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Engpässe bei BetreuungMehr unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Sachsen-Anhalt

24. Februar 2023, 12:06 Uhr

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt hat sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. Immer mehr Mädchen und Jungen suchen Zuflucht vor Krieg, Naturkatastrophen oder Hunger. Für die Landkreise und Kommunen wird es schwieriger, sie gut unterzubringen und zu betreuen.

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hat sich in Sachsen-Anhalt in den letzten zwei Jahren nahezu verdoppelt. Nach Angaben des Sozialministeriums wurden im Jahr 2020 268 unbegleitete minderjährige Geflüchtete vorübergehend untergebracht und betreut. 2022 waren es bereits 513.

Eine Nachfrage bei den Jugendämtern in Sachsen-Anhalt ergab ein ähnliches Bild. Im Landkreis Harz stieg die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Mädchen und Jungen von zehn im Jahr 2020 auf 45 im vergangenen Jahr, im Burgenlandkreis von 25 auf 51, im Landkreis Stendal von 16 auf 31.

Sozialministerium hält Lage für "beherrschbar", Magdeburg sieht Handlungsbedarf

Im Sozialministerium hält man die Situation für angespannt, aber beherrschbar. Es sei nicht bekannt, dass Jugendämter aufgrund fehlender personeller oder räumlicher Kapazitäten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen könnten.

Sollte die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen weiter steigen, sieht Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) Handlungsbedarf. "Einrichtungen der Erziehungshilfe, die sind jetzt schon knapp", sagte sie im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Die personellen und räumlichen Kapazitäten seien nahezu ausgeschöpft, so Borris. Vorübergehend hätten Kita-Einrichtungen für die Betreuung genutzt werden müssen. "Wenn aber noch mehr kommen, ist die Frage, unter welchen Bedingungen wir sie noch betreuen können", gab Borris zu bedenken. Das Jugendamt Magdeburg hat nach eigenen Angaben von 2020 bis 2022 366 unbegleitete minderjährige Geflüchtete betreut.

Landkreise an Kapazitätsgrenze

Hinsichtlich der Auslastung teilte der Landkreis Mansfeld Südharz auf Anfrage mit, dass der Betreuungsschlüssel für Integrationsaufgaben nicht mehr gewährleistet werden könne. Im Jerichower Land fehlt es an räumlichen Kapazitäten und Fachpersonal für die Unterbringung und Betreuung. Auch die Stadt Halle hat nach eigenen Angaben ihre Kapazitätsgrenzen nahezu erreicht und der Landkreis Börde weist darauf hin, dass die Bereitschaft zur Aufnahme von minderjährigen Ausländern bei Kommunen, Gewerbetreibenden und Wohnungsgesellschaften nur noch eingeschränkt vorhanden ist.

Borris: Hohe Betreuungsstandards sind Problem

Um die absehbaren Herausforderungen bei der Unterbringung dennoch zu meistern, würde Magdeburgs Oberbürgermeisterin Borris eine Absenkung der Betreuungsstandards begrüßen. "Es würde uns helfen, wenn wir nicht die Standards der Jugendhilfe erfüllen müssten", sagte sie. Dazu gehöre unter anderem ein geringerer Personalschlüssel. Zudem wäre es hilfreich, wenn nicht nur Sozialarbeiter, sondern auch Erzieher eingesetzt werden könnten.

Es würde uns helfen, wenn wir nicht die Standards der Jugendhilfe erfüllen müssten.

Simone Borris, Oberbürgermeisterin von Magdeburg

Bei der Form der Unterbringung dürfe man sich nicht nur auf die Jugendhilfe oder den Kinder- und Jugendnotdienst konzentrieren, ergänzte Borris. Dort seien die Aufnahmemöglichkeiten bereits erschöpft.

Sozialministerium äußert sich nicht zum Personalschlüssel

Das Sozialministerium äußerte sich auf Anfrage nicht zu einer möglichen Absenkung des Personalschlüssels. Es verwies auf die Möglichkeit der Unterbringung in Jugendherbergen, Ferienlagern und Pensionen, um Kapazitätsengpässe zu überbrücken.

Die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt kommen aus Afghanistan und Syrien. Rund 100 Mädchen und Jungen kamen im Jahr 2022 aus der Ukraine.

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MDR (Ronald Neuschulz, Moritz Arand) | Erstmals veröffentlicht am 23.02.2023

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Februar 2023 | 16:30 Uhr

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