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Handy-DaumenSchmerzen beim Tippen am Smartphone – Das kann man dagegen tun

21. Mai 2024, 17:39 Uhr

Der Daumen ist gerade am Smartphone oft im Einsatz. Schmerzt er durch Überbelastung, sprechen Ärzte sogar vom Handy-Daumen. Ergotherapeutin Kathleen Kreibich erklärt, wie die Muskulatur entlastet werden sollte.

von Carmen Brehme, Redaktion Wirtschaft und Ratgeber

Welche Bewegungen werden durch Schmerzen am Daumensattelgelenk beeinträchtigt?

Am meisten betroffen sind das Greifen und Halten. Aber auch der Pinzettengriff fällt dann oft schwer, ebenso Schnürsenkel binden, eine Flasche zudrehen oder die Tür aufschließen. Sorgen machen sollte man sich, wenn der Schmerz immer wiederkehrt oder auch wenn man abends zur Ruhe kommt auftritt, Sachen immer wieder aus der Hand fallen oder es permanent wehtut. Dann sollte man zum Arzt gehen.

Gut zu wissenWas in Deutschland als Handy-Daumen oder Whatsappitis bezeichnet wird, heißt im englischen Sprachraum auch "Whatsapp-Disease" (dt.: "Whatsapp-Krankheit").

Bei einem Gelenkverschleiß spricht man auch von Arthrose. Betrifft das nicht vor allem ältere Menschen?

Ergotherapeutin Kathleen Kreibich zeigt das Daumensattelgelenk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So vor etwa zehn Jahren sagte man noch, die Erkrankungshauptzeit liegt bei 55 bis 65 Jahren. Jetzt ist die Zahl deutlich nach vorne gerutscht auf 45 bis 50 Jahre. Eine Ursache ist, dass schon in jungen Jahren der Daumen stark belastet wird, durch Tippen am Handy oder das Zocken an Spielkonsolen. Dadurch werden Bereiche des Gelenkes schon frühzeitig überbeansprucht. Der Knorpel wird dann immer weiter abgenutzt, der Gelenkspalt verkleinert sich, bis er gar nicht mehr vorhanden ist und die Knochen aneinander reiben. Dadurch entstehen Fehlstellungen und Entzündungen. Neben der familiären Disposition bestimmt auch die Art der Belastung, wann dies auftritt.

Stichwort DaumensattelgelenkDas Daumensattelgelenk ist das Gelenk zwischen dem untersten Knochen beim Zeigefinger und dem großen Vieleckbein, das zur Handwurzelreihe gehört. Dreht man den Daumen, findet dort die Bewegung statt.

Wen trifft es häufiger: Männer oder Frauen?

Man sagt, zehn Prozent häufiger ist die Frau von einer Arthrose betroffen. Bei Männern ist es insgesammt etwas mehr als jeder Zehnte, bei Frauen etwas mehr als jede Fünfte. Als Ursache wird vermutet, dass bei der Hormonumstellung mit der Menopause die Bandstrukturen instabil werden und dadurch das ganze Gelenk. So kommt es auch vermehrt zu Verschleißerscheinungen.

Wie können Sie Patienten als Ergotherapeutin helfen?

Ich kann den Gelenkverschleiß nicht stoppen oder heilen. Ich kann aber den Schmerz der Betroffenen deutlich lindern und das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen und im besten Fall eine Operation verhindern. Wichtig ist, dass man die überbelasteten Strukturen entlastet, die Muskeln wieder entspannt. Der Patient muss aber auch lernen, was er im Alltag anders machen kann, dass das Gelenk nicht mehr so beansprucht wird. Welche Hilfsmittel und Handgriffe kann ich selber anwenden?

Welche Übungen zur Entlastung der Daumen-Muskulatur gibt es für zuhause?

