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Die mRNA-Impfung von Biontech bietet laut ersten Studien etwa zwei bis neun Wochen nach der Zweitdosis und zwei bis sechs Wochen nach der Booster-Impfung etwa 70 Prozent Schutz vor einer symptomatischen Ansteckung mit Covid-19. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/NurPhoto

Covid-19Omikron: Drei mal schneller als Delta - Biontech-Impfung schützt vor schweren Verläufen

von Clemens Haug

Stand: 16. Dezember 2021, 11:14 Uhr

In Großbritannien breitet sich Omikron drei Mal schneller aus als Delta vor wenigen Wochen in Deutschland. Die mRNA-Impfung von Biontech schützt aber noch vor schweren Verläufen, ein Booster mitunter sogar vor Symptomen.

Die schlechten Nachrichten zuerst: Die neue Omikron-Variante von SARS-CoV-2 vereint offenbar zwei sehr gefährliche Eigenschaften. Sie ist ansteckender als alle Varianten zuvor und sie kann den Schutz durch eine bereits aufgebaute Immunität nach einer Infektion oder einer Impfung mindestens teilweise umgehen – auch das besser als alle Virusmutationen zuvor. Dadurch breitet sie sich in Großbritannien schneller aus als alle Varianten vor ihr. Das zeigen die aktuellen Daten aus dem Land.

Omikron: R-Wert schätzungsweise drei Mal höher als bei Delta-Variante

Rund zweieinhalb Wochen, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO Omikron zur besorgniserregenden Variante erklärt hat, gibt es bereits 4700 bestätigte Infektionen mit der Mutation im Vereinigten Königreich (UK). Laut dem britischen Gesundheitsminister Sajid Javid sei Omikron bereits für 40 Prozent aller Neuinfektionen in London verantwortlich. Er hält es für möglich, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf bis zu 200.000 Fälle pro Tag ansteigt. Das wäre eine Vervierfachung gegenüber den aktuell 54.000 bestätigten Neuinfektionen in UK. Inzwischen gibt es im Zusammenhang mit der Variante auch den ersten bestätigten Todesfall in dem Land.

Laut Hochrechnungen der britischen Gesundheitsagentur UK Health könnte Omikron bis zum Ende der Woche für die Hälfte aller Covid-19-Fälle im Land sorgen. Medizinprofessor Paul Hunter von der Universität von East Anglia schätzt, dass sich das Virus in Großbritannien noch schneller verbreitet als in Südafrika. "In Südafrika lautet die aktuellste Schätzung des R-Werts 2,2. Für Großbritannien liegt R aber bei 3,7. Das bedeutet eine Verdopplung der Fälle alle zwei bis drei Tage", sagt er in einem Statement für das Science Media Center. Zum Vergleich: In Deutschland lag der R-Wert für die Delta-Variante während des steilen Anstiegs der vierten Welle im Herbst bei maximal 1,3.

Dirk Brockmann, der mit seiner Arbeitsgruppe für das deutsche Robert Koch-Institut berechnet, wie sich das Virus wahrscheinlich ausbreitet, ist pessimistisch. Bis Ende April könnte sich in Großbritannien rund die Hälfte der Bevölkerung, etwa 40 Millionen Menschen, mit Omikron infiziert haben. Auch wenn die Maßnahmen wie Hygieneregeln, Schließung von Einrichtungen, Home Office und ähnliches in den aktuellen Ausbruchsländern Dänemark und UK noch lockerer waren als in Deutschland, sei für die beobachtete Dynamik die Fähigkeit der Variante zur Immunflucht und ihre enorme Infektiosität wohl doch entscheidender. Er und andere deutsche Experten wie die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek erwarten daher, dass die Ausbruchsgeschwindigkeit in der Bundesrepublik ähnlich stark ansteigen wird, wenn sich Omikron erst einmal durchsetzt.

Booster-Impfung: 70 Prozent Schutz vor symptomatischer Infektion in UK

Nun die guten Nachrichten: Eine doppelte Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer schützt offenbar weiterhin relativ gut vor schweren Verläufen. Einer Auswertung der südafrikanischen privaten Krankenversicherungsagentur "Discovery" zufolge besteht nach der vollständigen Impfung ein etwa 70-prozentiger Schutz gegen schwere Erkrankung. Die Aussage basiert auf rund 211.000 positiven Covid-19-Tests, die zwischen dem 15. November und dem 7. Dezember durchgeführt wurden. Omikron sei für rund 78.000 Fälle verantwortlich gewesen. Etwa 41 Prozent (rund 86.500 Personen) der Getesteten waren doppelt mit Biontech geimpft.

Bereinigt um den Impfstatus zeige sich zudem, dass Omikron zu etwa 30 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen führt als die in 2020 dominante D614G Variante des Virus, so die Mitteilung weiter. Wiederum deute sich allerdings bei Kindern ein 20 Prozent höheres Risiko an, mit einer Infektion in einem Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Hier warnen die Experten von Discovery jedoch, dass die Ergebnisse aufgrund niedriger Gesamtzahlen nur vorsichtig interpretiert werden könnten.

Daten aus Großbritannien zeigen, dass eine Booster-Impfung einen relativ guten Schutz sogar vor einer einfachen Infektion mit Symptomen bietet. Laut dem jüngsten technischen Report von UK Health betrug er 70 bis 75 Prozent ab Tag 15 nach der Drittimpfung. Auch Menschen, bei denen die Grundimmunisierung mit zwei Impfungen noch frisch ist, sind wahrscheinlich gut geschützt. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis bis etwa neun Wochen danach beträgt das Schutzniveau etwa 88 Prozent, danach sinkt es bis zur 15. Woche auf etwa 35 Prozent ab.

Omikron-Durchbruchsinfektion trotz Boosterimpfung

Allerdings: Auch der Booster-Schutz kann durchbrochen werden. Eine noch nicht begutachtete Studie von deutschen und südafrikanischen Forschern um Constanze Kuhlmann und Carla Mayer beschreibt ein Cluster von sieben Reisenden, die Südafrika Ende November besucht haben. Alle sieben (fünf Frauen, zwei Männer im Alter von 25 bis 39 Jahren) hatten bereits Mitte Oktober eine dritte Impfung erhalten (in sechs Fällen mit Biontech, in einem Fall mit Moderna). Trotzdem infizierten sie sich etwa sechs Wochen später mit dem Virus. In fünf Fällen konnte die Omikron-Variante direkt nachgewiesen werden. In zwei Fällen waren die Proben beschädigt. Allerdings sei es aufgrund der engen epidemiologischen Beziehung der Mitglieder der Gruppe sehr wahrscheinlich, dass es sich auch dabei um Omikron-Fälle handele, so die Autoren der noch nicht begutachteten Studie.

In allen sieben Fällen verlief die Infektion relativ mild. Die Betroffenen, die während der Infektion unter häuslicher Quarantäne standen, führten Tagebuch über ihre Symptome. Zu Beginn berichteten sie über Halsschmerzen und Abgeschlagenheit, vier der sieben erlebten zudem Kopfschmerzen. An Tag sieben hatte bei allen die Stärke der Symptome deutlich abgenommen. Jetzt berichteten alle über einen trockenen Husten, sechs hatten zudem eine zugeschwollene Nase, außerdem hielten die Halsschmerzen bei vier Personen an.

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