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Die steigende Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten führt bei vielen Unternehmen zu mehr Umwelt-Produktinnovationen. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Klimaforschung & WirtschaftswissenschaftKlimawandel kann als Innovationsmotor bei Firmen wirken

Stand: 06. April 2022, 13:20 Uhr

Die Anpassungen an die globale Erwärmung müssen nicht nur Kosten verursachen, sondern können auch zu neuen Entwicklungen bei Unternehmungen führen. Und das auch auf ganz anderen Gebieten, wie eine deutsche Studie ergab.

Die Forschenden vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und der Augsburger Hochschule für angewandte Wissenschaften untersuchten für ihre Analyse Daten zu 8.462 Unternehmen mit mindestens fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Community Innovation Survey der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2021. Dazu entwickelten die ZEW-Experten ein Maß mit vier Dimensionen, um zu ermitteln, wie stark die Firmen vom Klimawandel betroffen sind: erstens direkte Einflüsse von extremen Wetterbedingungen (zum Beispiel Sturmschäden), zweitens Kosten zur Anpassung an die Auswirkungen von Klimaveränderungen (zum Beispiel eine Reorganisation von Produktion und Auslieferung bei sehr hohen Temperaturen), drittens Politikmaßnahmen, die den Klimawandel abfedern sollen (zum Beispiel Emissionssteuern) und viertens eine veränderte Kundennachfrage nach klimafreundlichen Produkten.

Am stärksten betroffen: Energieversorgung und Bergbau

Dabei kam heraus, dass für 60,8 Prozent der untersuchten Unternehmen mindestens eine der Klimawandelfolgen für ihr Geschäft sehr oder moderat relevant ist. Die meisten dieser Firmen finden sich in der Energieversorgung und im Bergbau (55,9 Prozent) sowie Transport und Lagerung (50,8 Prozent). Am wenigsten betroffen waren die Branchen Telekommunikation, Programmierung und Informationstechnologie (10,2 Prozent) sowie Recht, Buchhaltung, Beratung und Werbung (5,5 Prozent).

"Wichtiger Anstoß für Umwelt-Produktinnovationen ist oft – wenig überraschend – die steigende Nachfrage nach klimafreundlichen Produkte", sagt der Studienautor Dr. Christian Rammer. Auch staatliche Regulierungen, die dem Klimawandel entgegenwirken sollen, tragen laut der Studie dazu bei, dass Unternehmen verstärkt Innovationen bei Umweltprodukten vornehmen. Aus politischer Sicht bestätigen die Ergebnisse damit die positiven Effekte von CO2-Regulierungen nicht nur für Öko-Innovationen, sondern auch für andere Innovationsaktivitäten, heißt es in der Studienzusammenfassung.

Damit löst die Nachfrage nach klimaneutralen Produkten andere Nicht-Öko-Entwicklungen mit aus. "Dies deutet darauf hin, dass Klimaneutralität auch für neue Produkte relevant ist, die nicht die Verringerung negativer Umweltauswirkungen zum Ziel haben", resümiert Rammer.

pm/cdi

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Dieses Thema im Programm:04. April 2022 | 18:00 Uhr