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Die Gasumlage wird ab Oktober erhoben, viele Fragen sind aber noch offen. Bildrechte: IMAGO/Christian Ohde

PreiserhöhungWie Energieversorger in Sachsen die Gasumlage umsetzen wollen

von MDR SACHSEN

Stand: 18. August 2022, 15:00 Uhr

Auf Gaskunden kommt ab Oktober eine weitere Erhöhung der Preise zu. Rund 2,4 Cent müssen sie dann pro Kilowattstunde mehr bezahlen. Wie diese Gasumlage umgesetzt wird und welche Fragen noch offen sind, hat MDR SACHSEN bei Energieversorgern in Chemnitz, Dresden und Leipzig nachgefragt. Unterdessen hat die Bundesregierung angekündigt, die Mehrwertsteuer auf Gas zu senken, wodurch sich die finanzielle Belastung für Verbraucher verringern soll.

Leipziger Gashändler will Umlage nutzen

Nach der Festlegung der Gasumlage auf rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde will auch der Energiehändler VNG mit Sitz in Leipzig die Regelung in Anspruch nehmen. Das Unternehmen bestätigte MDR SACHSEN, die Nutzung der Umlage beim Zusammenschluss der Gasnetzbetreiber, dem Trading Hub Europe (THE), beantragt zu haben. Die Erdgasmengen, die "nun am Markt zu wesentlich höheren Kosten ersatzbeschafft werden müssen", seien fristgerecht angemeldet worden. Weitere Details nannte das Unternehmen nicht. VNG beliefert ostdeutsche Gasversorger, darunter in Sachsen.

Die Umlage soll Gasimporteure wie VNG in Leipzig entlasten, die wegen der gedrosselten Lieferungen aus Russland anderswo für viel Geld Gas einkaufen müssen, um ihre Verträge zu erfüllen. Ihre Mehrkosten dürfen sie aktuell nicht weiterreichen, die Umlage soll diese Kosten ab Oktober zu 90 Prozent ausgleichen. Damit sollen Firmenpleiten und letztlich Lieferausfälle verhindert werden. 

Die Energiekonzerne RWE und Shell hatten dagegen angekündigt, auf die Erstattung durch die Gasumlage zu verzichten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck dankte RWE dafür. Habeck sagte, in der Logik der Sache liege, dass diese Unternehmen geringere Anteile am russischen Gas hätten. Insofern sei die Auswirkung auf die Umlagenhöhe geringer. "Nichtsdestoweniger ein großer Schritt, der eben nicht nur rein ökonomisch, sondern tatsächlich aus dem Gedanken der Solidarität heraus begründet ist", sagte Habeck.

Update: Mehrwertsteuer auf Erdgas wird gesenkt

Am Donnerstag hat Bundesregierung bekannt gegeben, dass Mehrwertsteuer auf Gas von bisher 19 auf 7 Prozent gesenkt wird. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erklärte, er erwart, dass dies 1:1 an die Verbraucher weitergegeben werde. Mit dem Schritt würden die Gaskunden insgesamt deutlich stärker entlastet als sie durch die staatliche Gasumlage belastet würden, so Habeck.

Die Senkung der Mehrwertsteuer entlastet einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox um 433 Euro pro Jahr. Ein Singlehaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden im Jahr würde den Berechnungen des Portals zufolge um 119 Euro entlastet. 

Energieversorger wollen Kunden rasch informieren

Die Energieversorger Eins Energie in Chemnitz, Sachsen Energie in Dresden und Mitgas bei Leipzig wollen ihre Kunden über die bevorstehenden Änderungen durch die Gasumlage zeitnah informieren. Bei Eins Energie in Chemnitz soll das schon diese und nächste Woche geschehen, wie Sprecherin Cindy Haase MDR SACHSEN sagte. Etwa 100.000 Verbraucherinnen und Verbraucher seien bei Eins Energie nach jetzigem Stand von der Umlage betroffen. Diese werde ab Oktober fällig.

Bei Mitgas hieß es, ab wann das Unternehmen die Gasumlage an ihre Endkunden weiterberechne, stehe noch nicht abschließend fest. "Mitgas wird die neuen Gasumlagen in ihrer Kalkulation berücksichtigen", sagte Sprecherin Evelyn Zaruba. Dabei würden auch die Abschläge angepasst, um spätere Nachzahlungen zu vermeiden. Bei Mitgas seien 180.000 Privat- und Geschäftskunden von der Umlage betroffen.

Sachsen Energie in Dresden will die Umlage, "wie vom Gesetzgeber vorgegeben", auf die Kunden umlegen. "Die Mehrkosten werden in der Jahresrechnung im bestehenden Turnus berücksichtigt", teilte Sprecherin Viola Martin-Mönnich mit. Sachsen Energie erhebe die Umlage bei 138.000 Netzkunden. Zu dem Versorger gehören die Unternehmen Drewag und Enso in Dresden und Ostsachsen.

Energieversorger in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden sechs vorher über Preiserhöhungen zu informieren. Die Frist endet damit für Oktober am kommenden Sonnabend (20.8.). Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, die Energieversorger müssten die Ankündigung in aktuellen Tageszeitungen und im Internet veröffentlichen. Außerdem sei gesetzlich vorgesehen, dass die Kunden eine schriftliche Mitteilung bekommen.

