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MDR INFO | Hörer machen Programm | 17.10.2011 : Kann man mit der neuen Tastaturbelegung "Neo" wirklich schneller tippen?

Die Hörerfrage kam diesmal per E-Mail zu MDR INFO. Mike Hörr ist intensiver Computernutzer mit einer hohen Anzahl von Anschlägen pro Minute auf der Tastatur. Er wollte wissen, ob die neue, effizienter sein sollende Tastaturbelegung mit dem Namen "Neo" wirklich besser ist, und ob man mit ihr am Ende schneller schreiben könne.

von Andreas Herrler

Tastatur

Zunächst gab es die Schreibmaschine, und die funktionierte mechanisch, also mit Hebeln, die die Buchstaben aufs Papier druckten.

"Und wenn man da zwei von diesen Hebeln direkt nebeneinander anschlägt, dann verhaken die. Und deswegen sieht man auf der Tastatur, dass zum Beispiel das Q und das U sehr weit auseinander sind. Diese beiden Buchstaben wurden extra auseinandergelegt, obwohl sie ja immer zusammen geschrieben werden, damit die Haken sich nicht beeinflussen."

Arno Trautmann, Entwickler Neo

Der Mann, der das sagt, ist Arno Trautmann, einer der vielen Entwickler von Neo in Deutschland. Und weil Schreibmaschinen mittlerweile kaum noch benutzt werden, sieht er nicht ein, warum die Tasten beim Computer immer noch so angeordnet sind wie früher - also mit Q, W, E, R, T, Z in einer Reihe. Hier setzt Neo an: Vergessen wir die Schreibmaschinen und denken lieber daran, was praktisch für den Nutzer ist.

"Bei Neo hat man sich angesehen: Welche sind die häufigsten Buchstaben? Und diese häufigen Buchstaben, vor allem im Deutschen das E und das N, sollen auf die starken Finger, also auf die Zeigefinger, gelegt werden. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass man sehr viele Handwechsel hat, das heißt: Einen Buchstaben auf der linken Hand schreiben, danach einen auf der rechten. Das entlastet die jeweilige Hand und die Bewegung der Finger"

Arno Trautmann, Entwickler Neo

Deswegen scheint es so, als sei Neo gesünder für die Hand - obwohl es dazu natürlich noch keine Studien gibt. Eine Shift-Taste für Großbuchstaben gibt es bei Neo nicht, sondern sogenannte Mod-Tasten: Mit Mod1 bis Mod6 erreicht man verschiedene Tastaturbelegungen für Sonderzeichen, auch aus Programmiersprachen. Unterm Strich ist das eine völlig neue Schreiberfahrung - das will erst mal gelernt sein.

"Manche Leute, die sehr diszipliniert sind, nehmen sich zwei Wochen Zeit, üben am Tag zehn Stunden und können nach zwei Wochen das Layout perfekt. Andere Leute berichten, dass sie zwei Monate brauchen und dann ungefähr wieder auf der Geschwindigkeit von vorher sind, und ich kenne niemanden, der Neo einmal gelernt hat und am Ende davon wieder abgegangen ist."

Arno Trautmann, Entwickler Neo

Zur Installation auf dem eigenen Rechner muss man nur einen Treiber aus dem Internet herunterladen. Beim Linux-System sind die Treiber sogar schon integriert. Dann interpretiert der Computer die gedrückten Tasten so, wie es Neo will. Das Problem: Eine Tastatur, auf der die Buchstaben nach dem Neo-Standard aufgedruckt sind, gibt es nicht. Einer der Gründe dafür, warum Computerexperte Gerald Himmelein von der Computerzeitschrift "c't" Neo keine großen Chancen einräumt:

"Ob sich das Neo-Layout auf breiter Front durchsetzen kann, wage ich zu bezweifeln. Vor allem wird es kurzfristig Probleme geben, da die Hardware noch nicht so beschriftet ist, wie die Tastatur das vorgibt. Grundsätzlich sehe ich in der Neo-Tastatur gute Chancen, mal die Tastatur zu verbessern. Aber es gab schon früher Ansätze, dies zu versuchen, unter anderem das Dvorak-Layout, das mittlerweile schon über 80 Jahre auf dem Buckel hat, aber sich nie nennenswert durchsetzen konnte."

Gerald Himmelein, Computerzeitschrift "c't

Diese Dvorak-Tastatur wurde in den USA entwickelt und hat ähnliche Ansätze wie Neo - doch nur wenige Menschen waren bereit, umzulernen. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Europa-Tastatur - allerdings ohne eine Optimierung für Vieltipper. Sie versucht, alle im europäischen Sprachraum gebräuchlichen Zeichen in einem Tastaturlayout zusammenzufassen. Und weil die Europa-Tastatur die bestehenden Zeichen nur erweitert, statt sie völlig umzukrempeln, räumt ihr zumindest der Computerexperte Gerald Himmelein bessere Chancen ein als Neo.

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2011, 08:50 Uhr

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