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Bei Menschen mit Reizdarm schlägt Stress im wahrsten Sinne auf den Magen und den Darm. Bildrechte: COLOURBOX

Ursachen und TherapienReizdarmsyndrom – wie es erkannt wird, was dagegen hilft

20. Juni 2023, 05:00 Uhr

Das Reizdarmsyndrom ist mehr als nur eine Verdauungsstörung, denn die Lebensqualität wird von den Beschwerden beeinträchtigt: ständige Bauchkrämpfe, Bauchschmerzen, die mit Verstopfung, Durchfall oder einem Wechsel aus beidem einhergehen. Jeder Tag ist anders, anders unangenehm. Der Mediziner Dr. Dietz kennt die Ursachen und Symptome. Er erklärt, welche Mittel die Beschwerden mindern können und wie eine FODMAP-reduzierte Diät Besserung für den Darm verspricht.

Die Symptome für ein Reizdarmsyndrom reichen von Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Druck- und Völlegefühl bis zu Durchfall oder Verstopfung. Die Diagnose stellt ein Arzt oder eine Ärztin, wenn ein typischer Beschwerdekomplex vorliegt und andere Ursachen wie eine infektiöse oder chronisch entzündliche Darmerkrankung ausgeschlossen wurden.

Von einem Reizdarmsyndrom spricht man in der Medizin, wenn ...

  • Patientinnen oder Patienten über mindestens drei Monate über Bauchschmerzen und andere Darmbeschwerden wie Blähungen klagen
  • wenn sie einen veränderten Stuhlgang haben
  • die Symptome die Lebensqualität deutlich einschränken
  • sehr wahrscheinlich keine anderen Krankheiten für die Beschwerden verantwortlich sind
  • die Krankheitszeichen mindestens einmal pro Woche auftreten

Was passiert bei Reizdarm?

Liegt ein Reizdarmsyndrom (kurz: RDS) vor, kann das die Lebensqualität stark einschränken. Manchen Menschen schlägt Stress im wahrsten Sinne auf den Magen und den Darm. Die Darmnerven geraten bei ihnen in eine Art Dauererregungszustand, kommen mit der Regulierung der Darmbewegungen durcheinander und melden dem Gehirn: "Schmerz!"

Mitverantwortlich kann auch eine gestörte Darmflora sein: Antibiotika oder schwere Magen-Darm-Infekte bringen die natürliche Mischung der nützlichen Bakterien im Darm durcheinander. Nach einer Salmonelleninfektion beispielsweise ist deshalb das RDS-Risiko um das Achtfache erhöht. Ist die Darmflora über längere Zeit geschädigt, kann sich zudem die Darmschleimhaut verändern. Sie bekommt quasi "Löcher", wird also leichter durchlässig für Giftstoffe und Krankheitserreger. Als Folge findet man bei einigen RDS-Betroffenen mehr Abwehrzellen und deren entzündungsfördernde Botenstoffe im Darm - was wiederum die Darmnerven reizt.

Die Therapie richtet sich danach, welche Symptome vorherrschen und welche Ursachen eine Rolle spielen. Oft hilft eine Ernährungsumstellung. Auch Medikamente und psychologische Verfahren kommen zum Einsatz.

Diagnose: Ausschluss anderer Krankheiten

Bis die Diagnose RDS gestellt wird, ist es oft ein langer Weg. Zunächst müssen andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden – etwa wiederkehrende Infekte, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Nahrungsmittel-Allergien, Fehlbesiedlungen des Darms durch Bakterien, Viren oder Pilze, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa oder auch Tumore im Darm oder an den Eierstöcken.

Mehrere Untersuchungen sollten erfolgen: Magen- und Darmspiegelung, Ultraschall des Bauches, eine Blutuntersuchung mit Blutbild aus Leberenzymen, Salzen, Schilddrüsen- und Nierenwerten. Mit einer Stuhluntersuchung lässt sich Parasitenbefall ausschließen. Mit Atemtests können Unverträglichkeiten gegen bestimmte Zuckerarten nachgewiesen werden.

Ergibt sich bei allen Untersuchungen kein organischer Befund und treten mindestens über zwölf Wochen innerhalb eines Jahres Darmstörungen mit den beschriebenen Symptomen auf, dann lautet die Diagnose: Reizdarmsyndrom.

Reizdarm-Therapie mit FODMAP-Ernährung

Nach australischen Studien kann eine spezielle Diät den Darm sehr effektiv beruhigen. Da sich Stress und Belastungen selten kurzfristig abstellen lassen, sind Einschränkungen beim Essen ein guter Weg.

Lebensmittel für eine FODMAP-reduzierte Ernährung reichen von Brokkoli über Weintrauben bis hin zu Fisch. Bildrechte: PantherMedia / Olga Sergeeva

Die sogenannte FODMAP-reduzierte Ernährung bringt zwar einige drastische Einschränkungen mit sich: Betroffene verzichten dabei ein paar Wochen lang komplett auf alle potenziell reizenden Kohlenhydrate und spezielle Arten von Zucker. Wer das konsequent betreibt, kann seine Darmbeschwerden aber in den Griff bekommen. Allerdings sollte eine FODMAP-reduzierte Diät nicht ohne ärztlichen Rat und klare Diagnose ausprobiert werden, denn sie kann die Beschwerden, zum Beispiel bei einer Allergie, auch verschlimmern.

FODMAP ist die englische Abkürzung für:Fermentable
Oligosaccharides,
Disaccharides,
Monosaccharides
And
Polyols.

Dazu zählen unter anderem Fruktose, Laktose und Sorbit. Das sind Zucker- und Alkoholverbindungen in Lebensmitteln, die von den Bakterien im Darm vergoren werden.

Gemeint sind bei FODMAP schnell vergärende Kohlenhydrate, wie sie etwa in Süßigkeiten, Brot (besonders Weizen), Milchprodukten, Steinobst oder Kohl stecken. Die Polyole (Zuckeralkohole) finden sich in vielerlei industriell hergestellten Produkten als Süßungs- oder Feuchthaltemittel.

Etwa auf Weizenbrot wird bei einer FODMAP-reduzierten Diät verzichtet. Bildrechte: Colourbox.de

Während der FODMAP-reduzierten Diät lassen die Beschwerden gelegentlich rasch nach oder verschwinden sogar ganz. Nach vier bis acht Wochen sollten in jedem Fall die FODMAP-haltigen Nahrungsmittel schrittweise wieder ausprobiert werden, denn sonst können Mangelerscheinungen auftreten. Wichtig ist, im Ernährungstagebuch genau festzuhalten, welche Symptome nun nach dem Verzehr welcher Lebensmittel auftreten. So lässt sich individuell herausfinden, was der Darm verträgt.

Beruhigende Mittel bei Reizdarm

Zur Darmberuhigung haben sich auch einige pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl oder der Extrakt aus Melisse-Blättern bewährt. Hilfreich können auch wasserlösliche Ballaststoffe beispielsweise aus Flohsamenschalen sein.

Generell ist es für Menschen mit RDS sinnvoll, langsamer, gemütlicher und geselliger zu essen – und insgesamt mehr Ruhe und Struktur in den Alltag zu bringen. Neben einer Ernährungsumstellung können auch alternative Therapien die Beschwerden lindern, zum Beispiel Darm-Hypnose, Yoga oder Meditation – einfach mal ausprobieren.

MDR (cbr)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 20. Juni 2023 | 05:00 Uhr