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Mediziner sind beunruhigt, weil seit Dezember mehr Kinder nach einer Corona Erkrankung mit PIMS auf den Intensivstationen landen (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO / SNA

Post CovidLebensgefährliche PIMS-Erkrankung bei Kindern – 1.000 Fälle in Deutschland

Stand: 11. Februar 2022, 10:05 Uhr

Vier bis sechs Wochen nach einer Corona-Infektion kann bei Kindern das lebensgefährliche Entzündungssyndrom PIMS auftreten. In Jenas Uniklinik sind seit Dezember bereits zwölf Kinder damit behandelt worden, viele davon auf der Intensivstation. Die Zahl der Fälle hat zugenommen, auch in anderen Kliniken. Wie schlimm ist PIMS?

In Folge einer Corona-Infektion könnten in Deutschland seit Beginn der Pandemie etwa 1.000 Kinder an der seltenen Krankheit PIMS erkrankt sein, schätzen Experten. Gemeldet wurden seit Mai 2020 rund 660 Fälle (Stand 6. Februar), zeigt das Register der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Kinder- und Jugendmediziner Jakob Armann vom Universitätsklinikum Dresden verwaltet die Meldungen an das Register. Die aktuellen Zahlen finden Sie hier.

Was ist PIMS?

PIMS ist die Abkürzung für Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome. Die Erkrankung zeigt sich bei Kindern vier bis acht Wochen nach einer Sars-Cov2-Infektion durch tagelang anhaltendes Fieber, Durchfälle und/oder Hautausschläge. Das Syndrom ähnelt dem sogenannten Kawasaki-Syndrom, das bereits vor Corona bekannt war. Auch Kinder ohne Vorerkrankung können an PIMS erkranken. Die Krankheit selbst ist Jugendmediziner Armann zufolge gut behandelbar, nach drei bis fünf Tagen würden die erkrankten Kinder die Intensivstation wieder verlassen.

Unikliniken Jena und Dresden: Seit Dezember mehr Kinder mit PIMS auf Intensivstation

Sowohl im Register als auch in der Dresdner Klinik sei ab etwa Mitte Dezember ein Anstieg der Fälle beobachtet worden, erklärte Armann. Dies sei sicherlich mit den generell hohen Fallzahlen zu erklären, da PIMS mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nach einer Sars-CoV-2-Infektion auftrete – unabhängig von deren Schwere. 

An der Uniklinik Jena wurden seit Beginn der Pandemie bis Dezember 2021 zehn solcher Fälle betreut, erzählt Kinderkardiologe Daniel Vilsen im Gespräch mit dem MDR THÜRINGEN JOURNAL. Allerdings seien die Zahlen massiv nach oben gegangen, allein in den letzten zwei Monaten habe man 12 Kinder mit PIMS behandelt. "Mehr als die Hälfte der Kinder wurden auf der Intensivstation behandelt, brauchten Herzunterstützung, und Medikamente, die Herz und Kreislauf unterstützen," schildert der Spezialist die Erfahrungen aus Jena. Todesfälle durch PIMS sind ihm zufolge nicht bekannt. In den USA werde dagegen von einer Mortaliät von ein bis zwei Prozent gesprochen, das heißt, dass dort ein relevanter Anteil an PIMS sterbe, berichtet der Kinderkardiologe in Jena.

PIMS nach Corona bleibt seltene Krankheit

Angesichts der hohen Infektionszahlen bleibe PIMS eine seltene Krankheit, sagt wiederum der Dresdner Mediziner Armann. Auch sei das Niveau in diesem Winter insgesamt eher etwas geringer als vor einem Jahr. Er führt das auf die Delta-Variante des Coronavirus zurück, die im Herbst und Winter 2021 vorherrschende Variante scheine etwas seltener PIMS auszulösen als ihre Vorgänger. Dies legten Daten aus verschiedenen Ländern nahe. Nicht zwangsläufig verschlimmere sich die Krankheit mit jeder weiteren Virus-Mutation.

In Deutschland werde ein PIMS-Fall auf 4.000 Infektionen angenommen, sagt der Dresdner Jugendmediziner Armann. Die Erkrankungen verteilen sich demnach in allen Altersgruppen. Auffällig: Die Fälle, die im Register erfasst wurden, waren rund zwei Drittel Jungen. Das Klinikum in Jena verweist auf die Wichtigkeit einer Impfung. Es sei erwiesen, dass eine Impfung mit dem zugelassenen Impfstoff diese schwere Erkrankung bei Kindern verhindern könne, hieß es.

(dpa/MDR THÜRINGEN JOURNAL/lfw)

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