Bekämen Verbraucher keinerlei Information, sollten sie der Preiserhöhung widersprechen, so Siegert. "Welche konkrete Rechtsfolge das Ausbleiben einer brieflichen Mitteilung im Bereich der Grundversorgung hat, ist juristisch nicht ganz klar." Im Einzelfall sollte man sich beraten lassen. Die Leipziger Stadtwerke hatten die neuen Preise am Donnerstag in einer großen Zeitungsanzeige mit dem Hinweis veröffentlicht, dass auf Wunsch auch Einzeldokumente verschickt werden.

Gasumlage für Fernwärmekunden noch offen

Nach Aussage der Stadtwerke Leipzig gibt es noch viele Unklarheiten. So könnte die Abgabe auf wesentlich mehr Privatkunden zukommen, sagte Sprecher Frank Viereckl MDR SACHSEN. "Wie das für Fernwärme relevant wird, das hat der Gesetzgeber bisher schlicht vergessen." Er rechne aber damit, dass diese Umlagen auch Fernwärmekunden zahlen müssen.

Ob das für Fernwärme relevant wird, das hat der Gesetzgeber bisher schlicht vergessen.

Frank Viereckl | Sprecher der Stadtwerke leipzig

Auch der Versorger Eins Energie in Chemnitz erklärte, die Frage müsse noch von der Bundesregierung geklärt werden. "Fernwärmekunden sind von der Umlage bislang nicht erfasst", teilte Sprecherin Cindy Haase mit.

Was passiert mit langfristigen Verträgen?

Eins Energie in Chemnitz verweist darauf, dass seine Verträge so gestaltet seien, dass auch bei festen Laufzeiten die Möglichkeit bestehe, neue Umlagen an seine Kunden weiterzugeben. Dies habe das Unternehmen auch im umgekehrten Fall beim Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli umgesetzt, sagte Sprecherin Haase. Von der Gasumlage seien deshalb auch Kunden mit langfristigen Lieferverträgen betroffen.

Mitgas will die Gasumlage ebenfalls auf alle Gaskunden gleich verteilen. Als Versorger habe das Unternehmen keinen Einfluss auf die Abgabe. "Unsere vertraglichen Regelungen sehen eine Weiterberechnung auch bei Festpreisverträgen vor", sagte Sprecherin Evelyn Zaruba MDR SACHSEN. Sachsen Energie hat sich bei dieser Frage noch nicht endgültig festgelegt.

Der regionalen Energieversorger Eins Energie in Chemnitz will bei Zahlungsschwierigkeiten seiner Kunden vor allem auf das Gespräch setzen, um eine gemeinsame Lösung zu suchen, sagte Sprecherin Cindy Haase.

Wichtig ist, dass die Kunden frühzeitig auf uns zukommen, wenn sie ihre Rechnung nicht begleichen können.

Viola Martin-Mönnich | Sachsen Energie in Dresden

Mitgas teilte mit, bei Zahlungsschwierigkeiten versuche das Unternehmen, "im Sinne unserer Kunden individuelle Lösungen zu suchen, die die Menschen entlasten." Sachsen Energie in Dresden setzt ebenfalls auf gemeinsame Lösungen. "Wichtig ist, dass die Kunden frühzeitig auf uns zukommen, wenn sie ihre Rechnung nicht begleichen können", sagte Sprecherin Martin-Mönnich. Außerdem empfehle sie, die Abschläge zu erhöhen und wenn möglich, den Energieverbrauch zu reduzieren.

Weitere Erhöhungen der Gaspreise absehbar

Weil die Gasumlage ab Oktober alle drei Monate angepasst werden kann, müssen sich Gaskunden auf weitere Erhöhungen einstellen. "Im Moment spielen die Märkte so verrückt, dass wir immer neue Mengen auch nachkaufen müssen und gerade Kunden in der Grundversorgung müssen damit rechnen, dass die Tarife sich immer mal ändern", so der Sprecher der Stadtwerke Leipzig, Frank Viereckl.

Sachsen Energie in Dresden hatte bereits angekündigt, ab Oktober wegen der gestiegenen Einkaufspreise auch die Verbraucherpreise zu erhöhen. Je nach Tarif werden dann zwischen 3,95 Cent und 7,84 Cent pro Kilowattstunde mehr fällig. Die Grundversorgungstarife sollen aber nicht steigen. 

Hinzu kommt noch die Gasspeicherumlage, deren Höhe am 18.8. veröffentlicht werden soll. Diese soll die Kosten ersetzen, die für die Extra-Einspeicherung von Erdgas entstehen, um die Versorgungssicherheit im Winter sicherzustellen. Das Bundeswirtschaftsministerium geht aber nicht davon aus, dass diese Umlage eine "relevante Größe" erreichen wird.

Landesregierung diskutiert über Härtefallfonds 

Sachsens Regierung erwägt wegen der gestiegenen Energiepreise einen Härtefallfonds. Das deuteten Ministerpräsident Michael Kretschmer und Wirtschaftsminister Martin Dulig bei einem Streitgespräch am Dienstagabend in Dresden an. In der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause wolle man darüber sprechen. Dulig nannte einen Härtefallfonds sinnvoll. Niedersachsen hatte einen solchen Fonds bereits angekündigt. Auch in anderen Ländern wird darüber diskutiert. Die Fonds sollen Verbraucher entlasten.

Dulig kündigte einen Energiegipfel für den Freistaat an und schlug vor, einen Grundbedarf an Energie preislich zu deckeln. "Es muss eine Grundversorgung mit einem Grundverbrauch für die Menschen zu einem vertretbaren, sozial darstellbaren Preis möglich sein", sagte der Minister. Für einen Mehrbedarf könnten dann Marktpreise gelten.

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MDR (kbe)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 15. August 2022 | 19:00 Uhr