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Der Sternhaufen Seelennebel im Sternenbild Kassiopeia. Solche Gebilde bewegen sich als Welle, wie Astronomen herausgefunden haben. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Wissen-NewsBenachbarte Sternhaufen bewegen sich als Welle

21. Februar 2024, 16:13 Uhr

Vor einigen Jahren entdeckten Astronomen in der Nachbarschaft unserer Sonne eine riesige Kette an Gaswolken: die Radcliffe-Welle. Nun zeigt sich, dass diese nicht nur wie eine Welle aussieht, sondern sich auch so bewegt.

Vor einigen Jahren enthüllten Astronomen aus Wien und Harvard eines der größten Geheimnisse der Milchstraße, als sie die Radcliffe-Welle entdeckten. Diese ist eine 9.000 Lichtjahre lange, wellenförmige, zusammenhängende Kette an Gaswolken, die entlang des Spiralarms unserer Galaxie existiert und nur 500 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt ist. Eine damals erstellte 3D-Staubkarte belegte zwar deutlich die Existenz der Radcliffe-Welle, darüber hinaus konnte aus den Daten jedoch nichts erhoben werden. Nun nutzte das internationale Team neue Daten der Gaia-Mission, um dem jungen Sternhaufen der Radcliffe-Welle 3D-Bewegungen zuzuordnen.

"So konnten wir schließlich zeigen, dass die gesamte Radcliffe-Welle tatsächlich wellenförmig ist und sich auch als Wanderwelle bewegt", erklärt der Astrophysiker João Alves von der Uni Wien. Eine Wanderwelle ist dasselbe Phänomen, das wir in einem Sportstadion sehen, wenn Menschen nacheinander aufstehen und sich hinsetzen, um eine Welle auszulösen. Ebenso bewegen sich die Sternhaufen entlang der Radcliffe-Welle auf und ab und erzeugen dabei ein Muster, welches durch unseren galaktischen Garten wandert – sie oszillieren.

"Indem wir die Bewegung der jungen Sterne, die erst vor kurzem aus Gaswolken entlang der Radcliffe-Welle geboren wurden, untersucht haben, konnten wir die Bewegung des Gases, aus denen sie geboren wurden, verfolgen und zeigen, dass sich die Radcliffe-Welle tatsächlich wellt", erläutert der Studienautor Ralf Konietzka, "Das war die letzte offene Frage bezüglich des physikalischen Status der Radcliffe-Welle", so Alves. "Es ist in der Tat eine physikalisch oszillierende titanische Gaswelle in der Nähe unserer Sonne. Die Radcliffe-Welle kann nun, da wir verstehen, wie sie physikalisch funktioniert, unser Labor im Weltall sein und uns so zu weiteren Erkenntnissen verhelfen." So bereits eine erste spannende Ableitung daraus: "Die Art der Oszillation der Welle deutet darauf hin, dass es keine signifikante Menge an dunkler Materie in unserer galaktischen Nachbarschaft gibt", resümiert Alves.

cdi/pm

Links/Studien

Die Studie "The Radcliffe Wave is Oscillating" ist im Fachjournal "Nature" erschienen.

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