibel geschilderten Ausgießung des Heiligen Geistes wird Pfingsten auch als der Geburtstag der Kirche verstanden.

Auf die Pfingsterzählung des Neuen Testaments geht wohl auch die Redewendung "Feuer und Flamme sein" zurück.  Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte heißt es: Bei dem Treffen der Jünger "sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder".

Als das Pfingsfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt. Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte und auf jedem ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.

Nach: Gute Nachricht Bibel, Stuttgart, Deutsche Bibelgesellschaft 1997

Tauben und Ochsen: Symbole und Rituale zu Pfingsten

Im Kirchenkalender endet mit Pfingsten die österliche Festzeit. Im Mittelalter inszenierte man in den Kirchen die Ausgießung des Heiligen Geistes ganz real. An Stricken wurde eine hölzerne Taube durch eine Luke, das "Heilig-Geist-Loch", vom Dachboden in das Kircheninnere heruntergelassen und schwebte über den Köpfen der Gottesdienstbesucher.

Die Taube ist wohl deshalb ein Hinweis auf den Heiligen Geist, weil sie immer wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück findet. Ähnlich führt der Geist den Menschen zu seinem Ursprung, zu seinem Schöpfer zurück. Als Jesus von Johannes getauft wird, kommt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herab (Matthäus 3,16).

Zu Pfingsten ist nach dem Bericht der Apostel keine Taube erschienen. Stattdessen berichten die Apostel von Feuerzungen. Sie befähigen die Jüngerinnen und Jünger Jesu zum Predigen in verschiedenen Sprachen, so dass Menschen unterschiedlicher Herkunft sie verstehen können – das sogenannte Pfingstwunder. Wenn in einigen Kirchen zu Pfingsten rote Blütenblätter auf die Gemeinde niederschweben, erinnert das an die Feuerzungen des ersten Pfingstfestes.

Pfingstritt: Segnung der Felder

Soll der Osterritt der Sorben die Botschaft der Auferstehung in die Dörfer tragen, so gilt der Flurumritt zu Pfingsten den Feldern. Ein Gebiet zu umreiten ist dabei eine Segenshandlung, die der Saat Nutzen bringen soll. Ursprünglich mit Pfingsten verbunden war auch der große Wettersegen – die Bitte für eine gute Ernte.

Ein einzigartiger Brauch lockt alljährlich viele Zuschauer nach Kötzing im Bayerischen Wald. Er geht auf ein Gelöbnis aus dem 15. Jahrhundert zurück: Pfingsten1412 konnte ein Priester von Kötzing, der zu einem Sterbenden geholt wurde, wegen nächtlicher Überfälle nur unter dem Schutz mehrerer beherzter Reiter im sechs Kilometer entfernten Dorf Steinbühl die Sterbesakramente spenden.

Viele tausend Menschen werden jährlich zum Kötzinger Pfingstritt erwartet. Sie bestaunen fast 900 Reiter in alten Trachten, die von Kreuz- und Laternenträgern sowie Fanfarenbläsern und bestaunen.

Kuhball und Pfingstochse

Der "Pfingstochse" wird meist auf ein geschmücktes Rind zurückgeführt, das zur Weide getrieben wurde - wie beim Harzer Kuhball in Tanne. Eher scheint der Begriff aber von dem Ochsen abgeleitet zu sein, der Pfingsten geschlachtet und zuvor geschmückt durch das Dorf geführt wurde. Vielleicht geht der Pfingstochse auch auf eine vorchristliche jahreszeitliche Opferhandlung zurück.

Kuhball in Tanne: Zu Pfingsten werden wie hier im Harz der Viehaustrieb auf die Weide gefeiert. Bildrechte: Carsten Reuß

Die – immer wieder negativ gebrauchte – Bezeichnung "Pfingstochse" bezieht sich auf einen, der zwar noch "schön" wirkt, aber nur, weil er noch nicht ahnt, dass er bereits verloren ist.

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