Ein Händler telefoniert in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main, während im Hintergrund der Verlauf des DAX auf einer Tafel angezeigt wird.
Ein Händler telefoniert in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main, während im Hintergrund der Verlauf des DAX auf einer Tafel angezeigt wird. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Hörer machen Programm Was passiert, wenn alle Börsen schließen?

Wo steht der DAX? Wo notiert der Dow Jones? Börsenmeldungen nehmen in vielen Medien einen breiten Raum ein. Warum die Finanzmärkte so eine große Aufmerksamkeit erhalten, ist nicht für jedermann plausibel. Auch MDR-AKTUELL-Hörer Michael Neubarth hat sich gefragt: Was passiert, wenn plötzlich alle Börsen schließen?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Händler telefoniert in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main, während im Hintergrund der Verlauf des DAX auf einer Tafel angezeigt wird.
Ein Händler telefoniert in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main, während im Hintergrund der Verlauf des DAX auf einer Tafel angezeigt wird. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Zunächst einmal würden alle Börsenmitarbeiter arbeitslos. Doch das ist noch die geringste Auswirkung, sagt Reint Gropp. Er leitet das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.

Es würde weniger Investitionen geben, das Wirtschaftswachstum würde schrumpfen, weniger Jobs.

Reint Gropp, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

"Es hätte also sehr große realwirtschaftliche Konsequenzen für Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung", zeigt Gropp die Auswirkungen auf.

Preisvergleich an der Börse

Um das zu verstehen, muss man sich die Aufgabe von Börsen klarmachen. Eine Börse ist in erster Linie ein Marktplatz. Es kommen viele Käufer und Verkäufer zusammen, um mit Firmenanteilen, Devisen oder Rohstoffen zu handeln.

"Die Preise kann ich beobachten, die Preise kann ich vergleichen wie in einem Einkaufszentrum", beschreibt Gropp. "Wenn drei Schuhläden nebeneinander sind, kann ich gucken, was kosten die Schuhe hier, und was kosten sie da. Und das gibt mir Vertrauen, dass ich nicht übers Ohr gehauen werde."

Die Börse als Handelsplatz

Gäbe es diesen Marktplatz nicht, würde trotzdem noch gehandelt. Allerdings im Verborgenen und zu höheren Kosten. Denn Käufer und Verkäufer fänden weniger leicht zusammen. Eine Börse sorgt für Transparenz. Die Aktiengesellschaften sind verpflichtet Umsätze, Gewinne und Ziele offenzulegen.

Und die Börse achtet auf klare Regeln, sagt Benjamin Hammer von der Handelshochschule Leipzig: "Eine Börse in Deutschland bedarf einer Genehmigung, und es gibt eine Börsenaufsicht, die kontrolliert, dass der Handel korrekt stattfindet." Also, dass Kurse beispielsweise nicht manipuliert würden. "So haben Sie als Anleger erst einmal die Sicherheit, dass der Preis, den Sie bezahlen für einen Rohstoff, für eine Aktie nicht manipuliert wurde."

Unternehmen besorgen sich Geld

Die vielleicht vornehmste Aufgabe einer Börse ist aber: Sie versorgt junge Firmen mit Geld. Bei einem Börsengang werden Unternehmensanteile gegen Bares getauscht. Das kann dann für neue Maschinen oder mehr Mitarbeiter ausgegeben werden. Und das Geld muss, anders als ein Bankkredit, nicht zurückgezahlt werden.

Ohne Börse würde das fehlen, sagt Reint Gropp. Das Geld der Sparer an die Investoren fließen zu lassen, würde wesentlich schwieriger.

Wenn ich dann als Unternehmer Eigenkapital bräuchte, müsste ich am Ende bei reichen Leuten an Türen klingeln, sie fragen: 'habt ihr Geld, wollt ihr bei mir investieren?'

Reint Gropp, Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Gute Unternehmen mit guten Idee aber zu wenig Eigenkapital hätten große Schwierigkeiten, neues Eigenkapital zu finden.

An der Börse wird spekuliert

Was viele an der Börse schreckt, ist die Spekulation. Doch spekuliert würde auch ohne Börse. Schon jetzt findet ein Teil des Wertpapierhandels außerhalb statt. Man spricht von Dark Pools, in denen Wertpapiere ohne Aufsicht den Besitzer wechseln. Zumeist handeln dort Großinvestoren, die unerkannt bleiben wollen. Die Börse hingegen ermöglicht es auch Kleinanlegern, Firmenanteile zu erwerben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2018 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 09:25 Uhr

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2 Kommentare

16.04.2018 11:47 Wo geht es hin? 2

Ich hätte nichts dagegen, wenn alle Börsen dicht machen. Die Börse ist im wilden Westen damals im 19. Jahrhundertals Viehauktion gestartet. Und das war auch einige Zeit das Credo und völlig o.k.. Echte Waren wurden ge - bzw. verkauft. Und dann kamen die Spekulanten. Plötzlich wurde auf steigende oder fallende Kurse gewettet, Leerverkäufe ohne jeden realen Wert dahinter getätigt. Firmen wurden mit Kurswetten, Gerüchten oder Fusionsabsichten künstlich aufgeblasen oder auch abgewertet. Teilweise durch Insidergeschäfte und andere kriminelle Machenschaften "verdienen" sich wenige dort eine goldene Nase auf Kosten der Allgemeinheit. Denn irgendwoher muss ja die Kohle kommen, die sich diese Leute dann unter den Nagel reissen. Mit ehrlicher Arbeit ist so etwas nicht möglich. Also weg damit - dem kleinen Mann würde dadurch absolut nichts fehlen - nur den Spekulanten!

16.04.2018 08:01 colditzer 1

Hier wird eine Erfindung des Mittelalters verteidigt , welche klar überholt ist.
All die Aufgaben, welch im Artikel dargestellt werden können auch außerhalb der Börse erfolgen.
Es gibt genügend andere Kapitalsammelstellen.
90 Prozent der Kurse sowie Käufe und Verkäufe an der Börse werden von Computern generiert.
Auf die Bedeutung der Computerprogramme ist man lieber überhaupt nicht eingegangen.
Und zu behaupten, an der Börse würden keine Kurse manipuliert liegt auf der selben Ebene wie- die Erde ist eine Scheibe.
Gabor Steingart schreibt in einem Buch sehr treffend:
" Nur noch der Narr und der Kleinaktionär glauben, dass die Börenkurse etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun haben."