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#blickzurück: Kalenderblatt der GeschichteDas geschah am 22. Juli

22. Juli 2022, 05:00 Uhr

2007: Tod Ulrich Mühe

Am 22. Juli 2007 stirbt der deutsche Schauspieler Ulrich Mühe. Im sächsischen Grimma kam er am 20. Juni 1953 zur Welt. Die Karriere des Schauspielers, Regisseur und Hörbuchsprecher begann am Städtischen Theater in Chemnitz. Er studierte 1975 bis 1979 an der Theaterhochschule "Hans Otto" in Leipzig. Vor dem Mauerfall trat er am 4. November 1989 als Redner bei der Großdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz auf. Seine letzte DEFA-Rolle spielte er 1990 in Jürgen Brauers Film "Sehnsucht". Nach der Wiedervereinigung war Mühe auch in der Bundesrepublik erfolgreich.

Sein größter Erfolg war das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen". Der Film wurde 2007 mit einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Im gleichen Jahr stirbt Mühe an einer Krebserkrankung. In der ZDF-Serie "Der letzte Zeuge" spielte er von 1998 bis 2007 über siebzig Mal die Rolle des Gerichtsmediziners Dr. Robert Kolmaar. Mit dem Tod von Ulrich Mühe beschließt das ZDF die Serie zu beenden.

1990: Volkskammer beschließt Länderaufteilung der DDR

Am 22. Juli 1990 verabschiedet die DDR-Volkskammer das Ländereinführungsgesetz. Es stellt jene fünf Bundesländern her, die 1945 gegründet und 1952 de facto wieder aufgelöst wurden: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Dafür werden die von den Sowjets geschaffenen DDR-Bezirke zusammengelegt. Die Grenzen der Verwaltungseinheiten decken sich jedoch nicht immer mit den alten Landesgrenzen. In einigen Kreisen gibt es deswegen Streitigkeiten um die geplante Landeszugehörigkeit. Berlin als 15. Bezirk wird mit Westberlin vereinigt. Das Ländereinführungsgesetz tritt gemeinsam mit dem Einigungsvertrag am Tag der Deutschen Einheit in Kraft.

1987: Sendestart "Radio Glasnost"

Am 22. Juli 1987 geht die Sendung "Radio Glasnost - außer Kontrolle" erstmals auf Sendung. Ziel der Sendung ist es, Menschen in beiden deutschen Staaten über politische Entwicklungen, Missstände und oppositionelle Aktivitäten in der DDR zu informieren. Außerdem sendet "Radio Glasnost" Musik von DDR-Liedermachern sowie und Punkbands. Der private Alternativsender "Radio 100" mit Sitz in West-Berlin stellt den Sendeplatz für die DDR-Opposition zur Verfügung. Das einstündige Format wird ab August 1987 immer am letzten Montag des Monats zwischen 21 und 22 Uhr ausgestrahlt. Viele der Beiträge werden in der DDR aufgenommen und nach West-Berlin geschmuggelt. Initiator und Koordinator der Sendung sind der "Radio 100"-Redakteur Dieter Rulff und der ausgebürgerte DDR-Bürgerrechtler Roland Jahn. Schnell gerät die Sendung in den Blick der Stasi. Die Mitarbeiter des MfS intallieren beispielsweise Störsender, um der vermeintlichen Bedrohung entgegenzuwirken. Die Versuche, die Sendung zum Schweigen zu bringen, scheitern. 27 Ausgaben von "Radio Glasnost" werden bis Anfang 1990 gesendet.

1953: Keine Freisprüche für Beteiligte am Volksaufstand

Am 22. Juli 1953 macht das Oberste Gericht der DDR Urteile rückgängig, die Beteiligte am Volksaufstand vom 17. Juni freisprechen. Wenige Tage zuvor war Hilde Benjamin Justizministerin der DDR geworden. Wegen ihrer harten Urteile wird sie auch "Rote Hilde" genannt. Ihr Vorgänger Max Fechner hatte sich am 30. Juni in einem Interview mit dem SED-Parteiblatt "Neues Deutschland" gegen die Strafverfolgung der Protestierenden ausgesprochen. Daraufhin wurde er als "Feind des Staates und der Partei" seines Amtes enthoben, aus der SED ausgeschlossen und verhaftet. Wegen "Verbrechen gegen den Staat" wird er 1955 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Hilde Benjamin übernahm seinen Posten am 15. Juli 1953. Sie überwacht alle Strafverfahren, die mit den Protesten in Verbindung stehen. Etwa 15.000 Personen werden festgenommen und über 1.500 Aufständische von DDR-Gerichten verurteilt – zwei zum Tode.

Am 17. Juni 1953 demonstierten rund eine Millionen DDR-Bürgerinnen und Bürger gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der ostdeutschen Republik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1946: Sowjetunion lässt erste deutsche Kriegsgefangene frei

Am 22. Juli 1946 kehren die ersten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zurück. Viele litten an Unterernährung und Krankheiten. Die ehemaligen Wehrmachtsoldaten treffen zunächst im Lager für Heimkehrer in Gronenfelde bei Frankfurt an der Oder ein. Von dort aus werden sie in ihre Heimatstädte gebracht. Für Kriegsgefangene aus den anderen Besatzungszonen - und später den Bundesländern - entstehen zu diesem Zweck Grenzdurchgangslager. Die aus der Sowjetunion Entlassenen werden vielerorts euphorisch empfangen – auch NS-Verbrecher, die sich unter den Rückkehrern befinden. Die letzten deutschen Kriegsgefangenen dürfen die Sowjetunion erst 1955 verlassen. Insgesamt gerieten nach dem Zweiten Weltkrieg über drei Millionen Deutsche in sowjetischen Gewahrsam. Nur zwei Drittel überleben.

1922: 1. Deutsches Arbeiter-Turn- und Sportfest beginnt

Am 22. Juli 1922 beginnt das erste Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportfest in Leipzig. Das Sportfest soll dem Gemeinschaftsgeist und der Gesundheit der Arbeiterklasse dienen. Auf Initiative des 1893 in Gera gegründeten Arbeiter-Turn- und Sport-Bund treffen sich 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis zum 25. Juli 1922. Selbst aus dem Ausland reisen Gäste an, etwa aus Frankreich oder Finnland.

Finnen beim Leipziger Turnfest 1922. Bildrechte: IMAGO / Arkivi

Der Großteil der Veranstaltungen findet auf dem Gelände des Wilhelm-Külz-Parks und der Alten Messe statt. Es gibt die unterschiedlichsten sportlichen Disziplinen wie beispielsweise Handball, Fußball, Leichtathletik, Turnen, Gewichtheben, Tauziehen sowie Rad- und Wassersport. Mit einer Feier endet das Turnfest am 25. Juli. Im Jahr 1928 wird in Nürnberg das zweite Sportfest gefeiert.