MDR INFO | Hörer machen Programm | 17.10.2011 : Kann man mit der neuen Tastaturbelegung "Neo" wirklich schneller tippen?
Die Hörerfrage kam diesmal per E-Mail zu MDR INFO. Mike Hörr ist intensiver Computernutzer mit einer hohen Anzahl von Anschlägen pro Minute auf der Tastatur. Er wollte wissen, ob die neue, effizienter sein sollende Tastaturbelegung mit dem Namen "Neo" wirklich besser ist, und ob man mit ihr am Ende schneller schreiben könne.
Zunächst gab es die Schreibmaschine, und die funktionierte mechanisch, also mit Hebeln, die die Buchstaben aufs Papier druckten.
Der Mann, der das sagt, ist Arno Trautmann, einer der vielen Entwickler von Neo in Deutschland. Und weil Schreibmaschinen mittlerweile kaum noch benutzt werden, sieht er nicht ein, warum die Tasten beim Computer immer noch so angeordnet sind wie früher - also mit Q, W, E, R, T, Z in einer Reihe. Hier setzt Neo an: Vergessen wir die Schreibmaschinen und denken lieber daran, was praktisch für den Nutzer ist.
Deswegen scheint es so, als sei Neo gesünder für die Hand - obwohl es dazu natürlich noch keine Studien gibt. Eine Shift-Taste für Großbuchstaben gibt es bei Neo nicht, sondern sogenannte Mod-Tasten: Mit Mod1 bis Mod6 erreicht man verschiedene Tastaturbelegungen für Sonderzeichen, auch aus Programmiersprachen. Unterm Strich ist das eine völlig neue Schreiberfahrung - das will erst mal gelernt sein.
Zur Installation auf dem eigenen Rechner muss man nur einen Treiber aus dem Internet herunterladen. Beim Linux-System sind die Treiber sogar schon integriert. Dann interpretiert der Computer die gedrückten Tasten so, wie es Neo will. Das Problem: Eine Tastatur, auf der die Buchstaben nach dem Neo-Standard aufgedruckt sind, gibt es nicht. Einer der Gründe dafür, warum Computerexperte Gerald Himmelein von der Computerzeitschrift "c't" Neo keine großen Chancen einräumt:
Diese Dvorak-Tastatur wurde in den USA entwickelt und hat ähnliche Ansätze wie Neo - doch nur wenige Menschen waren bereit, umzulernen. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Europa-Tastatur - allerdings ohne eine Optimierung für Vieltipper. Sie versucht, alle im europäischen Sprachraum gebräuchlichen Zeichen in einem Tastaturlayout zusammenzufassen. Und weil die Europa-Tastatur die bestehenden Zeichen nur erweitert, statt sie völlig umzukrempeln, räumt ihr zumindest der Computerexperte Gerald Himmelein bessere Chancen ein als Neo.