Ein Tennisball ist ein einfaches aber wirkungsvolles Trainingsmittel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da das Gelenk sehr instabil ist, ist es wichtig, die Muskulatur zu kräftigen und das Gelenk zu stabilisieren. Eine leichte Übung ist, einen Tennisball zu streicheln. Der Daumen liegt zuerst oben auf und rutscht dann seitlich, so weit wie ich komme, am Ball entlang hinunter. Dann wird er wieder oben angesetzt und das Ganze wiederholt. Wichtig ist, dass der Daumen dabei immer die Oberfläche des Balls berührt. Der kurze Daumenstrecker wird damit trainiert und die Bänder im Sattelgelenk stabilisiert.

Tipp aus der Naturheilkunde: Kohlwickel gegen SchmerzenDie in Kohl enthaltenen Flavonoide und Senfölglykoside wirken entzündungshemmend und fördern die Durchblutung.

Für einen Kohlwickel brauchen Sie einen Weißkohl oder Wirsing, ein Messer, ein Nudelholz, ein Holzbrett und eine elastische Binde.

Waschen Sie zuerst die äußeren Blätter des Kohls. Schneiden Sie dann mit einem scharfen Messer die dicken, hervorstehenden Blattachsen heraus. Walzen Sie mit einem Nudelholz die Blätter so flach, dass die Blattrippen aufbrechen und der Saft austreten kann.

Legen Sie ein bis zwei Blätter auf das schmerzende Gelenk und fixieren Sie sie mit einer elastischen Binde, so dass kleine Bewegungen noch möglich sind. Den Winkel können Sie bis zu zwölf Stunden aber mindestens eine Stunde einwirken lassen. Wiederholen Sie die Anwendung ein bis zweimal täglich.

Welche Übung kann man schnell mal im Büro zwischendurch machen?

Die überbeanspruchte Muskulatur kann entspannt werden, wenn man den Daumenballen gut ausstreicht. Man kann auch mal an den Daumen ziehen. Dadurch wird der Gelenkspalt wieder etwas größer, das entlastet das Gelenk. Auch den Muskel zwischen Zeigefinger und Daumen bisschen drücken und mal reinzwicken.

Ein richtig angelegtes Tape stützt die Muskulatur und lässt noch Bewegungen zu. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn die Beschwerden noch nicht hoch akut sind, kann auch ein Tape helfen. Das kann bis zu sieben Tage drauf bleiben, das ist atmungsaktiv. Der Vorteil beim Tapen ist, dass es nicht so stark einschränkt wie eine Schiene. Ich kann alle anderen Bewegungen im Daumen noch gut ausführen. Bewegung ist auch ganz wichtig bei Arthrose, man darf die Gelenke nicht ruhen lassen.

Was sollte man bei der Ernährung beachten?

Ernährung ist ein ganz wichtiger Faktor bei Entzündungen in den Gelenken. Das gilt nicht nur für das Daumensattelgelenk, sondern für alle Gelenke. Gerade eine basische Ernährung hat sich dort als sehr entzündungshemmend gezeigt. Das heißt, dass man auf Lebensmittel setzt, die wenig säurehaltig sind. Verrückterweise ist es aber so, dass gerade die Zitrone und die Orange basisch sind, weil sie im Körper umgewandelt werden. Spinat, Kurkuma und Ingwer sind förderlich. Wichtig ist auch, dass man versucht, zuckerhaltige Produkte, Kohlenhydrate und den Fleischanteil zu reduzieren. Was viele nicht wissen: Milchprodukte können Entzündungen in Gelenken hervorrufen.

Auch Wärme kann gegen Schmerzen in den Gelenken helfen?

Genau. In der Praxis haben wir ein Paraffinbad. Das ist ein Flüssigwachs mit einer Temperatur zwischen 52 und 58 Grad. Das gibt eine intensive Tiefenwärme für die Gelenke, was gerade bei Arthrose gut ist.

Eine Möglichkeit für zuhause: Man nimmt eine Schüssel mit Linsen, erhitzt diese in der Mikrowelle bei mittlerer Hitze für drei bis 4 Minuten. Wenn man da locker durchgreift, hat man für die Fingergelenke eine schöne, intensive Wärme. Das kann man immer wieder verwenden.

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MDR (cbr)

Dieses Thema im Programm:Das Erste | Mittagsmagazin | 02. April 2024 | 12:00 Uhr