100 Jahre: Die Gartenstadt Piesteritz – Beliebt, begehrt, bedroht

Spezial: 100 Jahre Gartenstadt Piesteritz

Geschichte & Geschichten

Harald Kegler 1 min
Bildrechte: DOKfilm Julia Senkler
Gerhard Leske 2 min
Bildrechte: DOKfilm/ Julia Senkler
Jens Uwe Hermenau und Rolf Kißling 2 min
Bildrechte: DOKfilm Julia Senkler
Blick auf die Gartenstadt Piesteritz 3 min
Bildrechte: MDR/Joachim Günther

Rolf Kißlings Fotos als Zeitdokumente

Ausstellung im Neuen Rathaus der Stadt Wittenberg | Bis 16.09.2019 Alltag bei "Familie Walter": Das pralle Leben

Rolf Kißling wuchs in Piesteritz auf – und kehrte als Fotograf immer wieder zurück. Für seine Diplomarbeit an der Leipziger Hochschule dokumentierte er zu DDR-Zeiten den Alltag der "Familie Walter", jetzt zu sehen!

"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Rolf Kißling
"Familie Walter" - Aus der Piesteritz-Serie des Fotografen Rolf Kißling
Bildrechte: Klaus Ißling
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Im Schatten der Stickstoffwerke

Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten "Manchmal glitzerte es auf den Straßen, vom Siliziumkarbid"

Von Gerhard Last stammen diese Farbfilmaufnahmen der Werkssiedlung Piesteritz aus DDR-Zeiten auf 16mm. Die Bilder dokumentieren auch die Umweltbelastung durch das Werk. Frühmorgens staunten die Kinder manchmal.

Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Von Gerhard Last stammen die einzigen Farbfilmaufnahmen der Siedlung aus DDR-Zeiten. Beispielsweise vom Kulturhaus "Wilhelm Pieck", das zuvor und nach der Wende als Piesteritzer Hof firmierte. Nicht nur Jens Uwe Borsdorf, der sich als Maler um die Instandhaltung der Siedlungshäuser kümmert, feierte im Kulturhaus seine Jugendweihe. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Von Gerhard Last stammen die einzigen Farbfilmaufnahmen der Siedlung aus DDR-Zeiten. Beispielsweise vom Kulturhaus "Wilhelm Pieck", das zuvor und nach der Wende als Piesteritzer Hof firmierte. Nicht nur Jens Uwe Borsdorf, der sich als Maler um die Instandhaltung der Siedlungshäuser kümmert, feierte im Kulturhaus seine Jugendweihe. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
"Dass die Siedlung zu DDR-Zeit so schwarz und herunterkommen und dreckig war, das hat uns als Kinder nicht interessiert", sagt Jens Uwe Borsdorf. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Doch unter dem Ausstoß des nahen Werksgeländes leiden nicht nur die Umwelt und die Bausubstanz der Häuser in der Siedlung, sondern auch die Menschen. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Weil viele Arbeiter aus dem katholischen Süden Deutschlands oder Schlesien zuzogen, wurde mitten im protestantischen Kernland die katholische Kirche von Piesteritz gebaut. Höhepunkt im Gemeindeleben war somit das Fronleichnamsfest, eine Prozession durch die Straßen war zu DDR-Zeiten nicht erlaubt. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Es sollte noch fast zwei Jahrzehnte dauern, bis die Gartenstadt Piesteritz wieder in ihren alten Gestalt zu bewundern war. Nicht mit schwarzen, sondern ockergelben Fassaden beispielsweise. Zur Wendezeit wurden erstmals auch Umweltdaten in der Betriebszeitung veröffentlicht. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Die Kinder staunen: "Manchmal glitzerte es auf den Straßen, das war vom Siliziumkarbid, das mit dem Staub herüberkam und auf die Siedlung herunterrieselte", erinnert sich Jens Uwe Borsdorf. Der Fotograf Rolf Kißling weiß noch, wie sich frühmorgens manchmal die Fußabdrücke im Staub auf dem Pflaster abzeichneten. Rosemarie Wipper sagt: "Die Wäsche über Nacht hängen zu lassen, das ging sowieso nicht. Man hat immer geguckt, wo der Wind herkommt." Und beim selbst angebauten Gemüse verwertete man lieber nur das, was sich schälen ließ. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
Die Gartenstadt Piesteritz zu DDR-Zeiten
Mit der Wiederentdeckung des Bauhauses und reformerischer Bewegungen in der DDR rückte die Gartenstadt Piesteritz neu in den Fokus. 1986 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Bildrechte: Privatarchiv Gerhard Last
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Die Anfänge der Werkssiedlung

