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Meine ChallengeWeniger Duschen – gut für unsere Haut und unseren Geldbeutel

11. Oktober 2022, 17:31 Uhr

Die tägliche heiße Dusche gehört für viele von uns dazu. Und das, obwohl wir inmitten einer Energiekrise stecken! Ein Vorschlag der Politik: Weniger, kürzer und kälter sollten wir duschen. Doch bringt das was? Wie viel Wasser, Energie und Geld lässt sich damit tatsächlich sparen? Und welche Auswirkungen hat der kalte Dusch-Entzug auf unsere Hautgesundheit, unser Wohlbefinden und unseren Körpergeruch?

von Thomas Jähn und Max Fallert

Viele von uns duschen heutzutage zu oft, zu lang und zu heiß. Unserem inneren Wohlbefinden mag das guttun, nicht aber unserer Haut. "Man muss wissen, dass jedes Duschen dazu führt, dass der Haut und ihrer Schutzfunktion, der Hautbarriere, Fett entzogen wird", sagt Jan Simon, Direktor der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Vonseiten der Haut und des Fettgehalts wäre es besser, lauwarm zu duschen, nicht zu viel Duschgel zu benutzen und nicht täglich duschen zu gehen.

Prof. Dr. Jan Simon, Direktor der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Leipzig

Zu häufiges Duschen führt dazu, dass die Haut trocken und spröde wird, sie spannt und schuppt und wird anfälliger für Juckreiz, Rötungen und Ekzeme. Denn das heiße Duschwasser und die Tenside in den Waschprodukten spülen nicht nur Schmutz, Schadstoffpartikel, Talg und Schweiß von unserer Haut, sondern greifen auch den natürlichen Eigenschutzschild der Haut an. Das macht es Krankheitserregern oder anderen unliebsamen Stoffen leichter, durch die sonst recht stabile Hautbarriere in unseren Körper einzudringen.

Gerade Menschen mit tendenziell trockener Haut oder einer Neigung zu Neurodermitis sollten generell zurückhaltender sein mit dem Duschen, aber auch mit der Wassertemperatur und den verwendeten Waschprodukten. Simon vergleicht es mit dem Geschirrspülen: Die fettige Soße von der Pasta löst sich am besten, wenn man viel Spülmittel nimmt und das Spülwasser so heiß wie möglich macht. Doch was für das Abspülen dreckiger Teller hilfreich erscheint, ist für unsere Haut schädigend.

Körperpflege ist auch Hauttyp-Sache

Ganz ohne Waschen und Körperpflege geht es natürlich auch nicht. Milliarden Mikroorganismen leben auf unserer Haut und bilden in einem sensiblen Gleichgewicht einen natürlichen Schutzfilm. Wenn wir uns regelmäßig waschen, dann sind all die Bakterien und Pilze harmlos. Aber nach mehreren Wochen oder Monaten ohne Körperpflege kann es zu starker Geruchsbildung, Hautirritationen, Ausschlägen und Erkrankungen kommen. Ein gesundes Maß an Körperpflege ist also entscheidend, aber auch abhängig vom jeweiligen Hauttyp.

Für eine gute Körperhygiene ist es nicht zwingend notwendig, täglich zu duschen.

Dr. Katharina Schwede, Fachärztin für Dermatologie

Ein gesundes Maß an Körperpflege ist immer auch vom jeweiligen Hauttyp abhängig, sagt Dermatologin Katharina Schwede. Bildrechte: MDR/Katharina Schwede

Die Achselhöhlen, Füße und der Genitalbereich sollten im Alltag regelmäßig gereinigt werden, empfiehlt Hautärztin Katharina Schwede aus Leipzig. Besonders bei Menschen, die viel aktiv sind, Sport treiben oder körperlich anstrengender Arbeit nachgehen. Das geht aber auch gut mit einem Waschlappen, Wasser und bei Bedarf mit einer pH-neutralen Seife.

