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In Bautzen war die OB-Wahl zwar schon am 12. Juni entschieden, doch für die Landratswahl mussten die Wahlhelfer am Sonntag noch einmal antreten. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

AusgezähltSachsen hat neue Landräte und Bürgermeister gewählt

von MDR SACHSEN

Stand: 04. Juli 2022, 21:22 Uhr

Mit großer Spannung war die zweite Runde der Kommunalwahlen in Sachsen erwartet worden. Sechs Landräte mussten neu bestimmt werden, dazu Dutzende Bürgermeister. Einige lagen nach dem ersten Wahlgang nicht weit auseinander. Beim zweiten Wahlgang gab es einige Überraschungen und in einem Fall einen richtigen Wahlkrimi. Fest steht: Die CDU bleibt laut vorläufigem Endergebnis in den Landratsämtern eine Macht und Frauen haben es nirgendwo zur Landrätin geschafft. Die Reaktionen reichten von Zufriedenheit bis Selbstkrtik.

Machtwechsel in Borna, zweiter Wahlgang in Torgau, ein Nicht-CDU-Landrat als Novum und ein Wahlkrimi in Zwickau - der Wahlsonntag in Sachsen hatte so ziemlich alles zu bieten. In sechs Landkreisen und 23 Gemeinden haben die Einwohner final über ihren künftigen Landrat und Bürgermeister abgestimmt. Der zweite Wahlgang war dort erforderlich, wo in der ersten Runde vor drei Wochen keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen erzielte. Dieses Mal reichte die einfache Mehrheit.

CDU holt fast alle Landratsposten, in Zwickau war es denkbar knapp

Bei der Besetzung der Landratsämter ist die große Überraschung ausgeblieben. Neun von zehn Landräte-Posten werden weiterhin von der CDU besetzt und alle Landratsämter bleiben in männlicher Hand. In Zwickau fehlten Dorothee Obst von den Freien Wählern nur wenige Stimmen, um als einzige Frau in der Runde das Zepter zu übernehmen. Obst und der CDU-Mann Carsten Michaelis lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, kamen beide auf 35,9 Prozent. Entscheidend war dann die genaue Zahl der Stimmen. Für Michaelis stimmten 26.679 Wahlbrechtigte, für Obst 26.669. Bei gleicher Stimmenzahl hätte das Los entschieden.

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Mit 28,9 Prozent war die insgesamt schlechte Wahlbeteiligung im Landkreis Zwickau so niedrig wie nirgendwo. Der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer sieht darin eine gewisse Ermüdungserscheinung bei den Wählern. "Dann kommt natürlich hinzu, dass das Wetter sehr schön war, so dass manche vielleicht geglaubt haben, dass es auf sie nicht mehr ankommt", so Vorländer. "Aber es ist ja auf jeden angekommen, wie man beispielsweise im Landkreis Zwickau sieht."

Parteiloser Neubauer jetzt Landrat von Mittelsachsen

Bildrechte: MDR

Für eine Neuerung bei der Besetzung der Landratsämter sorgten die Wählerinnen und Wähler im Landkreis Mittelsachsen. Sie haben den parteilosen Bewerber Dirk Neubauer laut vorläufigem Endergebnis mit 55,6 Prozent zum neuen Landrat gewählt. Weit abgeschlagen kamen die Kandidaten von AfD und CDU auf die Plätze 2 und 3. "Ich denke, das ist eine gute Chance, Dinge grundsätzlich anders zu denken", sagte er kurz nach seiner Wahl MDR SACHSEN. "Da freue ich mich total drauf."

Dirk Neubauer: Leute müssen wieder Vertrauen fassen

Neubauer ist bislang Bürgermeister von Augustusburg. Er sieht seinen Erfolg auch darin begründet, kein Parteibuch zu besitzen. "Mit vielen Leuten kommt man nur ins Gespräch, wenn man diese Voraussetzung mitbringt", sagte er am Abend dem MDR. "Das ist eigentlich eine klare Aufforderung an die Parteien darüber nachzudenken, warum das so ist." In seinem Fall habe das tatsächlich geholfen. Er habe bei seinen Gesprächen in den vergangenen Wochen gemerkt, dass die Leute Inhalte wollen und Gespräche auf Augenhöhe. "Das werde ich zum Zentrum der Arbeit in den nächsten Jahren machen." Der 51-Jährige, der 2021 aus der SPD austrat, kündigte an, den Kreistag für die Menschen zu öffnen. "Die Leute müssen wieder mehr Vertrauen fassen, in das, was hier vor Ort passiere. Die Kommunen sind die Herzkammer der Demokratie."

Kurz-Vita Dirk Neubauer

Dirk Neubauer ist Bürgermeister von Augustusburg und über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Grund dafür ist seine medienwirksame Kritik an Landes- und Bundesregierung. Er trat 2017 in die SPD ein und 2021 aus Protest wieder aus. Neubauer ist gebürtiger Hallenser, 51 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 wurde er mit knapp 70 Prozent ins Amt gewählt. Neubauer volontierte beim Mitteldeutschen Zeitungsverlag und arbeitete danach als Reporter, Marketingverantwortlicher und Digitalberater. 2019 und 2021 veröffentlichte er zwei Bücher, in denen er sich mit dem Kampf um die Demokratie beschäftigte.


