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Ein ganz und gar grünes Haus: Mit der richtigen Technik lassen sich aus vielen Laubbäumen solche tollen Lauben konstruieren. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Naturnahe GartengestaltungGrüne Lauben und lebende Häuser pflanzen und pflegen

von Brigitte Goss, MDR Garten

Stand: 08. Juli 2022, 20:50 Uhr

Grüne Lauben sind ein besonderer Platz im Garten. Mit der richtigen Technik lassen sich aus vielen Laubbäumen lebendige Bauten gestalten. Sie können einen Durchmesser von bis zu sechs Metern haben. MDR Garten-Expertin erklärt, wie solch eine Laube angelegt wird und welche Arbeiten notwendig sind, bis ein richtiges "Haus" gewachsen ist.

Lauben oder Bauten aus lebendigen Gehölzen waren schon in vergangenen Jahrhunderten beliebt. In den vergangenen Jahrzehnten baute man hauptsächlich mit Weiden. Weidengänge, lebende Zäune und Weidentipis erfreuen sich heute noch großer Beliebtheit. Sie wachsen allerdings nicht überall gut an oder sind, aufgrund des starken Wachstums nach dem Einwachsen, kaum zu bändigen.

Verwendet man aber andere Baumarten, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Sie wachsen langsamer als Weide und es dauert mehrere Jahre, bis bei diesen Bauwerken das "Dach" geschlossen ist. Aber die Geduld lohnt sich, denn die lebenden Gebäude haben eine ganz besondere Atmosphäre.

So funktioniert die Entwicklung grüner, lebender Lauben

Pflanzen mit Dickenwachstum können miteinander verwachsen und stabile Verbindungen eingehen. Werden Pflanzen schon im Jugendstadium miteinander verflochten, können so stabile, lebendige Lauben entstehen. Je nach gewählter Baumart ist ein Durchmesser von bis zu sechs Metern möglich. Je größer so eine Laube, desto aufwendiger die Pflege, weil die Lauben dann auch entsprechend hoch werden. Wer keine geschlossene Laube, sondern eher eine schattenwerfende Halbkuppel möchte, kann diese genauso konstruieren.

Die Jungbäumchen, die Heister heißen, werden immer wieder miteinander gekreuzt und verbunden. Im oberen Teil der Laube laufen die Triebe aufeinander zu, um ein Dach zu bilden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Diese Pflanzen sind für wachsende Lauben und Häuser geeignet

Als Baumarten werden am besten heimische Laubbäume mit einer guten Wuchskraft und einem ordentlichen Dickenwachstum verwendet. Geeignete Baumarten sind: Ahorn, Buche, Hainbuche, Feldahorn, Linde, Eschenahorn und Wildapfel. Mehlbeeren vertragen generell magere, heiße und trockene Standorte. Hainbuche ist besonders gut für grüne Lauben geeignet. Sie ist sehr robust.

Hainbuche ist besonders gut für grüne Lauben geeignet. Sie ist sehr robust.

Gärtnerin und MDR Garten-Expertin Brigitte Goss

Standort der grünen Laube

Eine wachsende Laube kann nur gelingen, wenn die Standortbedingungen auch zu der Pflanze wirklich passen. Die Pflanzen brauchen Licht. Die Laube sollte nicht im dunklen Schatten großer Bäume gebaut werden. Sehr trockene Standort sind ebenfalls zu vermeiden, da ansonsten zu oft und zu viel bewässert werden muss.

Wie viele junge Bäume brauche ich?

Für eine wachsende Laube werden Heister gepflanzt. Das sind eintriebige Jungpflanzen von Bäumen und Sträuchern mit geradem Wuchs und einer Höhe von 120 bis 200 Zentimetern. Sie sind in den Wintermonaten von Ende Oktober bis März am besten bei Forstbaumschulen zu erwerben. Die Heister pflanzt man in einem Abstand von 10 bis 20 Zentimetern. Stark wachsende Baumarten werden dabei eher weiter als zu eng gesetzt.

Berechnen des Pflanzenbedarfs:

  • Durchmesser mal Pi (π 3,14) = die Länge der Pflanzgrube.
  • Länge der Pflanzgrube: Pflanzabstand (0,15 m) = Ungefähre Anzahl der benötigten Pflanzen

Beispiel: Laube mit einem Durchmesser von 3 Metern:

