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Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

FentanylSchnelltester soll neues Heroin erkennen

31. Mai 2023, 16:59 Uhr

Fentanyl ist ein künstlich hergestelltes Opiat, das 50 Mal stärker wirkt als Heroin. Kommen Ermittler damit versehentlich in Berührung, geraten sie in Lebensgefahr. Ein von Forschern entwickelter Schnelltest soll sie schützen.

In den USA wird es bereits zu einer erheblichen Gefahr für die Ermittler: Fentanyl ist ein Schmerzmittel, das Opiaten wie Heroin oder Morphium ähnelt und deshalb zum Strecken der Drogen benutzt wird. Die Substanz ist synthetisch, aber erheblich stärker als ihre Vorbilder. Sie soll bis zu 50 Mal so potent sein wie Heroin, sagen Experten. Das NIST, ein Forschungsinstitut der US-Regierung, berichtet auf seiner Internetseite anschaulich von einem Fall, in dem ein Ermittler bei einer Hausdurchsuchung unabsichtlich mit kleinsten Mengen Fentanyl in Berührung kam und deshalb in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert werden musste. Hier lesen Sie den Fall im Original.

Um die Polizisten zu schützen, hat das NIST mehrere Verfahren entwickelt, mit deren Hilfe die Beamten die Droge schneller erkennen können. Das ist überlebenswichtig, denn Fentanyl wird in den Vereinigten Staaten immer häufiger anderen Drogen beigemischt. Der Deutschlandfunk berichtete im Mai 2017 von 52.000 Menschen, die 2015 an einer Überdosis des künstlichen Opiats starben. Ene Steigerung von ganzen 75 Prozent im Vergleich mit dem Jahr davor. Auch der Tod des Popstars Prince soll in Zusammenhang mit der Substanz stehen.

Identifikationsproblem: Heroin oder Fentanyl

Die Chemiker vom NIST schlagen mehrere Methoden zur Erkennung des gefährlichen Stoffs vor: Weil die Moleküle von Fentanyl und Heroin jeweils sehr unterschiedliche Massen haben, können die Substanzen mit Hilfe eines Massenspektrometers leicht erkannt werden. Dieser Ansatz versagt allerdings, wenn Substanzen etwa die gleiche Masse haben. Das ist bei verschiedenen Unterarten von Fentanyl der Fall.

Fetanyl-Molekül Bildrechte: imago/Science Photo Library

Zwei Methoden bieten die Experten daher konkret an. Einerseits können Ionenmobilitätsspektrometer (IMS) genutzt werden. Sie sind nur etwa so groß wie eine Mikrowelle und kommen bereits an Flughäfen bei der Suche nach Sprengstoff oder anderen Drogen zum Einsatz. Die Geräte könnten Streifenpolizisten leicht im Kofferraum ihrer Fahrzeuge verstauen. Andererseits schlagen die Forscher ein Verfahren namens DART vor - "Direct Analasysis in Real Time", übersetzt: Direktanalyse in Echtzeit. Es ist etwas genauer in den Ergebnissen, allerdings nicht so flexibel.

"Unsere Studie zeigt die Stärken und Schwächen der beiden Techniken. In einem kriminaltechnischen Labor zum Beispiel ist DART die bessere Option. Für einen Schnelltest im Kofferraum eines Polizeiautos hingegen IMS", sagt NIST-Wissenschaftler Ed Sisco im Deutschlandfunk.