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Covid-19 PandemieCorona Schnelltests: Welche Modelle sind zuverlässig?

Stand: 01. April 2022, 10:54 Uhr

Das Paul-Ehrlich-Institut hat 246 in Deutschland verfügbare Antigenschnelltests verglichen. 47 Tests sind völlig untauglich. Aber welche Corona Tests sind zuverlässig? Die Übersicht über den Stand vom 24. März 2022.

Update 28. März: Das PEI hat mit einer Stichprobe Schnelltests darauf überprüft, ob sie auch Omikron erkennen können. Ergebnis: Die Test erkennen Omikron in etwa genauso gut wie Delta.

Update 1. April: DAS PEI hat weitere Tests evaluiert. Die Liste wurde entsprechend aktualisiert.

Die PCR-Testkapazitäten sind knapp, angesichts der zahlreichen Infektionen durch die Omikron Variante. Deshalb sollen Menschen, die eine rote Warnmeldung ihrer Corona-Warnapp erhalten, nicht mehr automatisch eine kostenlose PCR-Testung erhalten. Corona-Schnelltests für zuhause werden also noch wichtiger, vor allem solche, die zuverlässig Infektionen erkennen.

Seit Herbst vergleicht ein Forscherteam unter der Leitung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), wie gut die in Deutschland erhältlichen Schnelltests das Virus erkennen, selbst wenn in einer Probe nur geringe Mengen Corona enthalten sind. Das PEI ist als obere Bundesbehörde für die Prüfung der Sicherheit von Impfstoffen und Medikamenten zuständig, und arbeitet für die Evaluation mit dem Robert Koch-Institut, der Charité, der Bundeswehr und dem Bernhard-Nocht-Institut zusammen. Bis zum 24. März haben die Forschenden insgesamt 246 Tests geprüft, die in Deutschland verkauft werden. Im Ergebnis zeigt sich eine erstaunliche Spannweite, von sehr zuverlässig bis praktisch nutzlos.

Wie das Forscherteam getestet hat

Das Team um die beiden Wissenschaftler Heinrich Schublauer und Micha Nübling vermengte zunächst Nasenabstrichproben von Infizierten miteinander und stellte dann für die Tests verschiedene Verdünnungsstufen her. Mit einem PCR-Test bestimmten die Forschenden die nun in den Proben auffindbare Virenmenge genau, bevor sie damit die Antigen-Schnelltests prüften.

So konnten die Forscherinnen und Forscher die Tests in drei Sensitivitätsklassen aufteilen. Bei einem Zykluswert von weniger oder gleich 25 Zyklen konnten die Tests Proben mit hoher Viruskonzentration erkennen. In der Klasse von 25 bis 30 Zyklen erkannten sie Proben mit mittlerer Viruslast und bei über 30 Zyklen erkannten sie auch Proben mit sehr wenigen Viren.

46 Tests übersehen zu viele Infektionen

Zwar gilt eine Infektion als sehr mild, wenn in einer PCR mehr als 30 Zyklen notwendig sind, um Viruserbgut aufzuspüren. Auch ist unklar, ob Infizierte dann ansteckend für andere sind. Können Tests solch niedrige Konzentrationen aber erkennen, dann können sie Infizierte sehr früh warnen bei einer beginnenden Infektion. Die allermeisten gängigen Schnelltests können solch niedrige Konzentrationen aber nicht erkennen. Nur wenige Tests zeigen hier zuverlässig ein positives Ergebnis und nur etwa 30 Modelle sind überhaupt in der Lage, niedrige Virenlasten zu erkennen.

Fataler ist das Ergebnis für 46 Tests, deren Sensitivität unter 75 Prozent lag. Das bedeutet, dass sie mindestens jede vierte Probe mit einer sehr hohen Viruslast fälschlich als negativ einstuften. Einige Tests versagten bei der Evaluierung komplett und erkannten gar keine Infektion. Die Kosten für solche Tests sollen künftig nicht mehr vom Gesundheitssystem übernommen werden, womit sie nicht mehr für die kostenlosen Bürgertests eingesetzt werden können.

Die in vielen Läden verkauften Schnelltests von Hotgen zeigen im Vergleich zu anderen Tests befriedigende Ergebnisse. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Die gute Nachricht für viele Verbraucher lautet allerdings: Die meisten in Supermärkten und Drogeriemärkten angebotenen Tests zeigten bei der Untersuchung aber befriedigende Ergebnisse. So konnte etwa der Novel Coronavirus 2019-nCoV Antigen Test (Colloidal gold) von Hotgen 100 Prozent aller Proben mit hoher Viruslast erkennen. Bei den mittleren Virusmengen betrug die Zuverlässigkeit immerhin noch 47,8 Prozent, sehr niedrige Virusmengen erfasster er hingegen gar nicht mehr. Die Tests von Hotgen werden in den Märkten in Mitteldeutschland häufig verkauft.

Testsieger erkennen Infektionen sehr früh - Schlechteste dagegen oft gar nicht

Wirklich gut dagegen schneidet beispielsweise der "Longsee 2019-nCoV Ag Rapid Detection Kit Schnelltest" ab. Er erkannte auch niedrige Viruslasten in jeder Probe und ist mit einer Gesamt-Sensitivität von 100 Prozent klarer Testsieger.

Wer jetzt die zuhause im Regal stehenden Tests in der Liste nachschauen will, wird mitunter nicht fündig, da einige Produkte von verschiedenen Firmen produziert und vertrieben werden. So taucht beispielsweise der Spucktest von MR Sanicom (COVID-19 Antigen-Schnelltest) in der Liste unter "Jointstar Biomedical" auf.

Wie gut die Tests Omikron erkennen können

Weil es immer wieder Berichte darüber gibt, dass viele Schnelltests eine Infektion mit der Omikron Variante von Sars-CoV-2 nicht gut erkennen, prüfte das PEI in einer Stichprobe von 20 in Deutschland erhältlichen Schnelltests noch einmal nach, ob es Unterschiede zwischen Delta und Omikron gab. Ergebnis: Die Tests konnten beide Varianten in etwa gleich gut erkennen. Die Forschenden überraschte das nicht, da viele Schnelltests auf das N-Protein des Virus ausgerichtet sind und es dort zwischen Omikron und vorherigen Varianten kaum Unterschiede gibt. Die Angaben, welches Antigen der Test erkennt, ob Spike- (S) oder Nukleocapsid (N) oder beide, sind nun ebenfalls ergänzt worden.

Allerdings könnte die Art der Probenentnahme bei Omikron eine noch größere Rolle spielen als früher. Denn es gibt deutliche Hinweise, dass die aktuelle Virusvariante zunächst vor allem im Rachen und im Hals repliziert und erst einige Tage später in der Nase nachweisbar ist. Daher könnten Tests trotz einer Infektion ein negatives Ergebnis zeigen, wenn der Abstrich zu Beginn in der Nase gemacht wurde. In einer Studie aus den USA stellten Forscher wohl auch deshalb fest, dass Speicheltests vor allem zu Beginn der Infektion zuverlässiger sind.

Ab Frühjahr 2022 allgemeine unabhängige Prüfung von Tests Pflicht

Dass einige Tests trotz schlechter Ergebnisse vertrieben werden dürfen, liegt an den bisher sehr niedrigen Zulassungskriterien. So dürfen Hersteller die Prüfung und Zertifizierung mit dem CE-Kennzeichen bisher selbst vornehmen. Erst ab kommendem Frühjahr müssen alle Hersteller ihre Tests von unabhängigen Referenzlaboren überprüfen lassen.

(ens)

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