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Ein Kasten der anderen Art: Für Gartenschläfer, Haselmaus und Co. sollte das Einstiegsloch nicht vorne, sondern hinten liegen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Zum NachmachenGartenschläfer schützen: Kobel für Bilche bauen

von Brigitte Goss, MDR Garten

Stand: 17. Juli 2022, 11:26 Uhr

Gartenschläfer sind selten geworden. Um die nachtaktiven Bilche zu schützen, können Sie einen Kobel bauen und aufhängen. MDR Garten-Expertin Brigitte Goss zeigt, wie Sie einen solchen Kasten selbst machen können.

Was ist überhaupt ein Gartenschläfer?

Gartenschläfer sehen auf den ersten Blick aus wie Mäuse, sind aber keine. Stattdessen zählen sie genau wie Siebenschläfer, Baumschläfer und Haselmaus zu den Bilchen, auch Schlafmäuse, Bilchmäuse oder schlicht Schläfer genannt.

Bilche (Gliridae) gehören wie Mäuse und Hörnchen, zu denen sie viele Ähnlichkeiten verbinden, zu den Nagetieren (Rodentia). Die Tiere sind nachtaktiv und leben oft im Verborgenen. Ihr Lebensraum ist eine vielfältig strukturierte Natur, zu der auch naturnahe Gärten gehören können. Es wird vermutet, dass der Bestand dieser kleinen possierlichen Tiere in Landschaft und in den Gärten zurückgeht. Um den Tieren zu helfen, kann man auch im Garten einiges tun:

  • Schaffen Sie Versteckmöglichkeiten in Hecken, Steinhaufen und Nistkästen.
  • Sorgen Sie für ein reichhaltiges Nahrungsangebot durch Obstbäume, Wildobst-Sträucher sowie Samenstände von Stauden und Wildpflanzen.

Zwar bedienen sich Gartenschläfer auch an Vogeleiern, dennoch sollten wir den seltenen Tieren gute Lebensbedingungen bieten, denn das Vorkommen von Bilchen zeigt eine intakte und vielfältige Natur an.

Aufgrund der schwarzen Gesichtsmaske trägt das Tierchen auch den Beinamen "Zorro". Bildrechte: imago/blickwinkel

Wozu dient ein Bilchkasten?

Ein Gartenschläfer-Kasten ist ein zusätzliches "Wohnraumangebot". Im Gegensatz zu Vogelnistkästen liegt das Einstiegsloch verdeckt in der Hinterwand. Auf diese Weise gelangen die Tiere geschützt und leichter über den Baumstamm oder die Schuppenwand in ihr Quartier.

Bilche halten Winterschlaf und sind erst ab Ende März aktiv. Wird dann so ein Kasten als Kinderstube für kleine Gartenschläfer angenommen, ist viel für den Erhalt der Tierart getan.

Der Kasten kann an einem Schuppen mit rauer Verschalung oder einem Baum in einer Höhe von etwa anderthalb Metern befestigt werden.

Bilchkobel kann man auch kaufen - hier eine Variante aus Holzbeton. Allerdings macht es Spaß, sie selbst zu bauen. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Das benötigen Sie für einen Gartenschläfer-Kobel

Als Baumaterial eignet sich unbehandeltes, sägeraues Nadelholz. Besonders die Jungtiere können sich zum Klettern besser daran festhalten. Die Teile im hier vorgestellten Kasten wurden alle aus einem 120 Zentimeter langen und 20 Zentimeter breiten Brett mit einer Säge herausgeschnitten.

Materialliste für den Gartenschläfer-Kasten

  • sägeraues beziehungsweise ungehobeltes Holzbrett in einer Stärke von 20 bis 25 Millimetern, von 120 Zentimeter Länge und 20 Zentimeter Breite
  • 20 Schrauben à 3,5 x 40 Millimeter
  • zwei kurze Schrauben für den Aufhänger
  • ein langer Nagel
  • ein Stück Blech oder Dachpappe plus Dachpappennägel
Alle Teile lassen sich aus einem entsprechend großen Brett aussägen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Werkzeug

  • Akkuschrauber
  • Vorbohrer
  • Pit
  • Lochsäge oder Forstnerbohrer von 30 Millimeter Durchmesser
  • Heißklebepistole
  • Hammer

So wird der Gartenschläfer-Kasten gebaut

1. Schritt: Aussägen aller benötigten Bauteile

  • Vorder- und Rückwand: je 230 x 145 Millimeter

  • zwei Seitenwände:

  1. 80 x 230 Millimeter
  2. 80 x 245 Millimeter (eine der schmalen Kanten abgerundet)

  • Dach: 170 x 210 Millimeter
  • Boden: 105 x 80 Millimeter
  • Abstandsleisten: zwei Stück je 200 x 37 x 30 Millimeter
Die bereits fertig gesägten Einzelteile des Kastens in der Übersicht. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

2. Schritt: Einstiegsloch in Rückwand bohren

In die Rückwand wird das Einstiegsloch mit einer Lochsäge oder einem Forstnerbohrer, die jeweils an einer Bohrmaschine befestigt sind, herausgearbeitet.

