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Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Sars-Coronavirus-2, die künstlich eingefärbt wurde. Die Spikeproteine, mit denen das Virus in menschliche Zellen eindringt hier in rot. Bildrechte: IMAGO / Everett Collection

Covid-19Absichtlich mit Corona infiziert: Studienergebnisse zeigen schnelle Infektion

Stand: 04. Februar 2022, 16:35 Uhr

Beim umstrittenen Human-Challenge-Programm wurden Menschen absichtlich mit Corona infiziert. Nun veröffentlichen Forscher erste Ergebnisse. Überraschend: Die Inkubationszeit beträgt nur zwei bis drei Tage.

Es ist wahrscheinlich die einzige Studie ihrer Art: Am Imperial College in London wurden im Sommer 2020 gesunde und junge Freiwillige im Alter von 18 bis 30 Jahren absichtlich mit dem Sars-Coronavirus-2 infiziert und zwar ohne vorher geimpft zu sein. Jetzt haben die Forschenden erste Ergebnisse in einem Preprint veröffentlicht. Und die enthalten tatsächlich ein paar Überraschungen.

Inkubationszeit bei Corona: Symptome schon nach zwei Tagen

Die Forscher gaben den 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie Nasentropfen mit den Viren. Laut den Wissenschaftlern sei die geringstmögliche Menge gewählt worden, von der bekannt gewesen sei, dass sie Infektionen auslösen könne. Die Dosis habe etwa der Menge Virus entsprochen, die sich in einem Tropfen Nasenflüssigkeit befinde, wenn Menschen am Höhepunkt der Virenlast angelangt sind. Bei der Virusvariante handelte es sich um eine frühe Mutante, einem Vorgänger von Alpha. Zwei Versuchsteilnehmer wurden aus der Studie wieder ausgeschlossen, da Tests zeigten, dass sie sich wohl schon kurz vor Beginn der Studie infiziert hatten.

16 Versuchspersonen infizierten sich mit dem Virus, zeigten dann im Durchschnitt aber bereits nach etwa 42 Stunden Symptome. Damit wäre die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und Symptombeginn, bedeutend kürzer, als die bisher angenommenen fünf bis sechs Tage. Allerdings ist es auch möglich, dass die Infektion durch die Versuchssituation und die damit verbundene Aufmerksamkeit einfach früher bemerkt wurde als sonst üblich. Der Beginn der Symptome nach zwei Tagen korrelierte mit einem starken Anstieg der in den Abstrichproben festgestellten Virusmengen. Diese erreichten am fünften Tag ihren Höhepunkt, blieben danach aber hoch und waren auch noch neun bis zwölf Tage nach der Infektion erhöht.

Oft milde Erkältungssymptome aber teilweise langanhaltender Geruchsverlust

Die Symptome bei den Versuchspersonen waren mild bis moderat und entsprachen einem Schnupfen mit laufender Nase, Halsschmerzen und Niesen. Einige Teilnehmer bekamen auch Kopf und Gliederschmerzen, waren müde oder hatten Fieber. Gefährliche Symptome habe aber kein Teilnehmer entwickelt, so die Forscher. 13 Versuchspersonen verloren allerdings ihren Geruchssinn. Bei zehn Teilnehmern war er innerhalb von drei Monaten zurückgekehrt, bei den übrigen drei kehrte er danach langsam zurück.

Dazu passend stellten die Forscher fest, dass sich das Virus zwar zuerst im Hals vermehrte und dort bereits nach 40 Stunden feststellbar war. In der Nase, wo das Virus im Schnitt erst nach 58 Stunden detektiert wurde, traten dann im Verlauf der Infektion aber wesentlich höhere Viruslasten auf. Das deutet laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass durch die Nase deutlich mehr Viren abgegeben werden, als durch den Mund. Das sei ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig das korrekte Tragen von Masken über Mund und Nase sei.

Menschenversuche mit Deltavariante geplant

Bei allen Teilnehmenden wurden zudem täglich Corona-Schnelltests durchgeführt. Dabei zeigte sich laut den Wissenschaftlern, dass die Tests zuverlässig Infektionen feststellten in dem Zeitraum, in dem die Viruslast bei den Versuchspersonen erhöht war. Demnach konnten die Tests recht zuverlässig erkennen, ob jemand ansteckend war.

Die Versuchsteilnehmer werden nun weiterhin beobachtet, um Langzeiteffekte der Infektion feststellen zu können. Außerdem soll eine zweite Versuchsrunde durchgeführt werden, bei der Testpersonen mit der Deltavariante des Virus konfrontiert werden sollen, um Unterschiede festzustellen. Zudem wollen die Forscher herausfinden, warum sich nicht alle Teilnehmer mit dem Virus infiziert haben.

(ens)

Zum Preprint der Studie

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