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Das große Zittauer Fastentuch von 1472, zu sehen in der zum Museum umgebauten Kirche Zum Heiligen Kreuz in Zittau. Bildrechte: dpa

StichwortFastenzeit

Stand: 18. Januar 2023, 15:07 Uhr

In Zeiten gesteigerten Körperkults gilt Fasten für viele Menschen als schick. Der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Gewohnheiten geht auf christliche Traditionen zurück. Während für katholische Christen der Aschermittwoch ein verpflichtender Fastentag ist, begleitet die evangelische Kirche die Fastenzeit jedes Jahr mit einer Aktion unter einem bestimmten Motto.

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt Aschermittwoch und endet Ostern. Seit dem 5. Jahrhundert wird es in der Vorbereitung auf Ostern praktiziert. Da an Sonntagen nicht gefastet werden durfte und sie deshalb nicht als Fastentage zählen, wurde der Beginn der Fastenzeit vermutlich im 7. Jahrhundert vom 6. Sonntag vor Ostern auf den vorhergehenden Mittwoch, den Aschermittwoch, vorverlegt.

Warum 40 Tage?

Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastzeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm. Die vorösterliche Fastenzeit meint nicht nur den Verzicht auf Genussmittel, sondern auch eine Unterbrechung von Gewohnheiten.

"Heilsamer Verzicht und neue Sorge füreinander"

Verpflichtende Bußtage für Katholiken sind in der Regel alle Freitage sowie der Aschermittwoch. An den Bußtagen soll der Katholik wegen des Abstinenzgebots kein Fleisch essen, an Aschermittwoch und Karfreitag soll nur eine Hauptmahlzeit erfolgen. In Deutschland dürfen Katholiken das Abstinenzgebot außer an Aschermittwoch und Karfreitag in einen anderen Verzicht oder ein Werk der Nächstenliebe oder der Frömmigkeit umwandeln. Die deutschen Bischöfe sehen den Sinn der Fastenzeit darin, sich selbst und seinen Lebensstil "so zu ändern, dass durch Besinnung und Gebet, heilsamen Verzicht und neue Sorge füreinander Christus wieder mehr Raum" im Leben gewinnen kann.

Nicht nur die Katholiken fasten

Auch in der evangelischen Kirche gibt es zahlreiche Fastenaktionen. Die Angehörigen der Ostkirchen befolgen vier Fastenzeiten im Kirchenjahr, die viel strenger gelebt werden als die Fastenzeit vor Ostern in der katholischen Kirche. Der Islam kennt den Fastenmonat Ramadan, im neunten Monat des Mondjahres. Im Judentum ist das traditionelle Fasten an Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag im Herbst, bekannt. Es dauert vom Abend des Vortages bis zur nächsten Nacht. In dieser Zeit sind nicht nur das Essen und Trinken verboten, sondern auch das Arbeiten, Baden, das Tragen von Leder oder Sex.

Zittauer Fastentuch

Das Große Zittauer Fastentuch gehört mit 56 Quadratmetern zu den größten und ältesten Hungertüchern seiner Art und ist in Deutschland einzigartig. Etwa um das Jahr 1000 entstand die Tradition zur Fastenzeit, vor Ostern den Altar abzudecken. Die Gläubigen sollten nicht nur auf Fleisch, Alkohol und Sex verzichten, sondern auch auf den Anblick des Allerheiligsten. Zunächst wurden dafür schlichte, meist violette Tücher verwendet. Später wurden die Tücher aufwendig verziert, wie auch die "Zittauer Hungerlappen" beweisen. Das Große Fastentuch wurde im Jahr 1472 angefertigt. 200 Jahre lang war im Gebrauch der Kirche Sankt Johannis in Zittau.

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