So sieht ein Forstnerbohrer aus. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Alternativ können Sie eine Lochsäge verwenden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Überlegen Sie vor dem Bohren, wo sie das Loch in die Rückwand bohren. Das Loch wird mittig zwischen den langen Seiten platziert. Schleifen Sie die Kanten mit einem Schleifpapier ab.

Überlegen Sie vor dem Bohren genau die Platzierung des Loches. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

3. Schritt: Abstandsleisten befestigen

An der Rückwand werden die Abstandsleisten zeltartig um das Einstiegsloch gelegt und auf die Rückwand aufgezeichnet. Verwenden Sie für das Markieren am besten einen Bleistift.

Markieren Sie zunächst die Abstandsleisten mit einem Bleistift. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Bohren Sie anschließend die Löcher für die Abstandsleisten vor.

So können die Löcher für die Leisten vorgebohrt werden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Nun sind die Löcher zum Anschrauben der Abstandsleisten vorhanden.

Die vorgebohrten Löcher erleichtern das Anschrauben der Abstandsleisten. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Danach werden die Abstandsleisten über dem Einstiegsloch angebracht, so dass sie ein nach unten offenes Dreieck bilden.

So soll das Endergebnis aussehen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

4. Schritt: Abstandsleisten mit Riegel verbinden

Die Abstandsleisten werden mit einem Metallriegel verbunden. Dieser dient später als Aufhängung.

Der Metallriegel dient als stabile Aufhängung. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

5. Schritt: Verschrauben der Wände

Nacheinander werden die kurze Seitenwand an die Rückwand, dann die Vorderwand an die kurze Seitenwand und anschließend der Boden miteinander verschraubt.

Drei Wände plus Boden werden miteinander verbunden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

6. Schritt: Lange Seitenwand anschrauben

Die lange Seitenwand zum Öffnen des Kastens wird mit jeweils einer Schraube so hoch wie möglich mit der Vorder- und Rückwand verschraubt. Die zuvor mit Schleifpapier abgerundete Kante sollte dabei oben innen liegen, also dort wo man die Seitenwand auch verschraubt. Die innere Kante ist abgerundet, weil man ansonsten beim Öffnen die Schläfer einklemmen könnte. Sie sollte bündig mit den oberen Kanten von Vorder- und Rückwand abschließen.

Das längere Seitenteil hat eine abgerundete Innenkante. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Nach unten steht diese Wand im Vergleich zu den anderen Wänden über. So kann man sie bequemer öffnen.

Aufgrund des Überstandes kann man das Seitenbrett dann bequem hochklappen, um den Kasten zu kontrollieren und zu säubern. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

7. Schritt: Dach verschrauben

Das Dach wird so verschraubt, dass es nicht über die Abstandsleisten hinausragt. Sonst kann man den Kasten am Ende schlecht aufhängen.

Das Dach sollte nicht über die Abstandsleisten ragen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

8. Schritt: Regenschutz aufbringen

Als Regenschutz für das Dach kann ein etwas größeres Blech oder auch Dachpappe dienen. Man kann den Schutz mit Heißkleber oder alternativ mit Nägeln befestigen.

Verteilen Sie großzügig Heißkleber auf dem Dach, um das Blech zu befestigen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Blech oder Dachpappe können ruhig etwas überstehen, um Schutz vor der Witterung zu bieten.

Blech oder Dachpappe können ruhig etwas überstehen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

9. Schritt: Verschluss anbringen

Mit einem umgebogenen Nagel wird die Klappe verschlossen.

Ein umgebogener Nagel ist eine einfache, aber effektive Befestigungsmöglichkeit. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Nun müssen Sie den Kasten nur noch an einer geeigneten Stelle im Garten anbringen, so dass Gartenschläfer ruhig und sicher darin leben können.

So sieht dann das Endergebnis aus. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Quelle: MDR Garten

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 17. Juli 2022 | 08:30 Uhr