  • 3 m x 3,14 = 9,42 m
  • 9,42 m : 0,15 m = 63 Pflanzen

Eine lebende Laube anlegen

Eine wachsende Laube kann als Halbrund oder Kreis entworfen werden. Wird sie größer geplant, lohnt sich eine Stabilisierung, zum Beispiel durch die Schneckenform. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Für eine wachsende Laube wird der entworfene Grundriss auf den Boden übertragen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Ein etwa 50 Zentimeter tiefer Graben wird ausgehoben. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Die Heister im Abstand von 15 Zentimetern in den Graben legen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Je größer die geplante Laube, desto größer der Arbeitsaufwand. Da ist jede Hand willkommen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Der Graben wird mit gutem Boden gefüllt. Dann müssen die Heister gut gewässert werden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Im ersten Jahr wachsen die Heister in Ruhe. In den folgenden Jahren wird jeweils im Winter das Geflecht der Laube konstruiert. Dazu werden die jeweils benachbarten Heister gekreuzt. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Die gekreuzten Heister werden mit einem ummantelten Bindedraht miteinander verbunden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss
Nach drei Jahren ist das Gerüst schon deutlich zu erkennen. Bis die komplette Laube fertig ist, dauert es ein paar Jahre länger. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Heister richtig pflanzen

Zum Pflanzen hebt man einen 50 bis 60 Zentimeter tiefen Graben aus. Der Grund sollte gut gelockert werden. Die Jungbäume werden in die Pflanzgrube gestellt und im Abstand verteilt. Die Pflanzgrube wird dann am besten mit einem guten Substrat verfüllt, damit die Pflanzen gut anwachsen können. Heister sollte in jedem Fall nicht tiefer im Boden stecken als vorher - also die Bäumchen eventuell wieder leicht aus dem Boden herausziehen und dann alles gut einwässern.

So gelingt die Pflanzung: Die Heister werden im gewünschten Abstand im Graben verteilt. Dann wird mit gutem Substrat aufgefüllt und gut gewässert. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Pflege der Bäume und Konstruieren des Gerüsts

Im Pflanzjahr werden die Heister noch nicht formiert. Die ganze Kraft stecken die Jungpflanzen zu diesem Zeitpunkt in die Wurzel zum Anwachsen. Die unteren Blätter der Heister werden noch nicht entfernt. Sie schützen die Rinde vor Überhitzung an heißen, strahlungsintensiven Standorten.

Im nächsten Winter werden die blattlosen Gehölze zum ersten Mal gebunden. Heister, die nebeneinander stehen, werden verkreuzt und zusammengebunden. Dabei entsteht ein "Jägerzaun"- Eindruck.

Immer wieder werden die Heister gekreuzt und verbunden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Zum Binden sollte man in jedem Fall biologisch abbaubares Bindematerial verwenden. Das geht zum Beispiel mit Rebdraht. Dies ist ein mit Papier ummantelter Eisendraht. Er "verwittert" zwar, kann aber auch einwachsen. Dabei ist es nicht klar, wie sich das langfristig auswirkt. 

Nebeneinander stehende Heister werden über Kreuz verbunden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Beim Binden sollten störende Seitentriebe entfernt und ausgeschnitten werden. Die Triebspitze sollte unbedingt erhalten bleiben. Stirbt sie dennoch ab, kann ein Seitentrieb die Leittriebfunktion übernehmen. Sollten einzelne Heister in der Reihe eingehen, muss nicht zwangsläufig die Pflanze ersetzt werden. Auch hier können Seitentriebe nebenstehender Pflanzen die Funktion übernehmen.  

Mit biologisch abbaubarem Bindematerial werden die Heister verbunden. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

In den ersten drei Jahren sollte besonders in heißen Sommermonaten gewässert werden. Beim Gießen unbedingt mindestens 20 Liter pro Quadratmeter einplanen. Tipp: Lieber größere Wassermengen in großen Zeitabständen als kleine Mengen in kurzen Zeitabständen geben.

So werden die Pflanzen in den folgenden Jahren gepflegt

Jeden Winter werden die Pflanzen über Kreuz gebunden, geformt und geschnitten. Im Sommer folgen immer wieder Kontrollgänge, Formierungsarbeiten der Jungtriebe und auch das Ausschneiden von Jungtrieben, die sich zu viel gebildet haben. Mit den Jahren sollten sich die "Wände" in der Höhe immer weiter zur Mitte hin neigen. Haben die Triebe dann ihre Endhöhe erreicht, wird mit sehr langen Schnüren, die von einer Seite zur anderen Seite der Laube geworfen werden, eine Art Kuppel gebildet. Die Äste in der Kuppel werden zusammengebunden.

Die miteinander verflochtenen Pflanzen bilden ein stabiles Gerüst für die lebende Laube. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Ist die Laube fertig, fallen jährlich im Sommer Schnittarbeiten wie bei einer Hecke an. Schon bei der Anlage der wachsenden Laube sollte die Pflegearbeiten bedacht werden. Für die Pflege einer sehr großen Laube sind auch entsprechende hohe Leitern, Hoch-Entaster oder sogar der Einsatz von Hubsteigern nötig.

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 10. Juli 2022 | 08:30 Uhr