Die CDU hatte bereits die ersten Runde der Landratswahlen am 12. Juni dominiert. Die AfD verfehlte indes ihr Ziel, bei der Kommunalwahl in Sachsen erstmals in Deutschland einen Landratsposten zu besetzen. Man könne mit dem Ergebnis natürlich nicht ganz so zufrieden sein, sagte AfD-Kandidat Sebastian Wippel nach seiner Niederlage mit 35,8 Prozent im Landkreis Görlitz. "Wir hätten es gerne geschafft, ich wäre es gern geworden. Aber wir haben gezeigt, dass wir eine starke, stabile Stammwählerschaft haben."

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Reaktionen von CDU, AfD und SPD zu Landratswahlen

Am Tag nach der Wahl äußerten sich die politischen Parteien in Sachsen zu dem Ergebnis. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach im Interview mit dem MDR SACHSENSPIEGEL von einer "Stärkung der Demokratie". Diese "lebendige Demokratie" mache ihm Mut. Der Generalsekretär der sächsischen Union, Alexander Dierks, sprach von einem "sehr schönen Tag" für seine Partei in Sachsen. Es sei ein "tolles Zeichen", dass "vor Ort die Kandidaten das Vertrauen erringen konnten, die mit einem konstruktiven Antritt für ihre Heimat unterwegs sind, die gestalten wollen und sich nicht dem Populismus hingeben", sagte Dierks MDR SACHSEN mit Blick auf das Wahlergebnis der AfD.

Der Parteichef der sächsischen AfD, Jörg Urban, übte sich in Selbstkritik. Seine Partei sei "auf kommunaler Ebene nicht so populär wie auf Landesebene". In dieser Hinsicht wolle man in Zukunft stärker werden.

Der Landesvorsitzende der sächsischen SPD, Henning Homann, sagte, das Wahlergebnis zeige, dass "Mehrheiten abseits von CDU und AfD möglich" sind und die SPD "an Zuspruch in Sachsen" gewinne.

OB-Wahlen in Radeberg, Wurzen und Borna entschieden

Finale OB-Wahlen fanden am Sonntag in Radeberg, Wurzen und Borna statt. In Borna endete dabei die Amtszeit von Simone Luedtke. Die Kandidatin der Linkspartei verlor gegen den SPD-Herausforderer Oliver Urban. Luedtke erhielt 39 Prozent, Urban 51,6. Sachsens Linke gratulierte nach Auszählung der Stimmen Oliver Urban zur Wahl als Oberbürgermeister. Gleichzeitig dankte sie ihrer Parteikollegin Simone Luedtke für ihren Einsatz und engagierten Wahlkampf. "Wir sind traurig, dass es nach 14 Jahren sehr guter Arbeit in und für Borna für unsere Oberbürgermeisterin Simone Luedtke nicht zur Wiederwahl gereicht hat".

Wir sind traurig, dass es nach 14 Jahren sehr guter Arbeit in und für Borna für unsere Oberbürgermeisterin Simone Luedtke nicht zur Wiederwahl gereicht hat.

Die Linke

Luedtke gratulierte dem neuen OB ebenfalls und bedankte sich auf Facebook bei den Menschen in Borna. "Es war eine tolle Zeit und ich glaube, unsere Stadt ein Stück weit schöner, lebenswerter und liebenswerter gemacht zu haben", so Luedtke auf Facebook.

In Wurzen holte Einzelbewerber Marcel Buchta die meisten Stimmen. Er gewann mit knapp 57 Prozent klar vor Sarah Fischer von der CDU mit 21,4 Prozent.

Neuer Oberbürgermeister in Wurzen ist Marcel Buchta. Er bezieht den Rathaussessel von Jörg Röglin, der nicht wieder zur Wahl angetreten war. Bildrechte: Corwin von Kuhwede

Und auch Radeberg hat einen neuen Rathauschef. Im zweiten Wahlgang holte Frank Heinz Höhme (Einzelkandidat) 58,6 Prozent der Stimmen. Katja Mulansky (CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) erreichte 41,4 Prozent.

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In Torgau muss erneut gewählt werden

In Torgau stand dagegen der erste Wahlgang für die OB-Wahl an. Die 39 Jahre alte Amtsinhaberin Romina Barth von der CDU konnte sich allerdings nicht beim ersten Urnengang gegen die beiden männlichen Kandidaten Michael Bagusat-Sehrt und Henrik Simon durchsetzen, um weitere sieben Jahre regieren zu können. Barth bekam 47 Prozent der Stimmen, Simon erreichte 43,6 Prozent und Bagusat-Sehrt erhielt 9,2 Prozent. Damit muss in Torgau in zwei Wochen, am 17. Juli, erneut gewählt werden.

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Die zweite Runde der Oberbürgermeisterwahl in Dresden ist am 10. Juli angesetzt.

Wo gibt es die Ergebnisse?

Nachdem in den Städten und Gemeinden die Stimmen ausgezählt waren, wurden die Ergebnisse von den Wahlleitern dem Statistischen Landesamt mitgeteilt. Von dort liefen die Daten unmittelbar bei uns ein. Hier können Sie sich über den Ausgang der Wahl in allen beteiligten Gemeinden und Landkreisen in Sachsen informieren:

Wie ist die Wahl in meiner Gemeinde oder meinem Landkreis ausgegangen?

MDR (dk/bb/wm),dpa

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 04. Juli 2022 | 19:00 Uhr