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Durch Klimaextreme wie Trockenheit und Hitze hat der Borkenkäfer leichtes Spiel, wie bei diesem 2018 und 2019 geschädigten Fichtenbestand in der Nähe von Weimar. Bildrechte: O. Kolle / H. Hartmann MPI-BGC

KlimawandelWeltweit gilt: Trockenheit plus Hitze ist gleich Waldsterben

Stand: 14. April 2022, 19:00 Uhr

Ein Forscherteam mit Thüringer Beteiligung hat ein globales Muster für Waldsterben aufgrund von Klimaextremen nachgewiesen. Und es hat recht düstere Prognosen für die Wälder, wenn die Erderwärmung stark voranschreitet.

Bäume sind wichtige Kämpfer gegen den Klimawandel. Sie können ihn zwar derzeit nicht bezwingen, aber doch verlangsamen. Sie binden CO2, verringern so den Treibhauseffekt und die Erderwärmung. Wenn ihr Gegner, der Klimawandel, allerdings zu übermächtig wird und andauernde Trockenheit gepaart mit Hitze ins Gefecht ziehen lässt, dann verlieren mehr und mehr Bäume den Kampf und sterben, wodurch ihr Gegner wiederum mächtiger wird, denn tote Bäume geben das zuvor gebundene CO2 wieder frei.

Ein internationales Forscherteam hat nun nachgewiesen, dass dieses Muster überall auf der Welt gilt, egal, auf welchem Kontinent, in welcher Klimazone oder in welcher Höhe über dem Meer die Bäume stehen. In die umfassende Studie flossen Fälle von Baum- oder Waldsterben aus fast fünf Jahrzehnten ein, allerdings nur solche die gut dokumentiert waren. Die Daten stammen aus 675 Orten auf der ganzen Welt mit insgesamt 1.303 erfassten Parzellen. Das Forscherteam hat das "International Tree Mortality Network" gegründet und bietet dort alle Daten offen an.

In die folgende Weltkarte können Sie hineinzoomen und sehen, an welchen Orten Waldsterben auf diese Art erfasst wurde. Wenn Sie auf ein Baumsymbol klicken, wird das Jahr angezeigt, in dem das dortige Waldsterben begann.

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Wichtig zu erwähnen ist, dass Waldbrände unbeachtet bleiben. Dass auch sie durch Trockenheit und Hitze verstärkt auftreten, liegt auf der Hand. Aber in der Studie spielten sie keine Rolle. Dort sollten nur die Auswirkungen von Klimaextremen ohne Feuer untersucht werden.

Sechs Kriterien für Trockenheit und Hitze

Die Forscher erstellten einen "Fingerabdruck heißer Trockenheit" aus sechs anerkannten Klimakriterien, die Trockenheit und Hitze anzeigen können. Sie holten sich die Daten dazu aus einer globalen Datenbank und glichen sie mit ihrer Baumsterblichkeitsdatenbank ab. Die sechs Kriterien sind: die monatliche durchschnittliche Höchsttemperatur, das sogenannte Dampfdruckdefizit, das klimatische Wasserdefizit, die Bodenfeuchtigkeit, der monatliche Gesamtniederschlag und der sogenannte "Palmer-Dürre-Index".

Es stellte sich heraus, dass im Jahr vor Beginn eines Baumsterbens, im Jahr des Beginns und im Jahr danach am jeweiligen Ort fast immer Trockenheit und Hitze herrschten. In den allermeisten Fällen war über die Hälfte der sechs Kriterien für Trockenheit und Hitze erfüllt. An 69 Prozent der Standorte waren es vier der sechs Kriterien und an 24 Prozent der Standorte sogar alle sechs.

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4 Grad Erderwärmung bedeuten 140 Prozent mehr Waldsterben

Aus ihren Daten konnten die Forscher auch ableiten, wie sich eine weitere Erderwärmung auf künftiges Baumsterben auswirken könnte. Grundlage bildeten die gegenwärtigen Zustände in Sachen Hitze und Dürre durch die bisherige Zunahme der Durchschnittstemperatur seit dem vorindustriellen Zeitalter um 0,7 °C. Sollten sich irgendwann in näherer Zukunft die viel diskutierten Werte von 2 °C oder 4 °C Erderwärmung einstellen, dann sterben auch mehr Bäume. Allerdings nicht linear, sondern exponentiell.

Das zeige, so das Forschungsteam, wie wichtig es wäre, das Klimaziel von 2 °C zu erreichen. Denn bei 4 °C wäre mit einer Zunahme des Waldsterbens um 140 Prozent zu rechnen. Bei 2 °C hingegen betrage die Zunahme demnach "nur" 22 Prozent verglichen mit jetzt.

Datenbank zum Waldsterben

Die Veröffentlichung der Studie ist zugleich der Startschuss für eine neue interaktive Internet-Anwendung auf der Website des "International Tree Mortality Network". Das Netzwerk wurde unter anderem vom Jenaer Studien-Mitautor Henrik Hartmann gegründet und wird von ihm auch weiter koordiniert. Auf der Webseite sind die der Studie zugrunde liegenden Daten online zur Verfügung gestellt und andere Forscher können neue Beobachtungen des Waldsterbens hier einfügen.

Die wachsende Datenbank vereint damit Erkenntnisse von Wissenschaftlern dieses Themenbereichs aus allen Kontinenten, wodurch erstmalig sowohl die Forschung als auch die Ergebnisse zum globalen Waldsterben an einer Stelle gebündelt werden. "Die neue Datenbank ist frei zugänglich und wird weiterführende Studien zur Situation der Wälder ermöglichen", betont Hartmann.

Link zur Studie

(rr)