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RatgeberWann brauchen Igel Hilfe?

06. November 2023, 14:54 Uhr

Herbstzeit ist Igelzeit! Was sollte ich tun, wenn ich einen Igel finde? Was sollte ich nicht tun? Wann sollte ich ihm helfen? Soll man Igel füttern oder nicht? MDR SACHSEN hat mit Tieräztin Xandra Brauer gesprochen.

Der Igel ist ein Wildtier und gehört zu einer besonders geschützten Art. Und die darf man nicht so einfach aus der Natur nehmen, gibt Tierärztin Xandra Brauer zu bedenken. Das sei sogar verboten. Ausnahmen gebe es natürlich immer. In der Not darf man ihnen helfen, wenn

  1. sie verletzt sind,
  2. krank sind,
  3. hilfsbedürftig sind.

Das heißt, wir müssen uns nicht um jedes Tier kümmern, das sich in unserem Garten tummelt. Man sollte genau hinschauen, sagt Tierärztin Xandra Brauer, und schauen, ob das Tier gesund ist und sich selber helfen kann oder ob das Tier krank ist.

Grundloses Füttern kann natürlichen Ablauf stören

Wildtiere versorgen sich grundsätzlich selbst. Grundloses Füttern kann dafür sorgen, dass Igel zu dick werden oder durcheinander geraten. Xandra Brauer erklärt das so: Igel benötigen einen gewissen Nahrungsmangel, um in den Winterschlaf zu kommen. Wenn man sie immer wieder grundlos füttern würde, würden die Tiere nicht in den nötigen Winterschlafmodus kommen.

Tipps der Tierärztin:

  • Man kann das Füttern auf die Frühjahrszeit reduzieren, wenn die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen;
  • oder zum Ende des Herbstes - bis zum Wintereinbruch - füttern.

Wann ein Igel Hilfe benötigt

Kranke Igel erkennt man daran,

  • dass sie tagsüber aktiv sind, denn eigentlich sind sie nachtaktiv,
  • dass sie sich kaum zusammenrollen,
  • dass sie apathisch sind,
  • dass sie ausgekühlt sind (merkt man daran, wenn sich ihr Bauch kälter als die eigene Hand anfühlt),
  • dass sie mager sind (wenn sie eine Einbuchtung hinter dem Kopf haben),
  • dass sie röcheln oder husten,
  • dass sie stark mit Ektoparasiten, das heißt von Zecken, befallen sind.

Und dann?

Erstmal ist es ratsam, so Xandra Brauer, das Tier in einer Box zu sichern. Parasiten, wie Fliegenmaden oder Fliegeneier sollte man so schnell wie möglich absammeln - mit Handschuhen. Dann sollte man eine Igelstation oder einen igelkundigen Tierarzt kontaktieren, um Rücksprache zu halten, was nun zu tun sei.

Ansonsten könne man das Tier auch gerne wärmen, da es meistens ausgekühlt ist, wenn es krank ist. Dazu kann man eine handwarme Wärmflasche zum Tier und ein Handtuch in die Box legen, so dass es eine Art Handtuch-Nest hat. Damit fühlt sich das Tier gleich viel wohler.

  • Nicht verwenden sollte man Rotlicht oder elektrische Heizkissen. Das könnte zu viel des Guten sein, weiß die Tierärztin.
  • Auch sollte man das Tier nicht zu sehr einengen. Igel sollten sich auch wieder befreien können.
  • Bitte auch nicht gleich Futter oder Wasser anbieten, rät Xandra Brauer. Das Tier sollte sich erst aufwärmen und erst dann ein bisschen Futter angeboten bekommen.

Igel, Rehkitz und Co. Wildtier gefunden – was tun?

