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Hochwasser im Ahrtal im Juli 2021. Bildrechte: imago images/Future Image

KlimawandelDeutscher Wetterdienst: 2021 war ein Jahr der Extreme

Stand: 29. März 2022, 19:48 Uhr

Ein Temperaturanstieg von über 40 Grad innerhalb von sieben Februartagen, später dann die Flutkatastrophe in der Eifel und ein weiterer viel zu warmer Winter: 2021 war erneut ein Jahr der Klimaextreme.

Weil der Sommer 2021 eher kühl und nass war, dürfte vergangenes Jahr nicht jedem als eines der Klimaextreme in Erinnerung geblieben sein. Doch das war es, das zeigen die Klimadaten ganz klar, die der Deutsche Wetterdienst bei seiner jährlichen Pressekonferenz am Dienstag (29.03.) vorgestellt hat. Denn 2021 war das elfte zu warme Jahr in Folge. Es lag mit 9,2 Grad rund ein Grad über dem Durchschnitt des Vergleichszeitraums von 1961 bis 1990. Damit habe sich das Klima insgesamt bereits um 1,6 Grad gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung erwärmt. Das sind schon 0,1 Grad mehr als im Abkommen von Paris festgelegt.

DWD registriert Beschleunigung der Klimaerwärmung

In den vergangenen Jahren beobachtet der DWD eine Beschleunigung dieser Entwicklung. "Der Anstieg der mittleren Temperaturen führt – davon geht die Klimaforschung aus – in den kommenden Jahren zu mehr und intensiveren Wetterextremen. Die Klimaveränderung wird für uns alle immer häufiger direkt spürbar, bleibt keine abstrakte statistische Kenngröße", sagt Andreas Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung beim Deutschen Wetterdienst.

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Februar: 40 Grad Temperaturanstieg in einer Woche

Die ersten Extreme waren dabei direkt zu Jahresbeginn beobachtbar. Im mitteldeutschen Flachland begann der Januar mit Schnee – eigentlich ein Winter, wie man sich ihn vorstellt. Der Februar brachte mehr Schnee und starken Frost. Einzelne Wetterstationen verzeichneten Tiefsttemperaturen von -20 Grad Celsius und mehr. In der letzten Februarwoche dann aber der extreme Umschwung. "In Göttingen stieg die Temperatur in 7 Tagen von Minus 23,8 °C am 14. Februar auf Plus 18,1 °C am 21.Februar 2021 – eine Differenz von 41,9 Grad", so Becker.

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Flutkatastrophe im Juli mit Ansage

Im Juli folgte dann die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz – wie man rückblickend sagen kann: mit Ansage. Schon eine Woche zuvor hatten Meteorologen die gefährliche Vb-Wetterlage kommen sehen, die in der Vergangenheit ja bereits zu den Flutkatastrophen in Sachsen und Sachsen-Anhalt geführt hatte. Diesmal aber traf des den Westen Deutschlands, wo man die Warnungen offenbar nicht ernst nahm. "Unsere Vorhersage vom 12. Juli prognostizierte für die folgenden 72 Stunden bis zu 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Das deckte sich sehr gut mit den später tatsächlich gemessenen Niederschlagssummen", sagte Andreas Becker.

Dürre und Bodenfeuchte: Leichte Entspannung durch Regen

In anderer Hinsicht brachten die Niederschläge in 2021 allerdings eine leichte Entspannung: Nach den drei extrem trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020 waren die Böden in den meisten Gegenden in Deutschland zum ersten Mal wieder ausreichend nass. "Das ist für die Land- und Forstwirtschaft eine gute Nachricht," so Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD. Die zuvor entstandenen Schäden an den Wäldern und in der Landwirtschaft seien allerdings noch sichtbar. So zeigten Auswertungen von Satellitendaten geschädigte Waldbestände in ganz Mitteleuropa in Form von Kronenverlichtungen und dem Absterben ganzer Bäume. Das betreffe nicht nur anfällige Fichtenmonokulturen, sondern in starkem Maße auch naturnahe Laub- und Mischwälder, so Fuchs. Solche Trockenperioden seien aber mit weiterer Erderwärmung noch wahrscheinlicher.

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Frühjahrstrockenheit wird zum Problem

Sorgen bereitet den Experten auch die zunehmende Trockenheit im Frühjahr. Im Nordosten Deutschlands, also in Mitteldeutschland und Brandenburg gebe es zwischen März und Mai inzwischen regelmäßig rund 40 komplett trockene Tage. Das beeinträchtige die Entwicklung der zu dieser Zeit austreibenden Pflanzen erheblich. "Der Konkurrenzkampf um die Ressource Wasser ist bereits im Gange und der Klimawandel verändert schon unsere Land- und Forstwirtschaft", sagte Fuchs.

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Extremhitze und Weltrekordtemperatur in Nordamerika

In der Bilanz hielt DWD-Experte Andreas Becker fest: "Das Jahr 2021 rangiert auf Platz 2 unter den Jahren mit den meisten aufgetretenen Einzelereignissen seit 2001." Auch weltweit brachte das Jahr Rekorde, wie Wetterdienstpräsident Gerhard Adrian feststellte. Während hierzulande die Flut die Nachrichten bestimmte, gab es im Juni und Juli in Nordamerika nie dagewesene Hitzewellen. "In British-Columbia in Kanada erreichten die Temperaturen 49,6 Grad Celsius und übertrafen den alten Rekord dort um erstaunliche 4,6 °C. An vielen Stationen dort mit langen Zeitreihen wurden die alten Rekorde um 4 bis 6 Grad Celsius übertroffen und man zählte 569 hitzebedingte Todesfälle. Im Death Valley wurde am 9. Juli der aus dem Jahr 1930 stammende 'Weltrekord' von 54,4 Grad Celsius eingestellt", so Adrian.

Anpassung an den Klimawandel

Klar ist also, Deutschland muss sich künftig anpassen an die Veränderungen, die ein wärmeres Klima bringt. Der Wetterdienst plant dazu in Zusammenarbeit mit den Behörden im Bund und in den Ländern ein Warnportal für Naturgefahren, in dem Nutzer über aktuelle Warnmeldungen an ihren Wohnorten informiert werden. Anpassung seien aber nicht ausreichend. "Mit jeder Tonne Treibhausgas, die wir nicht vermeiden, wachsen die Schäden durch den Klimawandel", sagte der DWD-Präsident.

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Wetterdienstdaten in der Energiewende

Die Wende zur Klimaneutralität soll dabei der Umstieg auf erneuerbare Energien bringen. Zu diesem Wandel trage der DWD durch seine Daten bereits seit Jahrzehnten bei, so Andreas Becker. Aktuell werde beispielsweise analysiert, inwiefern Lärmschutzwände an Autobahnen und Bahnstrecken für Solarstromerzeugung genutzt werden könnten. Und: "Für die Fortentwicklung der Offshore-Windenergie stellen wir unsere Auswertungen zu den Windverhältnissen in Nord- und Ostsee dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie zur Verfügung." Mit Blick auf die langfristigen Daten glauben die DWD-Experten, dass sich die Schwankungen bei Wind und Sonne in Deutschland etwa ausgleichen. "Ein Blick in unser Klimaarchiv zeigt: Der jährliche Verlauf von Sonnen- und Windenergie ergänzt sich hierzulande im langjährigen Durchschnitt gut", so Becker. Eine Stromversorgung aus Wind und Solar ist also grundsätzlich möglich.

(ens)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | 29. März 2022 | 12:00 Uhr

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