Alltag in der Werkssiedlung Piesteritz "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"

Christel Panzig recherchiert seit vielen Jahren das Alltagsleben in der Piesteritzer Werkssiedlung. Mit ihrem Team vom Haus der Geschichte in Wittenberg fand sie Zeitzeugen und besondere historische Dokumente.

Spielgefährten in der Langen Zeile 1939
Spielgefährten in der Langen Zeile, 1939 Zwischen 1916 und 1919 entsteht die Piesteritzer Werkssiedlung. Nicht nur die Arbeiter leben dort mit ihren Familien, sondern auch die Betriebsleiter. Allerdings in verschiedenen Wohnquartieren. Die Arbeiterfamilien ziehen in die Reihenhäuser am Krummen Weg, der Gartenstraße oder eben der Langen Zeile. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Spielgefährten in der Langen Zeile 1939
Spielgefährten in der Langen Zeile, 1939 Zwischen 1916 und 1919 entsteht die Piesteritzer Werkssiedlung. Nicht nur die Arbeiter leben dort mit ihren Familien, sondern auch die Betriebsleiter. Allerdings in verschiedenen Wohnquartieren. Die Arbeiterfamilien ziehen in die Reihenhäuser am Krummen Weg, der Gartenstraße oder eben der Langen Zeile. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Hochzeit im Krummen Weg 1925
Hochzeit im Krummen Weg, 1925 Bereits im Dezember 1916 ziehen die ersten Stickstoffwerker mit ihren Familien in die Häuser am Krummen Weg. Dort sollen auch alle Feuerwehrleute wohnen, um im Brandfall einander schnell informieren und agieren zu können. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Frau Schuk mit ihren Kindern 1919 im neu bezogenen Haus Gartenweg 30
Frau Schuk mit ihren Kindern 1919 im neu bezogenen Haus Gartenweg 30 Die Historikerin Christel Panzig leitet das Haus der Geschichte in Wittenberg. Sie recherchiert seit vielen Jahren das Alltagsleben in der Piesteritzer Siedlung. Mit ihrem Team führte sie Gespräche mit Zeitzeugen, deren Bilder und Erinnerungen sie in einem Buch zusammenstellte: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend" Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Markttag in Piesteritz 1930er Jahre
Markttag in Piesteritz ,1930er Jahre Angelegt ist die Werkssiedlung wie ein Dorf mit Rathaus, Kirche und auch einem Marktplatz. Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
Der 1.Mai Festwagen des Frieursalons Zille 1933
Der 1. Mai-Festwagen des Frieursalons Zille, 1933 Die Dokumentation mit Bildern und Zeitzeugenberichten umfasst den Zeitraum von 1919 bis 2009. Der Band wurde vom Haus der Geschichte Wittenberg herausgeben. Weitere Informationen: http://www.pflug-ev.de/ Bildrechte: Haus der Geschichte Wittenberg / Aus dem Band: "Freitags ging Mutter immer zum Markt vorm Haus Feierabend"
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Inspiriert von der englischen Gartenstadtbewegung

Kleiner Rundgang durch die Gartenstadt Piesteritz in den Zwanzigern "Und wenn der Betriebsleiter durch die Siedlung ging ..."

... zogen die Männer die Mützen. Einer der ersten Direktoren der Stickstoffwerke ist Richard Beneke. 1915 zog er mit seiner Familie nach Piesteritz. Aus seiner Sammlung stammen die Fotodokumente aus den 1920er-Jahren.

