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Hier wird grade der Haupthahn der Erdgasleitung abgedreht – der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt davor, eine neue Gasheizung einzubauen. Bildrechte: IMAGO / Fotostand

Energieberater im InterviewVerbraucherzentrale: Darum sollte keine Gasheizung mehr eingebaut werden

19. Juli 2023, 15:17 Uhr

Zukünftig soll Heizenergie in Deutschland zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. Diese Regel soll nur für neue Heizungen gelten. Ob der Stichtag bereits der 1. Januar 2024 sein wird, ist unklar. Jetzt also noch schnell eine neue Gasheizung einbauen oder doch eine zumeist deutlich teurere Wärmepumpe? Warum der Bundesverband der Verbraucherzentralen inzwischen vorm Einbau einer Gasheizung warnt, erklärt Denis Schneiderheinze, Energieberater der Verbraucherzentrale Sachsen.

MDR um 4: Warum warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen davor, jetzt noch eine Gasheizung einzubauen?

Denis Schneiderheinze: "Im Wesentlichen ist es eine Investition in die nächsten 20 bis 30 Jahre. So eine neue Heizung macht natürlich auch Kosten über diesen Zeitraum. Aktuell muss man da einfach sagen, wird Gas nicht wirtschaftlich sein.

Wir erleben, dass absehbar die CO2-Bepreisung dafür sorgen wird, dass Gas immer teurer wird, wenn wir gleichzeitig auch eine mögliche Förderkulisse für Heizsysteme mit anderen Energieträgern und Erneuerbaren haben. Da wird es ganz einfach eine wirtschaftliche Frage, weshalb wir sagen, lieber nicht auf Gas zu setzen."

Viele sagen, der Einbau einer Wärmepumpe dauert ewig und ist teuer. Das Gebäudeenergiegesetz sieht vor, dass 65 Prozent erneuerbare Energien verheizt werden sollen. Sehen Sie da Alternativen?

"Neben der klassischen Wärmepumpe ist es natürlich da, wo es möglich ist, auch eine Option, auf Fernwärme zurückzugreifen. Die Netze sollen ja auch ausgebaut werden. Und wenn es nicht eine reine Wärmepumpe sein kann, gibt es eine ganze Reihe von hybriden Systemen, wo dann zum Beispiel ein Teil der Heizenergie über die Wärmepumpe kommt, ein anderer Teil vielleicht über Holzbriketts, also Biomasse.

Eine dritte Variante wäre zum Beispiel eine Stromdirektheizung. Die kommt auch für manche Wohnungen und Gebäude infrage. Man ist nicht grundsätzlich nur auf die Wärmepumpe angewiesen, wobei die meistens dann doch ein Favorit wäre."

Denis Schneiderheinze ist Energieberater der Verbraucherzentrale Sachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn man mit Strom oder oder Holzpellets heizt, ist das dann trotzdem okay in Sachen CO2-Ausstoß?

"Biomasse ist grundsätzlich mit inbegriffen. Gerade für Bestandsgebäude wird es da auch absehbar eine Regelung geben, dass das mit unter diese 65-Prozent-Regeln fällt, sodass wir da auch guten Gewissens erst mal sagen können, das ist eine Option."

Wenn die Heizung im Winter ausfällt, ist das immer das Schlimmste. Wie kann man da bereits im Sommer vorbeugen?

"Im Grunde kann jeder schon lange bevor es zu einem Notfall kommt und die Heizung vielleicht irreparabel beschädigt ist, aktiv werden. Das ist ganz klassisch, eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen, wie sie die Verbraucherzentrale anbietet. Da kann man schon mal feststellen: Was ist denn in welchem Gebäude überhaupt grundsätzlich als Heizsystem eine Option? Was ist möglich? Welche Kosten kommen vielleicht auf mich zu?

Diese Beratung, das erleben wir auch, ist ganz stark nachgefragt. Wir empfehlen jedem, vorher aktiv zu werden. Um dann nicht in Situationen zu kommen, wo man nur noch wenige Optionen hat und nicht weiß, was man machen sollen."

Was wird bei einer Energieberatung überprüft?

"Wir haben auch eine Vor-Ort-Beratung. Das ist manchmal ganz sinnvoll, wenn es sehr individuelle Probleme und Fragestellungen gibt. Da kann man auch ganz genau das Haus durchgehen von oben bis unten und schauen: Was ist hier überhaupt für ein Bedarf an Heizenergie vorhanden? Wie lässt sich vielleicht die Gasheizung sinnvoll austauschen durch eine andere Heizung und ein anderes Energiesystem?"

Das neue Heizgesetz ist noch nicht da. Aus Ihrer Sicht als Fachmann: Sollte da noch etwas geändert werden?

"Zunächst würden wir uns wünschen, dass klar ist, was genau für eine Förderung wird es für welche Heizsysteme geben. Um einfach sagen zu können, was für Kosten erwarte ich und womit habe ich zu rechnen. Zum Zweiten auch eine gewisse Transparenz, weil aktuell viel darüber gesprochen wird, dass es eine kommunale Wärmeplanung geben soll. Beim Ausbau der öffentlichen Wärmenetze muss natürlich auch klar sein, wie das stattfinden soll."

Das wird wohl bis nächstes Jahr niemand lösen können.

"Natürlich muss für genau diese Zwischenzeit eine gewisse Planungssicherheit entstehen für die Bürgerinnen und Bürger. Wir würden uns wünschen, dass dem mehr Bedeutung beigemessen wird."

Das Gespräch führte Moderator René Kindermann für MDR um 4.

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Quellen: dpa, MDR (Sebastian Götz, sib)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 18. Juli 2023 | 17:00 Uhr