Wenn wir also nicht so häufig und nicht zu heiß duschen, haben wir also einen doppelten Nutzen: Unserer Haut geht es besser und wir sparen Wasser, Energie und letztlich auch Geld.

Durch unseren Wasserhahn fließt bares Geld

Doch was kostet uns das Duschen eigentlich? Die Kosten sind natürlich individuell verschieden und von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählt nicht nur, wie viel Wasser durch unseren Duschkopf fließt, sondern auch, wie lange und mit welcher Temperatur wir duschen. Entscheidend ist zudem der Energieträger, mit dem das Wasser erwärmt wird.

Bei der Frage nach unserem Duschverhalten geht es nicht nur um den Verbrauch von Energie und Wasser, weiß Energieberaterin Ulrike Körber. Bildrechte: MDR/Ulrike Körber

Etwa 14 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs im Haushalt benötigen wir für unsere Warmwasseraufbereitung, also für Duschen und Baden, Waschmaschine und Geschirrspüler. Ein Durchschnittswert, der je nach Wohnform und Energieform zur Aufbereitung des Warmwassers variiert, betont Ulrike Körber, die als Energieberaterin auch für die Verbraucherzentrale Sachsen arbeitet.

Die Verbraucherzentrale bietet einen kostenfreien Online-Duschkostenrechner, der den jeweiligen Energieverbrauch, den CO2-Ausstoß und die Kosten fürs Duschen ermittelt. Außerdem zeigt er an, wo und wie noch Kosten einspart werden können.

Meine Botschaft ist: Schaut darauf, wie viel und wie lange ihr das Wasser laufen lasst. Egal, ob bei der Dusche oder bei der Küchenspüle, das ist alles bares Geld, was da durchläuft.

Dipl.-Ing. Ulrike Körber, Energieberaterin für die Verbraucherzentrale

Hier steckt zusätzliches Spar-Potenzial

Unser Duschverhalten haben wir als Einzelperson selbst also ganz gut in der Hand: weniger duschen, kürzer duschen, vielleicht auch ein, zwei Grad kälter duschen. Oder eben auch einen Sparduschkopf verwenden. Die Art der Wassererwärmung dagegen – ob es nun eine Gastherme oder ein elektronischer Durchlauferhitzer ist – die können wir als Mieterinnen und Mieter oftmals nicht selbst beeinflussen.

Neben dem Wasser selbst und der Energie für die Warmwasseraufbereitung gibt es in der Folge aber noch weitere Dinge, die eingespart werden können, erklärt Körber: Seifen und Shampoos, Cremes und Lotionen, Deos und andere Hygieneartikel belasten das Wasser und die Umwelt. Dazu kommt die Energie für das Lüften und Heizen, um die Feuchtigkeit im Bad wieder zu trocknen. Und natürlich all die Handtücher, die gewaschen und getrocknet werden müssen. Auch hier gibt es ein großes Spar-Potenzial.

Die Evolution kennt kein tägliches Duschen

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich unser Hygieneverhalten stark verändert. Zumindest in unserer westlichen Welt sind viele von uns daran gewöhnt, mehrmals die Woche oder auch täglich zu duschen, erklärt Ilona Croy, Leiterin des Lehrstuhls für Klinische Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Das ist aber nichts, was die Umwelt erwarten würde. Und das ist nichts, was das Gehirn anderer Menschen erwarten würde, sondern war eben Jahrtausende lang nicht der Fall gewesen."

Evolutionär betrachtet ist die tägliche Dusche also gar nicht notwendig. "Unsere Nase und unser Gehirn sind nicht danach verdrahtet, dass sie Gerüche nur dann als angenehm empfinden, wenn sich jemand zweimal am Tag oder alle zwei Tage duscht, sondern wir können super damit klarkommen, dass jemand nur alle paar Wochen ein Wasserloch irgendwo findet. Und wir können trotzdem Sex mit den Personen haben. Ansonsten hätten wir uns ja gar nicht fortpflanzen können", so die Psychologin.

