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Bei hohen Inzidenzen steigt das Risiko einer Neuansteckung. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Covid-19Sechste Welle: Warum die Corona Neuinfektionen wieder zunehmen

Stand: 15. März 2022, 09:32 Uhr

Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt wieder. Grund dürfte eine Rücknahme immer weiterer Maßnahmen in Kombination mit der Variante Omikron BA.2 sein. Doch der Scheitelpunkt der sechsten Wellte ist schon absehbar.

Seit dem vierten März steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland wieder. Knapp eine Woche später, am Donnerstag den 11. März, zählt das Robert Koch-Institut über 250.000 neue Ansteckungen, die 7-Tage-Inzidenz steigt auf 1.439. Das ist zwar noch ein kleines Stück vom bisherigen Rekord am zehnten Februar entfernt. Da lag die Inzidenz in Deutschland mit 1.603 neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohnern in einer Woche auf dem bisher höchsten Wert der Pandemie in der Bundesrepublik. Aber der Wert könnte durchaus wieder erreicht und sogar noch überschritten werden, wenn die Annahmen von Professor Kai Nagel und seinem Team der TU Berlin stimmen.

BA.2 und Lockerungen führen zur sechsten Corona-Welle

Nagel und Kollegen hatten bereits Ende Februar einen erneuten Anstieg der Infektionen vorhergesagt. Grund dafür ist die Ansteckungsdynamik des Omikron-Subtyps BA.2. Dieser ist etwas ansteckender als die bisherige BA.1 Variante und hatte diese am Ende der achten Kalenderwoche (27. Februar) nahezu überholt. Zugleich werden immer weitere Maßnahmen zum Schutz vor der Ausbreitung des Virus zurückgenommen, etwa Maskenpflichten an Schulen fallengelassen oder Bars und Clubs wieder vollständig geöffnet. Beide Entwicklungen zusammen dürften ursächlich sein für die jetzt beobachtete sechste Welle.

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Begegnungen in großen Gruppen: Das Virus kann sich wieder weiter verbreiten

Solange die Kontakte eingeschränkt waren, konnte sich das Virus immer nur in bestimmten "Taschen", also Untergruppen der Gesellschaft ausbreiten. Dann infizieren sich beispielsweise Kinder in einer Schulklasse, die anschließend ihre Eltern anstecken. Haben die Klasse und die dazu gehörenden Familien die Infektion überstanden, gibt es eine lokale Immunität, die einen Rückgang der Zahl neuer Ansteckungen bewirkt. Werden nun die Freizeitmöglichkeiten vergrößert, Bars, Museen und Sporthallen geöffnet, können sich auch wieder größere Mengen von Menschen treffen. Das Virus gelangt so in Gruppen, wo es noch keine Immunität gibt.

Scheitelpunkt Anfang April – einstellige Inzidenzen im Sommer aber unrealistisch

Auch diese Welle wird aber einen Höhepunkt finden und danach abschwellen, nehmen Kai Nagel und sein Team an. "Bei uns im Modell ist der Scheitelpunkt der BA.2-Welle ungefähr Anfang April", sagt der Forscher. Dass die Zahl der neuen Ansteckungen im Sommer aber wieder soweit sinkt wie in den Vorjahren, davon geht derzeit kein Experte in Deutschland aus. "Einstellige Inzidenzen bekommen wir diesen Sommer nicht", glaubt Professor Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Im Optimalfall aber stabilisiert sich die Lage auf einem handhabbaren Niveau.

Gefahr für Immunsupprimierte und Ungeimpfte steigt

Das bedeutet, es müsse nicht mehr jede Infektion verhindert werden, sagt Carsten Watzl. Aus immunologischer Sicht sei anzunehmen, dass aktuell vorkommende Impfdurchbrüche den Betroffenen eine hohe Immunität für den kommenden Winter verschaffen. Gefährlich werde die Situation eher für immungeschwächte und ungeimpfte Personen. "Diese Leute werden bei hohen Inzidenzen natürlich eher erreicht."

Lage in den Kliniken stabil – Maskenpflichten bleiben wahrscheinlich

Da Omikron vergleichsweise nur relativ wenige schwere Infektionen verursacht, ist die Lage in den Krankenhäusern aktuell stabil. Auch der neue Subtyp BA.2 ändert daran nach bisherigen Erkenntnissen nichts. Die Experten gehen daher davon aus, dass keine neuen Maßnahmen notwendig sind. Einige effektive Grundregeln könnten aber noch eine Weile erhalten bleiben, darunter die Pflicht zum Tragen einer FFP-2 Maske beim Einkaufen, im öffentlichen Nahverkehr und bei großen Veranstaltungen.

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Quellen

(ens)