Rehkitze liegen oft an einer geschützten Stelle getrennt von Ihrer Mutter, werden aber mehrmals täglich besorgt. Rehkitze sind sogenannte Ablieger, die bei Gefahr nicht weglaufen, sondern sich ducken und bewegungslos verharren, bis die Gefahr vorüber ist. Fieptöne sind kein Anzeichen für eine aktuelle Qual des Tieres, sondern der Hilferuf an das Muttertier. 100.000 Rehkitze kommen jährlich in Deutschland durch Erntemaschinen ums Leben. In Sachsen-Anhalt gibt es deswegen zehn Vereine, die sich darum kümmern, junge Rehe von den Feldern aufzuspüren, bevor die Erntemaschinen losfahren. (Symbolbild) Bildrechte: Rehkitzrettung Am Großen Stein e.V.
Wer einen Igel findet, dem es nicht gut geht, solle Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und die Fundstelle notieren, rät ein Merkblatt des Vereins "Pro Igel". Als Futter empfiehlt er Katzen-Dosenfutter, Rührei ohne Gewürze und Wasser. Tabu seien hingegen Milchprodukte, Obst und Gemüse, da die Insektenfresser diese nicht verdauen können. Am besten aufgehoben ist ein Igel allerdings in einer Wildtierauffangstation. Ist ein Igel wieder fit, sollte er möglichst am Fundort freigelassen werden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa
Im Wald, in Parks oder im Garten sitzen sie und fliegen nicht weg: junge Vögel, die schon ihr Nest verlassen, bevor sie richtig fliegen können. Das ist normal! Die Elternvögel füttern die auf dem Boden herumhüpfenden und bettelnden Jungen weiter. Gerade die wie Wollknäule anmutenden Eulenjungen, die sogenannten Ästlinge, werden häufig fälschlicherweise als "aus dem Nest gefallen" beurteilt und mitgenommen. Auch hier gilt: unbedingt am Fundort belassen. Wer hier helfen möchte, sollte Hunde und vor allem Katzen von den Jungvögeln fernhalten. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / blickwinkel
Auch der Fuchs lässt seine Jungen während der Futtersuche häufig allein. Außerdem unternehmen Fuchsjungtiere recht früh schon eigene Ausflüge. Bleiben Sie also erst einmal ruhig, wenn Sie einen jungen Fuchs sehen, und beobachten Sie. Falls Sie unsicher sind, was zu tun ist, kontaktieren Sie die Profis.(Symbolbild) Bildrechte: rbb/NDR/Doclights GmbH/coraxfilm
Waschbärwelpen unternehmen schon recht früh eigene Ausflüge, bei denen sie unbeholfen wirken, aber nicht verlassen sind.
Bitte füttern Sie Waschbären nicht und nehmen Sie Findelkinder nicht im Haus auf, um sie aufzupäppeln und später auszusetzen oder gar als Haustiere zu halten. Waschbären sind Wildtiere, die beißen und kratzen! (Symbolbild)
Bildrechte: imago images / Eibner
In Halle wurde im Juni 2023 zum ersten Mal eine Europäische Wildkatze gesichtet. Zuvor waren die Tiere nur im Harz, an der Mittelelbe und im Vorfläming gesichtet worden. Die Jungtiere sehen ähnlich aus wie die Jungtiere von Hauskatzen. Die Wildkatzen sind sehr scheu und meiden die Nähe zum Menschen. Es ist deswegen sehr unwahrscheinlich, eine Wildkatze zu treffen. Wenn das passieren sollte, gilt auch hier: In Ruhe lassen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa
Junge Hasen werden nicht in einer Höhle geboren. Sie liegen versteckt in Feldfurchen oder unter niedriger Vegetation. Die Mutter kommt die Jungen nur zwei- bis dreimal täglich säugen. Anders als die Mutter haben die Jungtiere noch keinen starken Eigengeruch, deswegen ist es sicher für sie sicher, ohne Mutter zusammengekuschelt auf dem Feld zu liegen. Sie bleiben unentdeckt vom Fuchs. Werden die Hasen mitgenommen, um zu Hause aufgepäppelt zu werden, bedeutet das für sie oft das Ende. Etwa 90 Prozent der Feldhasen, die von Menschenhand aufgepäppelt werden, sterben an Stress. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / blickwinkel
Wenn ganz junge Eichhörnchen aus ihrem Kobel fallen, schaffen die Eltern es oft, sie wieder nach oben zu tragen. Auch hier ist es besser, erstmal abzuwarten und die Situation zu beobachten. Anders als bei Feldhasen ist die Überlebensquote von Eichhörnchen jedoch deutlich größer, wenn sie von Menschen versorgt werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago/blickwinkel

Überwintern in menschlicher Obhut möglich

Damit ein Igel bei mir zu Hause überwintern kann, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Er sollte nicht in der Stube neben dem Sofa ruhen. Es sollte ein kühler Ort sein.

Helfen mit igelfreundlichem Garten

Damit sich ein gesunder Igel im Garten wohlfühlt, kann man sogenannte Igelhäuschen als Winterquartier anbieten. Laub und Reisighaufen sollte man liegen lassen, rät die Tierärztin. Gartenzäune kann man ein bisschen durchlässig machen, das heißt, für ein ungefähr zehn Zentimeter großes Schlupfloch sorgen - so, dass der Zaun nicht bis zum Boden langt. So können Igel einfach durch den Garten streifen.

  • Vermeiden sollten Sie Laubsauger, denn die entfernen Kleinlebewesen - die Nahrung für Igel.
  • Nicht gut sind außerdem Mähroboter. Die sollten Sie nur tagsüber oder am besten gar nicht anwenden. Denn sie sorgen für schlimme Verletzungen bei Igeln.

Lebensraum für Tiere So helfen Sie Igel, Käfer und Co. durch den Winter

Igel, Maus, Käfer und Co. lieben "unordentliche" Gärten. Schon mit kleinen Hilfen können Sie den Gartenbesuchern Gutes tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Es muss ja nicht alles sein. Aber lassen Sie Laub für die Tiere liegen. Bildrechte: Daniela Dufft
Staudenstängel, Verblühtes und Gräser schmücken den Garten im Herbst und Winter. Und sie werden gerne von Tieren als Verstecke genutzt. Bildrechte: Daniela Dufft
Samen schmecken den kleinen Tieren. Bildrechte: Daniela Dufft
Und Käfer freuen sich über hohle Stängel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Überall gibt es Lücken, in denen sich Insekten verkriechen können. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Hängen Sie Nistkästen auf: Im Winter ziehen Insekten, Mäuse und Co. ein und sind so vor Kälte und Feinden geschützt. Bildrechte: Daniela Dufft
Legen Sie einen Steinhaufen an: Eidechsen, Spinnen, Molche, Mäuse und Insekten werden sich freuen. Bildrechte: Daniela Dufft
Einen alten Baum einfach mal liegen lassen, ist auch eine Möglichkeit, der Tierwelt zu helfen. Bildrechte: Daniela Dufft
Totholz ist wertvoller Lebensraum. In Hohlräumen und Ritzen überwintern Schmetterlinge, Käfer und Bienen. Bildrechte: Daniela Dufft
Und: Verzichten Sie lieber auf Laubbläser. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sie machen nicht nur Krach und stinken, sondern zerstören Lebensräume und können Tiere töten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR (Xandra Brauer/clw)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Tierarztsprechstunde | 11. Oktober 2023 | 11:15 Uhr