Der eigene Körpergeruch kann auch etwas Attraktives sein

Unsere Nasen sind also bestens darauf trainiert, dass Menschen auch mal längere Zeit keiner Körperhygiene nachgehen und liebliche Düfte auflegen, sondern dass sie eben einfach ihren ganz normalen Körpergeruch verströmen. Damit erlauben wir unserem Gegenüber auch viel besser, unseren natürlichen Körpergeruch wahrnehmen zu können. Und der kann für andere Menschen durchaus anziehend sein.

Der natürliche Körpergeruch ist tatsächlich etwas Erregendes, das ist eine seiner Funktionen.

Prof. Dr. Ilona Croy, Professorin für Klinische Psychologie an der Universität Jena

Beeinflusst wird unser körpereigener Geruch von verschiedensten Faktoren, so Croy: vom Geschlecht, vom Alter und Gesundheitszustand der Person, von der Ernährung, dem Alkoholkonsum und auch vom jeweiligen Gefühlszustand.

"Das Spannende am Körpergeruch ist, dass wir daraus ziemlich viele Informationen ziehen können, die gar nicht so offensichtlich sind. Das heißt, dieses klassische Sprichwort 'Ich kann jemandem nicht riechen', oder 'Ich kann jemanden gut riechen', da ist schon ziemlich viel Wahrheit dran."

Der Riechsinn ist ein sehr langsamer Sinn

Einerseits bietet der Körpergeruch also sehr viele Informationen, andererseits ist unser Riechsinn ein vergleichsweise langsamer Sinn, der Veränderungen nicht so schnell wahrnimmt. Denn was wir über Augen und Ohren in Millisekunden registrieren, verarbeiten und darauf reagieren, braucht in der Geruchswelt um ein Vielfaches länger.

Psychologin Ilona Croy von der Universität Jena plädiert für mehr Mut zum Eigengeruch. Bildrechte: Stephan Wiegand

"Denn Körpergerüche sind davon abhängig, dass sich die chemischen Prozesse unseres Körpers ändern, dass sich dann dort auch die Bakterienzusammensetzung ändert – etwa in unserer Mundhöhle, unseren Achselhöhlen, in den Genitalien, an den Füßen", erklärt Croy. Und das dauert. "Also, da reden wir von Minuten und nicht mehr von Sekunden. Und das macht es uns eben doch sehr schwer, Veränderungen schnell wahrzunehmen."

Mehr Mut zum Eigengeruch

Außerdem nehmen wir den Geruch einer anderen Person nur dann wahr, wenn wir der Person sehr nahe sind und es kommen zudem noch andere Informationen dazu, die unser Geruchs-Urteil beeinflussen, so die Psychologie-Professorin. Mehr Mut also zum Eigengeruch!

Und das Beste: Der Körpergeruch reguliert sich auch wieder von alleine, auch ganz ohne Deo und Parfum: "Körperschweiß ist ja letztlich das Abbauprodukt von Bakterien. Das heißt, die vermehren sich, leben vor sich hin und haben irgendwann fertig verdaut. Und dann ist der Geruch auch wieder weg", erklärt Croy.

Denn ein Geruch entsteht dadurch, dass Moleküle an die Umgebungsluft abgegeben werden. Das funktioniert aber nur, solange es eine konstante Quelle an Molekülen gibt. Vergleichbar ist das mit einem Käse. Auch der riecht mitunter anfangs ziemlich streng, doch irgendwann hört er auf zu riechen, weil dann alle geruchsrelevanten Moleküle an die Umgebungsluft abgegeben worden sind. "Genau das Gleiche passiert mit dem Schweißgeruch, den die Bakterien produzieren. Da ist irgendwann einfach kein Nachschub mehr da."

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