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Angewiesen auf einen Rollator: Vor allem Covid-Infektionen, in seltenen Fällen aber auch die Impfungen dagegen, können zu Nervenkrankheiten und Lähmungen führen. Bildrechte: imago images/Michael Gstettenbauer

Sars-CoV-2Nebenwirkungen: Covid-19 ist das Problem, nicht die Impfungen

25. Oktober 2021, 18:16 Uhr

Covid-Impfungen können das Risiko leicht erhöhen, an seltenen Nervenleiden wie dem Guillain-Barré Syndrom zu erkranken. Viel stärker sind diese Risiken jedoch, wenn sich Menschen mit Sars-CoV-2 infizieren.

Deutschlands Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hat eine neue öffentliche Debatte über mögliche Nebenwirkungen der Covid-Impfstoffe ausgelöst. Haben zwei Impfdosen mit Vaxzevria von Astrazeneca oder Comirnaty von Biontech/Pfizer möglicherweise seltene, schwere Nebenwirkungen, die noch nicht entdeckt wurden? Forscher im Vereinigten Königreich haben jetzt Daten zum Vorkommen seltener Nervenerkrankungen wie dem Guillain-Barré Syndrom ausgewertet und verglichen: Wie häufig kommen diese Krankheiten normalerweise vor, wie häufig bei Geimpften und wie häufig nach einem positiven Sars-CoV-2 Test?

Autoimmunreaktion kann zu Lähmungen führen

Das Guillain-Barré Syndrom ist eine Auto-Immunerkrankung, also eine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems auf den eigenen Körper. Sogenannte Autoantikörper beschädigen die Myelin-Schicht von Nervenbahnen und zerstören so die Übertragungsfähigkeit dieser Nerven. Die Folge davon sind Lähmungen. Für eine jetzt im Fachmagazin "nature medicine" erschienene Studie hat ein Team um die Epidemiologin Julia Hippisley-Cox von der Universität Oxford Daten von Patienten ausgewertet, die wegen dieser und anderer neurodegenerativer Krankheitsbilder in Kliniken behandelt wurden.

Hippisley-Cox und ihre Kollegen filterten aus den Daten drei Gruppen von Patienten heraus: 20,4 Millionen Menschen hatten innerhalb von 28 Tagen vor der Diagnose eine erste Impfdosis Vaxzevria (Astrazeneca) erhalten, 12,1 Millionen waren einmal mit Comirnaty (Biontech/Pfizer) geimpft worden und rund 2 Millionen waren maximal 28 Tage zuvor positiv auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 getestet worden (davon waren 1,8 Millionen zum Testzeitpunkt ungeimpft).

Leichtes Risiko nach Impfung: Guillain-Barré Syndrom oder hämorrhagischer Schlaganfall

Tatsächlich hatten Menschen, die eine Astrazeneca-Impfung bekommen hatten, ein leicht höheres (aber immer noch seltenes) Risiko am Guillain-Barré Syndrom zu erkranken. Pro 10 Millionen Geimpfte gab es in dieser Gruppe 38 Erkrankte mehr, als im statistischen Durchschnitt der Vorjahre. Ebenfalls leicht erhöht (und trotzdem selten) war das sogenannte Bell's Palsy, eine Hirnvenenerkrankung die sich häufig als Gesichtslähmung zeigt. Sie kam 15 bis 21 Tage nach der Impfung etwas häufiger vor als bei der statistischen Vergleichsgruppe, doch dieser Unterschied war 28 Tage nach der Impfung nicht mehr signifikant.

Ein leicht erhöhtes Risiko auf einen sogenannten hämorrhagischen Schlaganfall (dabei reißt ein Blutgefäß im Kopf und Blut läuft in das Gehirn) hatten Menschen, die eine erste Dosis Comirnaty erhalten hatten. Pro 10 Millionen Geimpfter trat dieses Syndrom etwa in 60 Fällen mehr auf als im Durchschnitt. Bei Astrazeneca gab es kein erhöhtes Risiko.

Langfristige intensivmedizinische Betreuung nötig

Erheblich häufiger waren jedoch schwere Nervenerkrankungen nach einem positiven Coronatest. In der Gruppe der Menschen, deren positiver Test maximal 28 Tage her war, erkrankten pro 10 Millionen Betroffener 123 Personen mehr an einer Hirnhautentzündung und Nervengewebsschädigung (Encephalitis meningitis und Myelitis). 163 Personen mehr hatten eine myasthenische Störung, 145 Personen mehr litten am Guillain-Barré Syndrom.

Laut den Forschern war die Gruppe der Durchbruchsinfektionen, also von Geimpften, die sich nach der Impfung trotzdem mit dem Virus infizierten, zu klein, um statistisch sichere Aussagen treffen zu können.

Die Wissenschaftler schlussfolgern aus ihren Daten, dass eine Infektion ein erheblich höheres Risiko für eine schwere Nervenerkrankung darstellt als eine Impfung. Die Gesundheitssysteme müssten sich auf diese Folge einstellen, da unter anderem vom Guillain-Barré Syndrom Patienten langfristige intensivmedizinische Betreuung brauchen.

(ens)

Quelle

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