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Sängerin und Chorleiterin von "Sing and Sign": Susanne Haupt Bildrechte: MDR KULTUR.

PorträtSing and Sign: Ein Leipziger Chor, der Bach singt und gebärdet

05. Mai 2023, 10:18 Uhr

Die Leipziger Sopranistin Susanne Haupt hat einen Chor gegründet, der singt und gebärdet – mitten in der Pandemie. Durch die schwere Zeit hat der Kulturschaffenden ein christlicher Leitspruch geholfen – und Bach, überhaupt die Kirchenmusik. Ihr Herzensprojekt über die zwei Corona-Jahre zu bringen, war ein Kraftakt, der sich gelohnt hat!

Ein Chor, der die Musik von Johann Sebastian Bach nicht nur singt, sondern auch gebärdet: Für Susanne Haupt ist ein Traum wahr geworden. Sie hat den Sing & Sign- Chor auf den Weg gebracht – und genau das erreicht, was sie sich gewünscht hat: "In dem Moment, in dem das Publikum mit dem Chor interagiert und die Bewegungen mitmacht, verbinden sich Gehörlosen-Kultur und Musik bei den Menschen selbst."

Chor-Gründung mitten in der Pandemie

Den Chor hat sie mitten im Corona-Lockdown gegründet. Zwei Jahre lange wurden die Pläne für die ersten Auftritte immer wieder verschoben. Im Mai 2022 war es beim Deutschen Chorfest in Leipzig dann soweit. Bis dahin inbestierte sie viel Energie, damit der junge Chor zusammen bleibt: "Wo andere Ensembles schon eine Gemeinschaft sind, mussten wir erst eine bilden. Das ist über Zoom nicht so einfach. Wir haben dann versucht, im Garten zu proben, in Kirchen mit Hygienekonzepten, mit Abstand.

Wenn man was gelernt hat in dieser Krise, dann Flexibilität.

Susanne Haupt

Für die Sopranistin ist die Musik nicht nur schöne Kunst, sondern auch Lebensunterhalt. Die langen Kulturpausen in den Corona-Jahren haben Susanne Haupt viel abverlangt. Geholfen hat ihr ein christlicher Leitspruch aus der Seefahrt, den sie an einem Pfarrhaus auf Hiddensee fand: "'Gottes sind Wogen und Wind, Segel und Steuer sind euer, dass ihr den Hafen gewinnt', zitiert sie und meint, auch wenn es Situationen gegeben habe, wo sie nichts habe tun können: "Der Spruch hat mir innere Sicherheit gegeben, ich habe mich beschützt gefühlt."

Bei den Proben Bildrechte: mdr/Glaubwürdig

Liebe zu Bach, Verwurzelung im Glauben

Hilfe, schwere Zeiten im Leben zu bewältigen, findet Susanne Haupt auch in den Texten und Melodien von Bach. Seine Musik singt sie besonders gern: "Bach ist ein Phänomen. Ich erlebe immer wieder, dass Leute zu Tränen gerührt sind, die überhaupt nichts mit Religion zu tun haben. Er berührt etwas, was aus meiner Sicht aus dem Leid entstanden ist, das er selbst erlebt hat: Er hat zehn seiner Kinder und seine erste Frau verloren."

Ich versuche, das, was ich aus der Religion rausziehe, persönlich zu leben: weniger missionieren und predigen, stattdessen selber tun.

Susanne Haupt

Auch Bachs tiefe Verwurzelung im Glauben spiegelt sich für sie in seinen Kompositionen. Hier findet sich die Christin wieder: "Ich lebe meinen Glauben hauptsächlich in der Kirchenmusik aus. Ansonsten versuche ich das, was ich aus dieser Religion rausziehe, persönlich zu leben. Also weniger zu missionieren, zu predigen, stattdessen selber zu tun. Ich glaube, dass zum Beispiel die Essenz, ein so guter Mensch wie möglich zu sein und zu werden, vielen Religionen gemein ist."

"Sing & Sign"-Projekt inspiriert: Musik-Teilhabe für alle

Menschen Musik zu vermitteln ist ihr wichtigstes Anliegen. Bei verschiedenen Begegnungen hat sie erlebt, dass gehörlose Menschen kaum Zugang zu diesem Teil der Kultur haben. Das will sie mit dem "Sing & Sign"-Chor ändern. In ihm begegnen sich hörende und hörbeeinträchtigte Menschen. Sie möchte damit auch andere Musikschaffende inspirieren, Projekte zu öffnen für alle, die dran teilhaben wollen: "Also nicht so, dass ein Konzept wäre, in das alle passen müssen, sondern es wird danach entwickelt, wer da ist und dabei gehen dann auch alle mit."

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 20. Mai 2023 | 18:45 Uhr