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Antikörper heften sich an ein Virus (künstlerische Darstellung). Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Covid-19Corona: Impfung und Infektion – Wie lange Superimmunität hält und was sie bringt

Stand: 22. März 2022, 11:10 Uhr

Wer nach einer durchgemachten Infektion geimpft wird oder einen Impfdurchbruch mit Symptomen erleidet, hat danach viel höhere Antikörperwerte als "nur" Geimpfte. Neue Daten zeigen, wie lange die Superimmunität hält – und wogegen sie keine Chancen hat.

Viele Studien haben bereits belegt, dass die Kombination aus einer durchgemachten Infektion und einer beziehungsweise mehreren Impfungen die stärksten Immunantworten gegen Corona erzeugen, die Forscher beobachten können. Nun liefert ein Team um Carsten Watzl, den in der Pandemie vielfach zitierten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, einen neuen Beleg.

Drei Untersuchungsgruppen: Infizierte, Kontakte, Kontrollpersonen

Die Forscher vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), dem Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie (MPI) und dem Klinikum Dortmund haben die Antikörperwerte von Genesenen fast ein Jahr lang immer wieder gemessen, dann die Reaktion auf zwei Impfungen beobachtet und diese Werte schließlich mit denen "nur" Geimpfter verglichen. Ergebnis: Die Antikörper der Genesenen hielten deutlich länger und nach der Impfung bildeten sie drei und vier Mal so viele Antikörper wie diejenigen ohne Infektion.

Insgesamt habe es drei Gruppen von Untersuchungsteilnehmern gegeben. Gruppe eins bestand aus 20 Personen, die im Frühjahr 2020 eine durch einen PCR-Test bestätigte Infektion gehabt hatte. Gruppe zwei waren 55 Personen, die engen Kontakt zu den Infizierten hatten, jedoch keine Bestätigung durch einen Test. Gruppe drei waren schließlich 73 Personen ohne engen Kontakt und ohne bestätigte Infektion.

Schwellwert für die Immunität lag bei 100 BAU/mL

ELISA Test der Forschungsgruppe in Dortmund. Bildrechte: IfADo - Carsten Watzl

Durch ELISA-Tests (per Blutprobe) konnten die Wissenschaftlern bei allen Mitgliedern von Gruppe eins Antikörper feststellen, mit einer Ausnahme: Eine Person hatte keine Antikörper, dafür aber T-Zellen gegen das Virus. In den anderen beiden Gruppen wurden durch hohe Antikörperwerte jeweils zwei Personen gefunden, die wahrscheinlich eine nicht diagnostizierte Infektion hatten. Bei 22 Personen mit Antikörpern gegen das Virus führten die Forscher weitere Tests nach 150 und 300 Tagen durch.

Dabei zeigte sich: Die Antikörperwerte nahmen im Verlauf der Zeit zwar ab. Doch 16 Personen (73 Prozent) hatten auch über 300 Tage nach ihrer Genesung nach nachweisbare Antikörper. Bei 14 Personen konnte das Serum sogar das ursprüngliche Virus weiterhin neutralisieren. Anhand der Neutralisationstests konnten die Forschenden sogar ein sogenanntes Immunkorrelat bestimmen. Lagen die Antikörpertiter über 100 BAU/ml konnte das Serum die Viren noch neutralisieren. Darunter funktioniert das nicht mehr. BAU steht für Binding Antibody Units. Das ist eine Einheit, die von der WHO zum Bericht des Antikörpers in Sars-CoV-2 Studien empfohlen wird.

Superimmunität: Drei bis vier Mal so viele Antikörper und längere Haltbarkeit

Die meisten der Infizierten ließen sich dann rund ein Jahr nach ihrer Infektion impfen und bekamen aufgrund des langen Abstand zwei Impfdosen. Laut den Forschern entwickelten alle Untersuchten hohe Antikörperwerte im Vergleich zu lediglich Geimpften. Das galt sogar für die Person, bei der nach der Infektion keine nachweisbar waren. Die Werte unterschieden sich je nach dem verwendeten Impfstoff. Bei zwei Dosen Astrazeneca stiegen die Antikörperwerte bei Genesenen auf das Dreifache im Vergleich zu den lediglich Geimpften. Bei Biontech waren die Werte insgesamt deutlich höher als bei Astrazeneca und stiegen auf einen Spitzenwert von 4.581 BAU/ml nach zwei Impfdosen, also auf das Vierfache der rein Geimpften.

Auch halten die Antikörper von Menschen mit Infektion und Impfung länger als bei einer reinen Impfung. Eine bereits im Herbst erschienene Studie in JAMA zeigt, die Werte fallen bei genesenen Geimpften viel langsamer ab als bei nur Geimpften. Nach etwa sechs Monaten ist der Abstand zwischen beiden Gruppen sehr groß. Die Geimpften haben fast die Hälfte ihrer Antikörper verloren, die Genesenen gerade mal ein Fünftel.

England: Hunderttausende Reinfektionen

Angesichts der zahlreichen neuen Mutationen des Virus im vergangenen Jahr kommt auch die Superimmunität an ihre Grenzen. Daten aus England zeigen jetzt, dass dort im Zuge von Infektionswellen mit neuen Virusvarianten tausende Menschen ein zweites und ein drittes Mal erkrankten. So zählt die Behörde UK Health Security Agency inzwischen insgesamt 715.154 Zweitinfektionen mit Corona. 7.640 Personen hatten das Virus schon drei Mal und 62 Personen sogar bereits vier Mal. Allerdings seien die Reinfektionen jedes Mal milder verlaufen, weshalb die Experten glauben, dass viele weitere Dritt- und Viertinfektionen einfach übersehen würden.

Links/Studien

(ens)

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