Gartenstadt Piesteritz: Apotheke und Ladenhaus - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Apotheke und Ladenhaus Angelegt ist die Werkssiedlung wie ein Dorf mit Rathaus, Kirche, Konsum, Marktplatz und den Wohnhäusern, die sich drum herum gruppieren. Hier im Blick: die Apotheke und das Ladenhaus am zentralen Eingang der Siedlung. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Apotheke und Ladenhaus - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Apotheke und Ladenhaus Angelegt ist die Werkssiedlung wie ein Dorf mit Rathaus, Kirche, Konsum, Marktplatz und den Wohnhäusern, die sich drum herum gruppieren. Hier im Blick: die Apotheke und das Ladenhaus am zentralen Eingang der Siedlung. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Damenheim - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Damenheim Der Rundgang führt vorbei am Damenhaus. Dort wohnten junge Frauen, die als z.B. als Sekretärinnen für die Stickstoffwerke arbeiteten. Sie kamen aus dem Bürgertum und verdienten ihren Lebensunterhalt selbst, etwa weil sie nicht standesgemäß heiraten konnten. Herrenbesuche waren im Damenhaus unerwünscht. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Stiller Winkel - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Am Stillen Winkel lebten die Meister und Facharbeiter in 80 bis 150 Quadratmeter großen Wohnungen. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Am Dreieck mit Blick in den Krummen Weg - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Am Dreieck mit Blick in den Krummen Weg Am Dreieck residierten die leitenden Mitarbeiter in Häusern mit einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern, am Krummen Weg wohnten Arbeiterfamilien. Allesamt waren sie mit "fließendem Wasser" und Innentoilette ausgestattet. Ein großer Luxus noch für lange Zeit. Bildrechte: Klaus Beneke
Haus- und Wohnungsgrundriss / Typologie, um 1920 (Beispiel "Krummer Weg")
Alle wohnten in der Werkssiedlung zur Miete, das ist bis heute so. Vor der Privatisierung rettete der Denkmalsstatus die Siedlung. Bildrechte: Privatarchiv Harald Kegler
Haus- und Wohnungsgrundriss / Typologie, um 1920 (Beispiel "Krummer Weg")
Auch wenn die Grundrisse für heutige Verhältnisse klein sind, sind die Wohnungen nach wie vor gefragt. Wer heute einzieht, bewohnt vielleicht auch ein ganzes Haus, etwa 75 Quadratmeter verteilt über drei Etagen, inklusive Garten, kosteten derzeit knapp 700 Euro warm. Bildrechte: Privatarchiv Harald Kegler
Gartenstadt Piesteritz: Gartenweg mit Blick auf Torhaus - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Gartenweg mit Blick auf Torhaus Auch im Gartenweg, der aufs Dreieck folgt, lebten Arbeiterfamilien in Wohnungen ab 50 Quadratmetern. "Und wenn der Betriebsleiter durch die Siedlung ging, da zogen die Männer ihre Hüte oder Mützen. Die Frauen haben geknickst. Das war schon nicht ohne, mit den Chefs 'zusammenzuleben'", gibt Christel Panzig, die das Alltagsleben der Siedlung erforschte, zu bedenken. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: Konsum - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Konsum Auch ein Konsumgebäude gab es. Allerdings waren die Bewohner der Siedlung auch Selbstversorger. Denn hinter den Häusern hatten sie kleine Gärten, oft auch mit einer kleinen Laube darin. Bildrechte: Klaus Beneke
Gartenstadt Piesteritz: © Coswiger Straße - Aus der Piesteritz-Serie von Klaus Beneke
Coswiger Straße Erbaut wurde die Werkssiedlung zwischen 1916-19 nach den Entwürfen des Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg, der sich von der englischen Gartenstadtbewegung inspirieren ließ. Sieben unterschiedliche Haustypen und Wohnungen gibt es, auf einer Fläche von 13 Hektar Trotz all des Grüns - die Nähe zum Werksgelände lässt sich bis heute gut riechen. Bildrechte: Klaus Beneke
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Logo Der Osten - entdecke wo du lebst
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Osten – Entdecke, wo du lebst | dienstags | 21:00 Uhr Der Osten – Entdecke, wo du lebst

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Panoramaansicht von Sosa im Erzgebirge
Im Westerzgebirge liegt Sosa, ein schmuckes Dorf, sauber und aufgeräumt. Etliche Tagestouristen kommen in den Ort. Vor allem im Frühjahr und Sommer. Sechs Gaststätten gibt es im Dorf. Einige mit Pension. Die etwa 2000 Einwohner sind besonders heimatverbunden. Und sie pflegen die typisch erzgebirgischen Traditionen. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer